Aus altem Holze „geschnitzt“

Eichenpfähle werden zu dekorativen Stücken gedrechselt

Aus altem Holze „geschnitzt“

Daß sie sehr alt sein könnten, hatte sich Wilfried Worch-Rohweder schon gedacht. Eine Expertise Ende 2018 brachte dann Gewißheit: Die Pfähle, einst in den Grund der Böhme bei der Soltauer Ratsmühle eingerammt, haben Jahrhunderte auf dem Buckel. Die getestete Probe etwa gehörte zu einer Eiche mit Wachstumsbeginn im Jahr 1158 und Fällung im Jahr 1241. Jetzt drechseln fachkundige Hände Teile dieses alten Holzes zu verschiedenen kleinen Accessoires und dekorativen Gebrauchsgegenständen. Als Vorsitzender des Soltauer Salzsiedervereins will Worch-Rohweder diese Stücke im Soltauer Salzmuseum und beim Brot- und Schinkentag am 1. Mai in der Bahnhofstraße 17 anbieten.

Als das alte Wehr an der Ratsmühle vor rund zehn Jahren durch eine Sohlgleite ersetzt wurde, förderte der Bagger aus dem Schlick altes Holz zu Tage, das sich Worch-Rohweder sicherte. Schon damals hatte sich der Soltauer Gedanken darüber gemacht, wie alt die Pfähle sein und wozu die gedient haben könnten. Vorerst fanden sie aber andere Verwendung auf Worch-Rohweders Grundstück in der Bahnhofstraße zwischen weiteren Relikten vergangener Zeiten: Teils dienten sie als Seitenwand eines Unterstandes, teils wurde aus ihnen der „Mantel“ für ein Becken gefertigt, in das Sole fließt.

Dann kamen Ende 2018 die dendrochronologischen Gutachten über das Alter der Pfähle beziehungsweise der Bäume, aus denen sie entstanden. Zum einen regte dies Worch-Roh-weder zu historischen Überlegungungen zur damaligen Nutzung der Pfähle in Zusammenhang mit Soltaus geschichtlicher Entwicklung im 14. Jahrhundert an. Zum anderen aber wurde er sich auch des Wertes der Pfähle bewußt: „Wir wollten sie nicht mehr Wind und Wetter aussetzen und haben sie von ihrem bisherigen Standort entfernt. Ein Pfahl ist jetzt im Salzmuseum, acht weitere sind eingelagert, und ein zehnter ist aufgeschnitten worden“, berichtet der Soltauer.

Aus diesem Holz soll nun etwas Besonderes werden. Dazu hat Worch-Rohweder Kontakt zu zwei Drechslern aufgenommen, die sich beide damit befassen. Einer von ihnen ist Joachim Garbers aus Oyten. Der 60jährige ist zwar gelernter Tischler, war aber in seinem Berufsleben vor allem in der Verwaltung tätig: „Als ich dann mit 54 in Rente gehen mußte, habe ich mir überlegt, das Drechseln zu lernen.“ Und das hat er dann auch getan. Diese oft kunstvolle und schwierige Bearbeitung von Holz hat Garbers bis heute nicht losgelassen: „Ich bin jährlich auf etwa zwölf Märkten - weniger um Geld zu verdienen, als um dieses Handwerk vorzuführen und beispielsweise zu zeigen, wie aus einem kleinen Holzblock eine Fingersalzschale wird“, so der Oytener. Dabei stellt die Bearbeitung des alten Soltauer Eichenholzes durchaus eine gewisse Herausforderung dar: „Es enthält nur zehn Prozent Feuchtigkeit. Ich habe noch nie mit so trockenem Holz zu tun gehabt. Das Material ist sehr hart und zum Teil rissig. Die Bearbeitung ist anspruchsvoller, aber wer sei Werkzeug scharf hält, kommt damit klar.“ Das Spektum, in dem sich gedrechseltes Holz findet, ist vielfältig - Kugelschreiber und Kapselheber, Salz -und Pfefferstreuer, aber auch Dosen, Schalen und Sparbüchsen sind hier bei Garbers im Programm: „Als Drechsler braucht man immer wieder neue Ideen und muß sich auch entsprechend weiterbilden.“

Was aus dem alten Eichenholz entstehen soll, so Worch-Rohweder, müsse wohlkalkuliert sein: „Da uns nur begrenztes Material zur Verfügung steht, haben wir Interesse daran, es nicht zu verschwenden. Dazu ist es zu schade. Deshalb muß die Produktion durchdacht sein und mit möglichst wenig Abfall auskommen.“ Und weiter: „Wir haben das Material geborgen und wollen es jetzt den Leuten anbieten.“

Daß nicht jeder die Drechslerarbeiten gleich wertvoll einschätzt und entsprechen dafür zu zahlen bereit ist, ist dem Soltauer dabei völlig klar: „Eine gewisse Affinität zu diesen Stücken muß schon vorhanden sein. Wir sind nicht der billige Jakob.“

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