328 Lebensjahre, 77 Jahre Freundschaft

Vier Soltauerinnen seit ihrer Einschulung im Jahr 1944 füreinander da

328 Lebensjahre, 77 Jahre Freundschaft

Es ist ein lebensfrohes Quartett, das da am vergangenen Freitagnachmittag im Soltauer Café Chocolat zusammensitzt. Die vier Damen haben alle etwas gemeinsam: Sie sind jeweils 1938 geboren, leben allesamt in der Böhmestadt und sind seit nunmehr unfassbaren 77 Jahren befreundet. Und dieses Band der Freundschaft verbindet Wilma Diederich, geborene Freytag, Ruth Pauksztat, geborene Rade, Inge Paaschburg, geborene von Felde, und Gertrud Springhorn, geborene Ruschmeyer, bis heute. Die vier Damen treffen sich regelmäßig zum Kaffeetrinken und feiern alljährlich den Nikolaustag zusammen, ebenso ihre Geburtstage. Auch bei großen Feiern wie goldenen oder diamantenen Hochzeiten gibt es die fröhlichen Frauen fast immer im „Viererpack“.

Sie alle können sich noch gut an ihre Einschulung im Jahr 1944 in Brochdorf erinnern, ebenso an ihre Lehrer Herrn Gorski, Herrn Zabel und Herrn Lange. Damals wehte noch ein ganz anderer Wind in den Klassenzimmern. „Da gab es noch mit der Rute“, sagt Gertrud Springhorn. Die vier Mädels indes seien von derart rabiaten Strafmaßnahmen verschont geblieben, „denn wir waren ja liebe Deerns.“ Weil nicht nur im Unterricht die Chemie stimmte, schlossen die Mädchen bereits in der 1. Klasse Freundschaft. Und als Freundinnen gingen sie natürlich auch gemeinsam zum Konfirmandenunterricht, wurden 1953 konfirmiert. Auf dem gemeinsamen Konfirmationsfoto, an dem ein wenig der Zahn der Zeit genagt hat, sitzen die vier Mädchen in ihren schwarzen Kleidern nebeneinander in der ersten Reihe, jeweils eine Bibel auf dem Schoß haltend.

Natürlich haben sich die vier Soltauerinnen im Laufe der vergangenen 77 Jahre zwischenzeitlich auch mal aus den Augen verloren, „aber die Verbindung war immer da“, betont Wilma Diederich. Jede der vier Frauen ging ihren Weg, startete ins Berufsleben, heiratete und gründete eine Familie. Die Familien wiederum wurden größer, die Kinder bekamen eigene Kinder, aus Müttern wurden Omas. Freudige Ereignisse wechselten sich ab mit schweren Schicksalsschlägen - wie das Leben nun mal so spielt. Doch was immer auch passierte, jede wusste stets, dass die Freundinnen im Falle eines Falles Gewehr bei Fuß stehen. „Es gibt einen großen Zusammenhalt. Wenn zum Beispiel jemand krank ist, dann wird sich gekümmert“, betont Gertrud Springhorn. Wilma Diederich pflichtet ihr umgehend bei: „Wir sind füreinander da.“ Und Inge Paaschburg: „Von Kind an wissen wir genau, wie die jeweils andere tickt. Und das ist auch wichtig.“

Was alle vier verbindet, ist die Lust am Reisen, am Kennenlernen anderer Länder. „Für mich war meine Amerikareise das Schönste“, meint etwa Ruth Pauksztat und denkt gern an diese HK-Leserreise in die Vereinigten Staaten zurück. Auch an viele Busreisen erinnert sie sich gern. Apropos Busreisen: Viele Heidjer dürften Gertrud Springhorn vom Soltauer Busunternehmen ihrer Familie kennen. Auch sie hat im Zuge ihrer beruflichen Tätigkeit viele Länder gesehen, war mit den Bussen der Firma unter anderem in Schottland, Griechenland und der Türkei unterwegs. Wilma Diederich und ihr Ehemann sind ebenfalls Weltenbummler, haben sich im Alter aus gesundheitlichen Gründen allerdings auf Schiffsreisen „spezialisiert“. „Das ist ja gerade schwierig“, so Diederich und meint damit natürlich die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen. Jammern komme hier für sie indes nicht in Frage, „denn uns geht es ja gut. Wir haben keine finanziellen Probleme und können in unsere Gärten, da geht es vielen Menschen doch deutlich schlechter.“ Und auf die Frage, was sie sich für die Zukunft wünsche: „Vor allem Gesundheit für uns und unsere Familien.“ Dem hat Ruth Pauksztat nur eines hinzuzufügen: „Ich wünsche mir Frieden - es darf nie wieder Krieg geben in Deutschland.“

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