Bardowicker sagen Tschüss

Familie Scharnhop verabschiedet sich mit ihrem Stand vom Soltauer Wochenmarkt

Bardowicker sagen Tschüss

Ihren Abschied vom Soltauer Wochenmarkt hatten sie sich eigentlich etwas anders vorgestellt, wollten Stehtische aufstellen, um am 28. März noch einmal mit ihren Stammkunden ein wenig zu feiern und zu klönen. „Doch durch den Coronavirus wird daraus leider nichts“, so Britta Scharnhop am vergangenen Mittwoch. Für sie und ihren Mann Norbert war es das vorletzte Mal auf dem Soltauer Wochenmarkt, am kommenden Samstag sagen sie dann endgültig Tschüss. Sie - das sind drei Generationen einer Familie, die bei vielen Soltauer schlicht als „die Bardowicker“ bekannt sind: Seit 1964 war die Familie mit ihren frischen Erzeugnissen auf dem Wochenmarkt in der Böhmestadt vertreten. Nun geben sie zwar ihren Stand auf, gehen aber keineswegs in den Ruhestand.

Unwissende könnten meinen, es seien doch ganz entspannte Arbeitszeiten, zweimal die Woche vormittags auf dem Wochenmarkt zu stehen. Mitnichten - denn bei der ganzen Vorbereitung und dem landwirtschaftlichen Betrieb zu Hause bleibt der Familie kaum Zeit zum Verschnaufen: „Wir haben uns unzählige Nächte um die Ohren geschlagen“, erinnert sich Norbert Scharnhop. Wenn sie etwa zum Großmarkt fahren müssen, stehen sie um Mitternacht auf, an anderen Tagen können sie „ausschlafen“ - „dann stehen wir ‚erst‘ um 4 Uhr auf“, schmunzelt Britta Scharnhop. Ihrer Laune habe das jedoch keinen Abbruch getan: „Wir waren und sind noch immer mit Leib und Seele dabei“, freut sich Norbert Scharnhop.

„Und es macht auch immer noch Spaß“, ergänzt der 58jährige, doch die Arbeit sei mittlerweile einfach zu viel geworden. Dazu komme - gerade im Gemüse- und Obst-Segment - ein enormer bürokratischer Aufwand hinzu, erläutert Norbert Scharnhop. Somit werde die Familie diesen Bereich jetzt aufgeben: „Wir müssen einfach kürzertreten.“ Den landwirtschaftlichen Betrieb werde die Familie zwar fortführen, doch von ihrem Wochenmarktstand verabschiede sie sich. Die Entscheidung sei ihnen nicht leichtgefallen, erklärt Britta Scharnhop: „Wir werden Soltau und die tollen Kunden hier, die schon in der dritten Generation bei uns einkaufen, sehr vermissen.“ Aber die eigene Gesundheit gehe einfach vor.

Die heute 53jährige hatte schon früh am Stand ihrer Eltern, Erika und Siegfried Cohrs, mitgeholfen: „Ich war zwölf Jahre alt, als ich mit meinem Vater zum ersten Mal auf dem Wochenmarkt in Munster stand“, erinnert sich Britta Scharnhop. Ihre Eltern verkauften zunächst Sämereien und Pflanzen, später kam Gemüse hinzu und langsam startete noch der Verkauf von Obst und Südfrüchten. 1994 übernahmen dann Britta und ihr Mann Norbert Scharnhop den Marktstand, der heute vor allem für seine große Auswahl an knackigem Gemüse sowie für sein frisches Obst und andere Erzeugnisse bekannt ist. Hier hat auch die nächste Generation oft mitgeholfen.

Zusammen fuhr die Familie zum Wochenmarkt - „fast unser ganzes Leben lang standen wir hier bei Wind und Wetter“, so Norbert Scharnhop. „Wir sind wirklich bei jeder Witterung losgefahren“, fügt seine Frau hinzu, „sogar bei extremen Temperaturen. Am kältesten war es einmal an einem Samstag im Winter 1997/98: Da hatten wir bis zum Mittag immer noch minus 15 Grad.“

Auch wenn es nun eine sehr ruhige Verabschiedung wird, so sind Britta und Norbert Scharnhop dennoch glücklich und dankbar für all die schönen Jahre in der Böhmestadt: „Wir sind auch ein bisschen stolz darauf, wenn Kunden gesagt haben ‚wir treffen uns beim Bardowicker‘ und alle wussten, was gemeint ist.“ Soltau wollen sie übrigens weiterhin die Treue halten, so das Paar, „nur eben nicht mehr mit einem Stand auf dem Wochenmarkt, den wir auch in Zukunft besuchen möchten - dann aber als Kunden.“

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