Aus der Waldmühle wird der „dritte Ort“

Lernen, tüfteln, entdecken im neugestalteten Jugendbereich der Soltauer Bibliothek

Aus der Waldmühle wird der „dritte Ort“

Weihnachten werden Wünsche wahr - auch wenn diese schon vor einiger Zeit formuliert worden sind und zudem gar nicht an den Weihnachtsmann gerichtet waren: „Im März 2019 konnten die Teilnehmer beim Jugendforum aufschreiben, was sie in der Waldmühle gern hätten“, blickt Anika Lüdemann zurück. „Wir haben damals viele dieser Anregungen aufgegriffen und in die Planung für die Umgestaltung des Jugendbereichs einfließen lassen“, so die Bibliotheksleiterin weiter. Und nahezu alle Wünsche von damals seien erfüllt worden, von Steckdosen mit USB-Anschluss über Lernplätze bis hin zu einem Forschungsbereich und noch vielem mehr. All das mache die Soltauer Bücherei zum „dritten Ort“, erklärt Florian Wittig, „also nach Schule und Zuhause ist die Bibliothek der Ort zum Lernen“, so der Medienpädagoge im Waldmühle-Team. Zum diesem gehört auch Langzeitpraktikant und Student Lars Göppelhuber. Das Trio stellte am vergangenen Dienstag zusammen mit Fachgruppenleiter Andreas Witt von der Stadtverwaltung vor, was der jetzt fertiggestellte Jugendbereich alles zu bieten hat.

Alles neu und bestens ausgestattet also im Obergeschoß der Bücherei - pfleglich umgehen sollen die Jugendlichen damit schon, doch geschont werden brauche die Einrichtung nicht: „Die darf ruhig ein paar Kerben und Schlieren bekommen“, meinen Lüdemann und Wittig beim Blick auf die noch makellose Holzplatte der nagelneuen Werkbank. Die sei eine Highlight der Ausstattung und das Herzstück im sogenannten „Maker-Space“, höhenverstellbar und robust, dennoch mobil und mit wenigen Handgriffen beiseite geräumt. Dann sei der Platz frei für das „Filmstudio“, so der Medienpädagoge, „und das lässt sich in zehn Sekunden aufbauen“: Einfach die Greenscreen-Leinwände ausfahren und schon können Kinder und Jugendliche hier Clips selbst drehen, dabei am Rechner verschiedene Hintergründe auf die grünen Flächen zaubern.

Auch hierfür ist das nötige Equipment vor Ort: Zwei Laptops und zehn Tablets stehen für die „medienpädagogische Veranstaltungsarbeit“ bereit. Und wer aus seinen am Computer erstellten Fantasieobjekten etwas Greifbares machen möchte, kann am 3D-Drucker Modelle erstellen. „Hier sollen Ideen entwickelt und umgesetzt werden können“, freut sich Wittig.

Schon lange sei die Bibliothek nicht mehr allein zum Ausleihen und Lesen von Büchern und anderen Medien da, meint die Waldmühleleiterin. „Es ist viel mehr ein Treffpunkt geworden, an dem man tüfteln, forschen und entdecken kann - und natürlich auch lesen und chillen“, ergänzt Wittig. Und wenn dabei mal Geräusche aus dem Jugendbereich zu hören seinen, schrecke das die ältere Generation nicht ab, so Lüdemann - im Gegenteil: „Erwachsene werden dann durchaus neugierig, wollen wissen, was denn dort passiert.“ So begegneten sich Generationen, fügt Wittig hinzu: „Es entwickelt sich eine Eindynamik, etwa neulich, als sich ein älterer Herr von einem Jugendlichen den 3D-Drucker erklären ließ. Ganz zwanglos ergeben sich Momente und Begegnungen.“ Diese hat Göppelhuber schon miterlebt - „und das hat auf beiden Seiten für Begeisterung gesorgt“, so der Student: „Das altbackene Bild der Bibliothek hat sich einfach gewandelt“, freut sich der Praktikant.

Doch auch wer weiterhin Stille und Abgeschiedenheit sucht, findet in der Waldmühle ein Plätzchen: „Die Ruhesessel sind tolle Rückzugsorte, die einen abschirmen“, so die Leiterin. Es gibt aber noch einen neuen Platz, an dem Gruppenarbeit hinter transparenten Wänden auch bei höherem Schallpegel niemanden stört: Im neuen „Glas-Cube“ können kleine Gruppen abgeschieden und dennoch offen arbeiten, dabei eine „digitale Tafel“ nutzen. Auf diesem großen Monitor kann man Medien abspielen, direkt schreiben und zeichnen sowie vieles mehr - „einfach unglaublich, was sich damit alles machen lässt“, staunt Göppelhuber.

„Toll, was hier geschaffen wurde“, lobt Witt. In der Waldmühle sei in den vergangenen Jahren enorm viel verändert und verbessert worden, so der Fachgruppenleiter, „hier ist alles im stetigen Wandel.“

Die jetzt abgeschlossene Umgestaltung des Jugendbereichs, in die insgesamt gut 18.000 Euro investiert worden seinen, habe zu 75 Prozent aus dem Förderprogramm „Vor Ort für Alle“ des Deutschen Bibliotheksverbands finanziert werden können, so Wittig. Das „Soforthilfeprogramm für zeitgemäße Bibliotheken in ländlichen Räumen“ habe aber nicht alle 2019 geäußerten Wünsche erfüllen können, weiß Lüdemann: „Viele wollten ein Bistro - die einzige Anregung, die wir nicht umsetzen konnten.“

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