100 Jahre Soltauer Finanzamt

Kleine Ausstellung beleuchtet die Entwicklung seit 1919

100 Jahre Soltauer Finanzamt

Viele Steuerzahler sehen das Finanzamt am liebsten aus der Ferne. Jetzt allerdings könnte es für manchen interessant sein, näher heran- und einzutreten: Am 1. Oktober ist die Soltauer Behörde 100 Jahre alt geworden und zeigt dazu die kleine Wanderausstellung „100 Jahre Steuerverwaltung in Niedersachsen“ in Gebäude A (ehemals Gesundheitsamt), ergänzt durch eigene Exponate. Zu sehen ist die Präsentation noch bis zum 22. November, täglich von 9 bis 12 Uhr sowie am Donnerstag von 14 bis 17 Uhr.

Der Rühberg ist die Soltauer „Behördenstraße“, und so hatten Finanzamtsvorsteher Jörg Zimmermann und seine Stellvertreterin Birgit Rieckmann deren Vertreter am Montag zu einer speziellen Führung durch die Ausstellung eingeladen. Dabei stand zwar das hiesige Finanzamt im Mittelpunkt, doch der 1. Oktober 1919 gilt quasi als „Geburtsstunde“ aller deutschen Finanzämter, die seinerzeit durch die Erzbergersche Finanzreform auf einen neuen Weg gebracht worden sind, benannt nach Matthias Erzberger, Finanzminister in der Weimarer Republik, der 1921bei einem Attentat ermordet wurde.

Notwendig geworden war eine solche Neuordnung, „weil die Reparationszahlungen nach dem Ersten Weltkrieg mit dem alten Steuersystem nicht zu bewältigen waren“, so Zimmermann. Und weiter: „Diese Reform war weit vorausschauend, denn viele der damals ausgewählten Standorte und Organisationsformen haben bis heute Bestand“, so Zimmermann. Allerdings nicht alle, gab es doch zunächst auch ein Finanzamt Fallingbostel. 1932 - als die Kreise Soltau und Fallingbostel schon einmal zusammengelegt worden waren - wurden die Finanzämter in Soltau vereint. Nach nur einem Jahr wurden die Kreise wieder getrennt, die Ämter allerdings nicht. Von anfänglich 17 wuchs die Mitarbeiterzahl in der Böhmestadt damit auf 40, die damals ihre Räume auf einem Privatgrundstück in der Marktstraße 31 hatten.

Das Aufgabenspektrum wuchs und mit ihm auch der Personalbedarf. Deshalb wurde - allerdings eher schleppend - 1932 ein Neubau am Rühberg begonnen. Weitere „Arbeit“ kam dann aus einer ganz anderen Ecke: In der Zeit des Nationalsozialismus‘ nutzte das totalitäre Regime die Finanzämter unter anderem, um etwa über die Reichsfluchtsteuer insbesondere jüdisches Vermögen faktisch einzuziehen.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges konnte das Finanzamt dann mit seinen rund 60 Mitarbeiter 1949 in das Gebäude am Rühberg umziehen, das auf 180 Pfählen, elf Meter tief im Morast versenkt, ruht.

Vor allem ein Problem hatte das Finanzamt über die folgenden Jahrzehnte: „All unsere Arbeiten mussten wir per Hand erledigen. Das hieß: je mehr Steuerfälle, desto mehr Mitarbeiter - und die waren und sind nicht leicht zu bekommen“, erläutert Zimmermann. Auf diese Weise kletterte die Personalzahl 1973 auf die Höchstmarke von 220, derzeit liegt sie bei gut 190.

Mit der Digitalisierung ab den 1990ern veränderte sich dann zwar die Arbeit, aber auch der Platz am Rühberg wurde dadurch knapp. Bei der Ausstattung der Arbeitsplätze mit Rechnern wurde nämlich klar, dass die großen Röhrenbildschirme nicht auf die kleinen standardisierten Schreibtische passten. Wo früher sechs bis sieben Mitarbeiter saßen, fanden nur noch drei bis vier Platz: „Unser Problem war also nicht die EDV, sondern das Haus“, erläutert der Vorsteher. So folgten bereits seit den 80er Jahren verschiedene Anmietungen. Ein ab 2000 konkret geplanter Ergänzungsbau fiel zwar endgültig flach, doch mit Kauf und Herrichtung des ehemaligen Gesundheitsamtes durch das Land konzentriert sich die Unterbringung auf den Rühberg. Dazu Zimmermann: „Perspektivisch soll der noch vorhandene dritte Mietstandort in der Winsener Straße aufgegeben werden, weil das Land das zweite eigene Dienstgebäude am Rühberg 13-15 aufstocken möchte. Derzeit läuft aber noch die Fassadensanierung des Altgebäudes.“

Nicht nur, was die Gebäude, sondern auch, was System und Struktur angeht, hat sich einiges verändert. Von der Einführung von ELSTER und weiteren neuen Verfahren und Modernisierungen haben auch die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer profitiert, die rund 30.000 sogenannte Steuerfälle ausmachen: Gab es in den Steuerjahren bis 2017 durchaus Probleme, den Steuerbescheid zügig zuzusenden, „ist hier eine spürbare Verbesserung eingetreten. Dauerte es in den vergangenen Jahren bisher im Schnitt zwischen 55 und 75 Werktagen vom Eingang der Steuererklärung bis zum Bescheiddatum, so liegen wir heute für das Steuerjahr 2018 bei gut 45 Werktagen.“ Weniger Steuern mussten die Heidjer damit allerdings nicht zahlen - aber das ist Sache des Gesetzgebers, nicht des Soltauer Finanzamtes, das nach zuletzt 588 Millionen jetzt ein Steueraufkommen von knapp 600 Millionen Euro im Heidekreis erwartet.

Mit Blick in die Zukunft wünscht sich Zimmermann für sein Amt „keine neuen Steuergesetze, weiter motivierte Beschäftigte und die Aufstockung des zweiten Gebäudes.“

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