Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen

Neuer Vorstand für Kulturverein Soltau / Zukunft scheint gesichert

Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen

Vor einem Jahr noch schien es recht dunkel um die Zukunft des Kulturvereins Soltau auszusehen: Der Vorstand hatte - mehrfach - angekündigt, aus Altersgründen nicht mehr kandidieren zu wollen, doch Nachfolger waren nicht in Sicht. Der Verein hätte seine Aktivitäten einstellen müssen. Doch das Blatt hat sich inzwischen gewendet: In einer außerordentlichen Versammlung im Soltauer Hotel Meyn haben die Mitglieder am vergangenen Freitag einen neuen Vorstand mit Dr. Hans Willenbockel an der Spitze gewählt.

1953 gegründet, war der Kulturverein über viele Jahre Garant für ein vielfältiges Theaterleben in der Böhmestadt. 2005 dann geriet der Verein in Schieflage, als er Nachforderungen der Künstlersozialkasse in Höhe von 24.000 Euro begleichen musste: „Das hat der Vorstand quasi als zinsloses Darlehen aus eigener Tasche gezahlt“, so der scheidende Vorsitzende Peter Kerstan. Der Kulturverein gab damals in finanziell schwieriger Zeit allerdings nicht auf, sondern setzte sich einen neuen Schwerpunkt: Er rief die „Soltauer Kammermusiken“ ins Leben und holte damit junge aufstrebende Talente in die Böhmestadt. Über die Jahre machte sich diese musikalische Reihe, die stets in der Bibliothek Waldmühle auf dem Plan steht, einen Namen weit über Soltau hinaus.

Zu verdanken ist dieser Erfolg dem scheidenden Vorstand um Peter Kerstan, zu dem Professor Dr. Hans-Jürgen Sternowsky, Dr. Thomas Büttner sowie Ute und Gerd Hillmann gehören. Doch ein solches Engagement kann nicht ewig währen: „Wir hatten schon dreimal angekündigt, dass wir aus Altersgründen nicht mehr weitermachen wollten, und auch schon mit möglichen Nachfolgern Kontakt aufgenommen - dies allerdings ohne Erfolg“, berichtet Kerstan, der schon seit 31 Jahren dabei ist. Bevor der Kulturvereinsvorstand endgültig die Segel streichen musste, kam dann aber doch noch ein frischer Wind auf: Die personelle Misere hatte sich herumgesprochen und die „richtigen Stellen“ erreicht. Verschiedene Interessierte fanden sich, kamen mit dem Vorstand zusammen und suchten nach Lösungen. Dabei zeigte sich, dass der Vorstand vergrößert werden sollte, um die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen zu können. Um dies zu ermöglichen, gab es bereits im Mai eine außerordentliche Versammlung, auf der die Mitglieder eine entsprechende Satzungsänderung absegneten.

Am 16. August dann die Sitzung, in der der alte Vorstand das Staffelholz an den neuen weitergab. Zuvor ließ Kerstan noch einmal die entscheidenden Ereignisse der vergangenen Monate Revue passieren, während Sternowsky über die Finanzen des Vereins berichtete. Mit der Entlastung des Vorstandes war dann quasi ein wichtiges Kapitel des Kulturvereins beendet - ein weiteres wurde mit der Wahl des neuen Vorstandes aufgeschlagen.

Neben Willenbockel als 1. Vorsitzendem gehören dem Führungsgremium folgende Mitglieder an: 2. Vorsitzende Inga Röders, Schriftführer Christian Schulz, Kassenwartin Nina Springer sowie die Beisitzer Dr. Dorothee Brockmann, Anke und Jürgen Heusler, Sönke Klegin und Martin Rink.

Willenbockel würdigte nach der Wahl nur noch einmal kurz die Verdienste des scheidenden Vorstandes und meinte: „Eigentlich wäre jetzt eine Laudatio auf den alten Vorstand nötig. Die wird in der nächsten Hauptversammlung folgen.“

So bleibt der Kulturverein Soltau mit seinen derzeit 63 Mitgliedern auch weiterhin aktiv: „Der alte Vorstand hat in Absprache mit dem neuen das Programm 2019/20 der ‚Soltauer Kammermusiken‘ zusammengestellt. Sie beginnen mit der ersten Veranstaltung am 26. September“, weiß Kerstan zu vermelden.

Damit muss der neue Vorstand schnell in seine Aufgaben hineinwachsen: „Die Saison steht, wir machen uns jetzt mit den Abonnenten vertraut und setzen das Programm in bewährter Struktur um“, kündigt Willenbockel an. Und mit Blick in die Zukunft meint Jürgen Heusler: „Wir wären nicht abgeneigt, uns als Kulturverein künftig auch andere Bereiche zu erschließen.“ Ideen dazu, bestätigt Willenbockel, gebe es bereits: „Die sind aber noch lange nicht spruchreif. Jetzt wollen wir uns erst einmal ein solides Fundament schaffen.“

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