Auf der Suche nach dem Zusammenhalt

Kreis-SPD startet große Kampagne „Heidekreis-Dialog“

Auf der Suche nach dem Zusammenhalt

„Unsere Generation muss es schaffen, den Nord-Süd-Konflikt zu überwinden, wenn der Heidekreis erfolgreich sein soll“, meint Sebastian Zinke und weiß sich da mit seinen Genossinnen und Genossen einig. Sie starten deshalb jetzt die Kampagne „Heidekreis-Dialog“. Was die SPD dabei im einzelnen vorhat, erläuterte der geschäftsführende Kreisvorstand am vergangenen Freitag im Roten Bahnhof in Soltau.

Zinke und Aynur Colpan als Doppelspitze des SPD-Kreisvorstandes sowie die stellvertretenden Vorsitzenden Tatjana Bautsch und Stephanie Havemann, Finanzverantwortlicher Dr. Detlef Rogosch und Schriftführer Birhat Kaçar demonstrierten Entschlossenheit, die Kampagne auf den Weg zu bringen. Die hatte Zinke bereits nach seiner Wahl zum Kreisvorsitzenden beim Kreisparteitag in Bad Fallingbostel im vergangenen Oktober angekündigt.

Nicht erst seit der Kreisreform 1977 mit der Zusammenlegung der beiden Landkreise Fallingbostel und Soltau gibt es ein bisweilen schwieriges Verhältnis zwischen Nord und Süd. Schon eine erste Zusammenlegung 1932 hielt nur ein Jahr und scheiterte an den Soltauer Protesten. Ganz gewichen ist das gegenseitige Misstrauen in den vergangenen Jahrzehnten nicht. Oft ist es nur latent vorhanden, wird aber dann virulent, wenn sich die eine von der anderen Seite politisch übervorteilt fühlt oder vielleicht auch tatsächlich übervorteilt wird. Jüngstes und in seiner Dimension besonders heftiges Beispiel ist die Auseinandersetzung um den Standort eines neuen Heidekreis-Klinikums (HKK).

Da möchte die SPD jetzt nachhaltig gegensteuern und hat dazu ihre Kampagne „Heidekreis-Dialog“ ins Leben gerufen: „Sie hat mehrere Elemente. Das erste ist der Personalvorschlag für die Landratswahl“, erläutert Zinke. Gemeint ist Jens Grote, hinter dessen Kandidatur für die Wahl im September sich die meisten Parteien gestellt haben. Weiteres Elemente sei die Aufarbeitung dieses Nord-Süd-Konfliktes, wobei es um die Suche nach historischen Ursachen gehe, „aber auch um die Frage, ob die gefühlte Wahrheit stimmt, ob es tatsächlich Gewinner und Verlierer gibt“, so Zinke.

Darüber hinaus sei als weiterer Punkt ein Dialog mit gesellschaftlichen Gruppen - von den Landfrauen bis hin zur Feuerwehr - im Rahmen mehrerer Veranstaltungen vorgesehen. „Und wir schaffen ein Angebot, um den Einwohnerinnen und Einwohnern die Höhepunkte des Heidekreises und seiner verschiedenen Kommunen bei ‚Heidekreis-Dialog on Tour‘ näherzubringen“, kündigt der SPD-Kreisvorsitzende an. Wie das am Ende jeweils ausgestaltet werden könne, hänge natürlich auch von den coronabedingten Vorgaben ab.

Ganz coronakonform, so Colpan, wolle die SPD zunächst mit den Bürgerinnen und Bürgern in Dialog treten: „Wir starten dazu eine Postkartenaktion.“ Rund 62.000 Heidekreis-Haushalte bekommen jetzt eine Postkarte ins Haus: Auf der einen Seite prangt das Motto „Mit-Blicker*in gesucht!“, die andere Seite ist leer und kann mit Vorschlägen gefüllt werden, wie der Heidekreis zusammengeführt werden könnte und um was sich die Heidekreis-Politik kümmern sollte. Wer möchte, kann die Karte dann an die SPD schicken. Wer es lieber digital hat, kann seine Vorschläge auch per E-Mail an dialog@spd-heidekreis.de senden. „Wir hoffen auf breite Rückmeldung und werden diese Themen aufgreifen, um sie dann auch bei unserem Kreisparteitag im Juni in unser Wahlprogramm einfließen zu lassen.“

Die im September anstehende Kommunal- und die Landratswahl spielen also durchaus auch eine Rolle bei der SPD-Kampagne. Zinke indes betont, es gehe in erster Linie nicht um Wahlkampf, denn die Politik im Heidekreis müsse sich dieser Inhalte ohnehin annehmen, wobei das neue HKK nur eines der Themen sei. Und Kaçar unterstreicht, da die Spaltung das größte Problem des Landkreises sei, sei es gut, dass eine Partei diese Sache aufgreife, auch wenn man sich daran durchaus die Finger verbrennen könne.

Eine etwas weniger dramatische Seite kann allerdings Bautsch dieser Angelegenheit abgewinnen: „Es geht nicht nur um Nord gegen Süd. Deshalb sollten wir uns nicht nur auf diesen Konflikt festlegen. Es geht auch um die räumliche Distanz, der Landkreis ist ganz einfach sehr groß. Das konnte ich beispielsweise feststellen, als wir mit einer Schneverdinger Seniorengruppe die Munsteraner Glasausstellung besucht haben. Viele von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern kannten Munster vorher gar nicht richtig, wie sie nach der Tour erzählten.“ Das zeige, dass den Einwohnerinnen und Einwohnern auch die eigenen Nachbarkommunen selbst nicht immer wirklich bekannt seien. „Es geht dabei also auch um Emotionales und um Heimatgefühl. Wir müssen sehen, ob dieses Heimatgefühl auch auf den ganzen Heidekreis erweiterbar ist. Deshalb wird die SPD auch auf Tour gehen, damit jeder Ortsverein die Highlights seiner Kommune an einem Tag Interessierten vorstellen kann“, betont Bautsch.

Auch wenn Colpan und Kaçar als junge Leute für ihre Generation in Anspruch nehmen, der Nord-Süd-Konflikt spiele für sie keine Rolle mehr, so ist er doch existent, zumindest also bei den Älteren. Und so dürfte Zinke wohl richtigliegen, wenn er sagt, es gehe darum, mehr Zusammenhalt im Heidekreis zu erreichen: „Man kann nichts erzwingen, aber man muss etwas tun. Wenn man sich besser kennt, dann schiebt man sich auch nicht mehr gegenseitig alles Schlechte zu. Wenn man sich besser kennt und die Kräfte bündelt, ist man am Ende erfolgreicher. Wenn wir uns in Konkurrenz zu anderen Landkreisen behaupten wollen, dann muss sich der Heidekreis einen.“

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