Bald auf der Zielgeraden

Buchdruck-Museum: Vorbereitungen schreiten fort

Bald auf der Zielgeraden

Im „fliegenden Klassenzimmer“ des Soltauer Spielmuseums treffen sich die Mitglieder des Vereins „Erlebniswerkstatt Buchdruck-Museum Soltau“ am 19. November um 18 Uhr. 1. Vorsitzender Reinhard Riedel zeigt dabei in einer unterhaltsamen Bildpräsentation, was in diesem Jahr geschehen ist und wie es um die Finanzen sowie die Realisierung des Museumsprojektes des Vereins steht. Gäste sind zu dieser Veranstaltung willkommen.

„Unsere Mittelbeschaffung ist zwar noch nicht abgeschlossen, aber immer mehr in ‚trockenen Tüchern‘“, so Riedel vorab. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung („LandKULTUR“) fördere mit 100.000 Euro. Die Leader-Region „Hohe Heide“ werde in Kürze ihren Zuwendungsbescheid über 60.000 Euro erteilen. Durch die zugesagte Spende des Fördervereins der Soltauer Wirtschaft und durch die Vereinsmittel (Spenden und Mitgliedsbeiträge) käme man auf 40.000 Euro Eigenmittel. Die Bearbeitung eines letzten gestellten Antrages und die Einwerbung von weiteren privaten Spenden werde aber noch bis zum Frühjahr dauern, um dann spätestens zum 1. April 2020 mit dem Umbau in der Soltauer Kirchstraße 2 zu beginnen.

Weitere Mittel seien noch nötig, insbesondere um die Zinsen der Vorfinanzierung aufzubringen, aber auch, um für Unvorhergesehenes gewappnet zu sein. „Hier setzen wir auf weitere 20.000 Euro“, erläutert Riedel. Der Verein sei zuversichtlich, dass sich auch finanzkräftige Betriebe und Institutionen im Heidekreis mit größeren und kleineren Spenden beteiligten, „damit wir endlich auf die Zielgerade einbiegen.“

Die Mitgliederzahl der „Bleiläuse“ ist stetig von anfänglich zehn Personen auf inzwischen 75 gestiegen. Bei 120 Mitgliedern wäre der Verein finanziell und personell sehr solide und vor allem unabhängig aufgestellt, so der 1. Vorsitzende. Daher sei für die Gutenbergjünger jeder Neueintritt eine große Stärkung des kulturellen Projekts.

Seit 2018 ist die alte Buchdruckerkunst immaterielles UNESCO-Kulturerbe. Das geplante Aktiv-Museum „Die Bleilaus - Schrift- und Druckwelt“ soll nicht nur die neue Heimat für Makottchen „Guddi, die Bleilaus“, werden, sondern für weit mehr als hundert Schriften, eine Linotype-Setzmaschine und diverse Druckmaschinen.

Auch der erste Schritt in Richtung Inklusion ist gemacht: Die „Aktion Mensch“ hat unabhängig vom Projekt 5.000 Euro für die Beschilderung der Setzkästen mit Braille-Schrift zur Verfügung gestellt. Blinde können durch die angebrachte Punktschrift die Setzkasteninhalte identifizieren und dann selbständig setzen, indem sie die großen Buchstaben ertasten und die kleinen durch die vorgegebene Anordnung jedes Setzkastens finden.

„Bei der Anfertigung der Schilder stand uns die ‚Deutsche Blindenstudienanstalt‘(blista) aus Marburg mit Rat und Tat zur Seite.“ Wegen der weltweiten Einmaligkeit des Vorhabens („Blinde können Schrift setzen“) sei die „blista“ auch im Kostenrahmen geblieben. „Das war eine tolle Zusammenarbeit, die wir in den kommenden Jahren nach Möglichkeit fortführen möchten“, freut sich Riedel. Nächste Schritte sollen erst mit Beginn des eigentlichen Projektes umgesetzt werden. Dazu zählen etwa die Einrichtung eines Blinden-Leitsystems am Fußboden, die Erstellung eines Audio-Guides, der Bau eines tastbaren Modells der Museumseinrichtung und die Anschaffung eines Setztisches für Gäste im Rollstuhl.

Neben der Mittelbeschaffung waren die Mitglieder im Jahr 2019 auch praktisch aktiv. Sie organsierten die jährliche Gruppenfahrt zur „BuchDruckKunst“-Messe im Museum der Arbeit, setzten und druckten beim Soltauer Stadtfest, auf der 1.-Mai-Feier in Lehrte, beteiligten sich am Soltauer Inklusionsprojekt „Leben!“ und waren bei vielen anderen Aktionen vertreten. Und sie bieten auch weiterhin Programm: Jeden Dienstag von 14 bis 16 Uhr öffnen sie ihre provisorische Kellerwerkstatt in der Winsener Straße 34 B (Kontakt: www.buchdruckmuseum-soltau.de, info@buchdruckmuseum-soltau.de, Tel. (05191) 32 85.

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