Altersarmut stark gestiegen

Schuldnerberatung Lüneburger Heide informiert

Altersarmut stark gestiegen

Zur Entwicklung der Schuldensituation in der Bevölkerung informiert jetzt die Schuldnerberatung Lüneburger Heide in Soltau. Ihr Resümee: Die Überschuldung der Verbraucher bundesweit ist leicht gesunken, gleichzeitig ist aber ein sprunghafter Anstieg der Altersarmut zu beobachten.

Laut Schuldneratlas 2020 der Creditreform habe sich die bundesweite Gesamtzahl der überschuldeten Privatpersonen um 69.000 auf 6,85 Millionen verringert. Die Creditreform betone, dass dieses Ergebnis täusche, da die Corona-Lockdown-Folgen und ein neues geplantes Gesetz, das die Insolvenzzeit von jetzt fünf bis sechs Jahren auf demnächst drei Jahre verkürze, sich noch nicht in Zahlen niederschlügen.

Strukturell seien die Zahlen dahingehend sehr dramatisch, dass sich im selben Zeitraum die Verschuldung von Personen über 60 Jahre drastisch erhöht habe: In der Altersgruppe der 60- bis 69jährigen sei die Zahl der Überschuldungsfälle um 13 Prozent auf rund 725.000 Personen gestiegen. Im Bereich der Altersgruppe der über 70jährigen habe sich die Anzahl der verschuldeten Personen von 2019 gegenüber dem Vorjahr um zirka 45 Prozent auf 381.000 Fälle erhöht. Gegenüber 2019 ist die Zahl im Jahr 2020 um weitere 23 Prozent auf jetzt etwa 470.000 Betroffene gestiegen.

Was den Landkreis Heidekreis betreffe, „so weist er aufgrund seiner Struktur langfristig eine erhöhte Verschuldungsquote auf - im Jahr 2020 11,23 Prozent gegenüber einer Quote von 9,87 Prozent im Bundesvergleich“, erläutert Alexander Bach, von der Schuldnerberatung Lüneburger Heide.

Der Schuldnerberater weiter: „Die stark gestiegene Altersarmut macht sich auch im Heidekreis bemerkbar. Immer mehr Rentnerinnen und Rentner suchen unsere Beratungsstelle auf. Für diese Gruppe ist die Armut besonders schwerwiegend, da sich in der Regel die Einnahmesituation nicht verbessern lässt und gleichzeitig - etwa durch steigende Mieten - die Ausgaben davonlaufen.“

Bach sieht diese Entwicklung mit großer Sorge: „Der älteste Klient, der zum finanziellen Überleben einen Minijob ausübte, um seinen Verpflichtungen nachzukommen, war 83 Jahre alt. Das ist schon bitter, wenn man in diesem Alter noch arbeiten gehen muss, um seine Miete bezahlen zu können. Viele Rentner haben aber keine Zuverdienstmöglichkeit - schon aus gesundheitlichen Gründen. Unbefriedigend ist auch, dass die Beratung hier an Grenzen stößt. Was nutzt es, wenn ich analysiere, dass sich die betroffene Person eine günstigere Wohnung suchen muss, aber genau weiß, dass es nur selten niedrigpreisige Wohnungsangebote gibt.“

Gleichwohl ruft Bach die Betroffenen auf, Hilfe anzunehmen: „Hier deshalb ein Appell an alle älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger, die aus Scham noch nie staatliche Unterstützungsangebote beantragt haben oder die seit Jahren an Gläubiger bezahlen: ‚Kommen Sie zu uns, denn in solchen Fällen kann die Schuldnerberatung oft helfen.‘“

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