Alles nach eigenen Wünschen

Praxen im zweiten AWS-Ärztehaus haben Betrieb aufgenommen

Alles nach eigenen Wünschen

Sie haben ihre Pforten bereits geöffnet und ihren Betrieb aufgenommen, die beiden Praxen im zweiten Ärztehaus der stadteigenen Ansiedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft Soltau (AWS) im Oeninger Weg. Nach rund zweijähriger Bauzeit haben dort die gemeinschaftliche „Radiologische Praxis Soltau“ von Dr. Frederick J. Phillips und Dr. Stephan B. Cihal sowie die Praxis „Rebhan & Rebhan - Unfallchirurgie/Orthopädie“ ihr individuelles Domizil gefunden. Quasi zur offiziellen Vorstellung hatte AWS-Geschäftsführer Olaf Hornbostel am vergagenen Donnerstag in das neue Gebäude geladen und dabei noch einmal das dahinterstehende Konzept erläutert.

Der AWS-Geschäftsführer verwies dabei auf die seit Jahren verfolgte Strategie seines Vorgängers, Wolfgang Cassebaum, die Gesundheitsversorgung für Soltau und das Umland zu sichern. Als wesentlicher Bestandteil eines Gesamtkonzeptes sollen die Erreichbarkeit von Fachärzten und die Verfügbarkeit medizinverwandter Leistungen in der Böhmestadt gesichert werden. Um dies zu erreichen, sucht die Ansiedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft die Partnerschaft von Ärztinnen und Ärzten, denen sie individuelle Praxismöglichkeiten bietet. Was Cassebaum hier vorgezeichnet habe, so Hornbostel, „das wollen wir fortsetzen.“

Begonnen hat die AWS damit vor Jahren im Dienstleistungszentrum in der Winsener Straße, wo derzeit zehn Einrichtungen untergebracht, die dortigen Kapazitäten allerdings auch erschöpft sind. Deshalb wurden zwei Ärztehäuser im Oeninger Weg geplant: Das erste wurde im Dezember 2016 bei Investitionskosten von rund 2,2 Millionen Euro eingeweiht und beherbergt im Erdgeschoss das „Urologische Zentrum Heidekreis“ und im zweiten Obergeschoss drei Wohnungen, während im ersten Obergeschoss noch 270 Quadratmeter an Praxisflächen verfügbar sind.

Die Arbeiten für das direkt anschließende zweite Gebäude, das ebenfalls drei Wohnungen im zweiten Obergeschoss bietet, begannen im Juli 2017. Und da die künftigen Mieter schon feststanden, konnten deren individuelle Wünsche weitestgehend berücksichtigt werden. In Zusammenarbeit von Ingo Zillmann und Melanie Kohlhaus (beide AWS) mit dem bauleitenden Architekten Adrian Ptaszynski von der Planungsgruppe (PG) Niemeyer, Walsrode, so Hornbostel, „sind wir nicht nur im Zeit-, sondern auch im Kostenrahmen geblieben.“

Letzterer bewegt sich mit rund vier Millionen Euro allerdings deutlich über dem des ersten Ärztehauses. Das liegt zum einen an den aufwendigeren Gründungsarbeiten für dieses Gebäude. Zum anderen aber ist beispielsweise für eine radiologische Praxis spezielles Mauerwerk nötig, um den Strahlenschutz zu gewährleisten. Und der Fußboden muß auch einiges vertragen, wiegt doch das MRT-Gerät stattliche sechs Tonnen, wogegen das CT-Gerät mit gerade mal einer Tonne schon fast als Leichtgewicht daherkommt. Da spielt das digitale Röntgengerät keine „gewichtige“ Rolle mehr, zumindest, was die Belastung des Fußboden betrifft.

„Wir haben den Schritt aus dem Krankenhaus in eine selbstgestaltete Praxis getan. Während dort alles vorgegeben war, haben wir hier unsere neuen Räume durch und durch als Praxis geplant. Zur Umsetzung unserer Vorstellungen haben wir noch einen Innenarchitekten hinzugezogen“, erläutert Phillips. Ganz haben sich die beiden Soltauer Radiologen aber nicht aus ihren bisherigen Praxisräumen im benachbarten Soltauer Heidekreis-Klinikum zurückgezogen: Dort haben sie noch ein weiteres MRT-Gerät stehen. „Tagsüber betreut unsere Praxis mit ihren insgesamt 18 Mitabeiterinnen und Mitabeitern die Krankenhaus-Patienten mit“, so Phillips. Die Größe der neuen Praxis mit gut 500 Quadratmetern sei übrigens ganz und gar nicht überdimensioniert, „allein schon, wenn man bedenkt, dass wir pro Gerät einen Platzbedarf von 30 Quadratmetern haben.“

Komplett nach den eigenen Wünschen haben auch Sophie und Dr. Benjamin Rebhan ihre 324 Quadratmeter große Praxis, in der insgesamt zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig sind, eingerichtet und ausgestattet. Hier in der ersten Etage gibt es zudem die Option, um 94 Quadratmeter zu erweitern. Erweitert worden sind auch die Leistungen: Mittlerweile, so Rebhan, „haben wir schon einen Fußchirurgen eingestellt.“ Möglicherweise folge noch ein Spezialist für Handchirurgie. Rebhan sieht große Vorteile in der Nähe der Praxen, wie sie das Ärztehaus biete: „Wir können im Bedarfsfall einen Patienten nach unten in die Radiologie schicken, und eine halbe Stunde später ist er wieder da. Das kann kein Krankenhaus.“

Apropos Krankenhaus: Sowohl Phillips als auch Rebhan bedauern, dass es keine Chrirurgie im Soltauer Krankenhaus mehr gibt. „Wir würden uns freuen, wenn wir wieder eine hätten“, meint Phillips. Und Rebahn betont: „Die chrirurgische Versorgung im Alltag ist gesichert. Aber nachts und am Wochenende ist es in Soltau problematisch. Gerade in der Feriensaison haben wir zahlreiche Patienten aus den Tourismuszentren wie etwa in Bisingen. Die kommen dann oft nicht damit klar, dass sie nach Walsrode ins Krankenhaus müssen, und verfahren sich dabei auch noch. Für ein Urlaubsgebiet ist das eigentlich nicht in Ordnung.“

Diese Erkentnnis trübt allerdings nicht die Freude über die neuen Praxen. Und auch Hornbostel zeigt sich zufrieden: Dachbegrünung, Radunterstände und ein Vorbau für den Rettungswagen würden noch installiert. Dann wäre das Projekt abgeschlossen. Und wenn es weiteren Bedarf zur Entwicklung der Gesundheitsversorgung geben sollte, kann die AWS auf angrenzenden Flächen zurückgreifen, die sie sich gesichert hat.

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