Zwei Schützenvereine feiern gemeinsam

Präsident Stefan Münchow: „Die Leute aus dem Pandemieschlaf erwecken“

Zwei Schützenvereine feiern gemeinsam

„Faust auf Faust“: Musiker Klaus Lage, gebürtiger Soltauer, hätte sich bei der Veröffentlichung seines Titelsongs für den Schimanski-Kinofilm mit Götz George im Jahr 1985 sicher nicht träumen lassen, dass der Titel das nonverbale Begrüßungs- und Verabschiedungsritual beschreibt, das 35 Jahre später wegen der Corona-Pandemie das gute alte Händeschütteln ablösen wird - zumindest vorübergehend. „Faust auf Faust“ signalisierten jüngst auch die Chefs zweier Schützenvereine, dass sie gemeinsam neue Wege beschreiten, was zum Teil ebenfalls auf die Corona-Pandemie zurückzuführen ist: Der Schützenverein Schneverdingen und der Schützenverein aus der Schneverdinger Ortschaft Zahrensen haben in diesem Jahr nämlich eine Gemeinschaft gebildet, um am Samstag, dem 4. Juni, abends im Festzelt gemeinsam zu feiern. Stefan Münchow, Präsident der Schützenschwestern und -brüder aus der Kernstadt, und Hannes Brockmann, seit wenigen Wochen 1. Vorsitzender der Zahrensener Schützen, erklären, was es mit dieser Kooperation auf sich hat.

Seit 1848 gibt es den Schützenverein Schneverdingen. Deutlich jünger ist der Verein aus der Ortschaft, der im Jahr 1930 gegründet wurde. Ihm gehören aktuell rund 100 Mitglieder an. Mehr als doppelt so viele zählt der Verein aus der Stadt, nämlich 235. „Wir waren schon mal stärker“, so Münchow mit Blick auf die Mitgliederzahl. Es sei zunehmend schwieriger, insbesondere junge Leute für das Schützenwesen zu begeistern. „Manche haben vielleicht Angst vor den Diensten und der Verantwortung. Uniform zu tragen, das ist scheinbar nicht mehr hip“, befürchtet Brockmann. Er und Münchow machen deutlich, dass die Corona-Pandemie die Vereinsarbeit alles andere als erleichtert habe. „Corona hat die Gesellschaft verändert. Und das schlägt sich auch auf die Vereine nieder. Viele haben sich in der Pandemie umorientiert. Das Interesse der Menschen hat sich verändert. Wir wollen nun gegensteuern und die Leute aus dem Pandemieschlaf erwecken“, so Münchow. Und dies soll gemeinsam mit den „Kolleginnen und Kollegen“ aus Zahrensen gelingen. „Wir hatten schon in den vergangenen Jahren ein gutes, nachbarschaftliches Verhältnis und uns gegenseitig auf den Festen besucht“, sagt Münchow. Brockmann nickt zustimmend. Zudem sei ein Mitglied des Vorstandes der Schneverdinger Schützen in der Ortswehr Zahrensen aktiv, so dass es auch auf dieser Ebene Kontakte gegeben habe. Anfang vergangenen Jahres, also in Corona-Zeiten, kam die Idee auf, gemeinsam zu feiern. Jeder Verein bringt seine Erfahrungen mit ein, es gibt mehr „Manpower“, das finanzielle Risiko wird verringert und auch in Sachen Equipment und Ausstattung macht eine Kooperation Sinn, wie Brockmann unterstreicht. „Das ganze Traditionelle um das Schießen herum bleibt bei jedem Verein wie gehabt. Wir wollen nicht mit allen guten Traditionen, die sich bewährt haben und gepflegt worden sind, brechen“, erklärt Münchow.

Das bedeutet, dass beide Vereine ihre eigenen Schützenfeste feiern und jeweils einen eigenen König und Hofstaat ausschießen. „Aber die große Party am Samstagabend machen wir gemeinsam“, erläutert Münchow: „Dies ist bisher einzigartig hier im Kirchspiel Schneverdingen und ich glaube, dass es das auch im Heidekreis so noch nicht gibt.“

Das Ganze wurde den Vereinsmitgliedern natürlich nicht „übergestülpt“. „Zunächst haben wir diese Idee in den beiden Vereinsvorständen besprochen und sind dann mit unserem Konzept in die jeweiligen Mitgliederversammlungen gegangen“, berichtet Münchow: „In beiden gab es keine Bedenken, sondern große Zustimmung.“

Das Festzelt wird am 4. Juni in Zahrensen beim Schützenhaus stehen. Die Schneverdinger werden sich nach der Einkehr bei der amtierenden Majestät Karim Duczek von dort aus auf den Weg zum Festzelt in Zahrensen machen, wo sich beide Vereine um 19 Uhr treffen. Hackengas müssen die Schneverdinger dabei nicht geben, denn das Zelt ist vom amtierenden König nur rund einen Kilometer Luftlinie entfernt. Die große Schützenfestparty ist öffentlich und der Eintritt frei. Für Stimmung wird die Oktoberfest-Band „Die Deichtiroler“ sorgen, die vor drei Jahren bereits beim Oktoberfest in Zahrensen begeisterte. Am Sonntag sind dann wieder beide Vereine für sich.

Die „Feiergemeinschaft“ ist laut Münchow „eine zeitgemäße, neue Ausrichtung. Die Veranstaltung kann dadurch nur gewinnen. Es werden Akzente gesetzt - und beide Vereine feiern mit ihren Gästen. Das kann eigentlich nur ein Erfolg werden, wir sind da sehr optimistisch.“ Und vielleicht gelinge es mit einer zünftigen Gemeinschaftsparty ja auch, etwas zur Nachwuchsgewinnung der beiden Vereine beizutragen, denn: „Ein gelungenes Fest am Samstagabend könnte auch junge Leute dazu inspirieren, mitzumachen.“

Klar ist, dass die Schützen beider Vereine darauf brennen, endlich wieder ausgelassen feiern und die dazugehörigen Traditionen pflegen zu können. Die Zahrensener haben dabei den noch größeren Nachholbedarf. Im Dorf stand im Jahr 2018 das bislang letzte Fest auf dem Programm: Die Veranstaltung im Jahr 2019 wurde wegen eines Trauerfalls kurzfristig abgesagt - und dann kam Corona.

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