BBS-Thema: Prävention auf Augenhöhe

Schülervertretung und Schulleitung organisieren Workshops

BBS-Thema: Prävention auf Augenhöhe

Mobbing und Cybermobbing, Diskriminierung und Sexismus, aber auch Drogen, Waffen und menschenrechtsfeindliche Ideologien - ganz frei davon ist wohl kaum eine Schule. Doch wie mit diesen Problemen umgehen? Die Berufsbildenden Schulen (BBS) Soltau haben hier einen ungewöhnlichen Weg eingeschlagen: Am vergangenen Montag stand im Hotel Park Soltau eine Veranstaltung mit verschiedenen Workshops auf dem Programm, organisiert von Schülervertretung und Schulleitung. „Peer to Peer Prevention“ lautete dabei das neudeutsche Zauberwort: Diese Prävention unter Gleichgestellten soll helfen, obengenannte Probleme besser in den Griff zu bekommen. Etwa 50 Klassen- und Kurssprecherinnen und -sprecher hatten sich zu dieser Veranstaltung getroffen, bei der zunächst sechs Leitfragen zu obengenannten Bereichen im Mittelpunkt standen. Für den qualifizierten Umgang mit diesen Themen sorgten dann drei Workshops: So war Kurt Edler, ehemaliger Berufsschullehrer und Experte in dieser Sache, aus Hamburg angereist, um das Gebiet „Extremismus“ zu beleuchten. Im Workshop „Mobbing/Cybermobbing/Strafrecht“ sorgte Sandra Wendt vom Präventionsteam der Polizeiinspektion Heidekreis in Soltau für Informationen, während Carolin Joppich vom Hamburger Institut für konstruktive Konfliktaustragung und Mediation den Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter dem Motto „Zivilcourage können alle!“ die Themen „Zivilcourage, Deeskalation und Intervention“ näherbrachte.

Organisiert hatten Schülervertretung (SV) und Schulleitung diese Aktion gemeinsam. Das Besondere dabei war, daß die SV diese Thematik von sich aus angegangen war: „Wir haben gesehen, daß es Probleme gibt, und haben uns gefragt, wie wir damit umgehen sollen, denn wir wollten Hand in Hand zielgerichtet arbeiten“, berichtete Rafael Hoppe. Die SV habe sich in dieser Sache dann an BBS-Leiterin Gaby Tinnemeier gewandt und offene Türen eingerannt, denn bei der Schulleitung habe es schon ähnliche Überlegungen gegeben. Entstanden war daraus dann die Idee zu jener Workshop-Veranstaltung vom vergangenen Montag, zu der die genannten Expertinnen und Experten gewonnen werden konnten. Das Feld, das es insgesamt zu beackern gilt, ist weit und schwierig, denn es geht um ein Spektrum, das vom objektiven Sachverhalt etwa des verbotenen Waffentragens oder Drogenkonsums in der Schule bis zum Mobbing reicht, wobei bei letzterem die Grenzen vom Spaß zum Mobbing fließend sein können und unterschiedlich empfunden werden. Wichtig sei es deshalb, daß die Schülerinnen und Schüler sensibilisiert würden, so Lennart Dollenberg von der SV. Eine der Ursachen dafür, daß Schülern zwar bestimmte Dinge auffielen, sie das oft aber nicht interessiere, sieht er in der fehlenden Bindung: „Weil Schüler oft nur kurz oder wenige Tage in der Woche die BBS besuchen, fühlen sie sich weniger verantwortlich. Diese Veranstaltung soll deshalb der erste Schritt sein, auf den weitere Aktivitäten folgen, um bei den Jugendlichen die Identifikation mit der Schule zu stärken. Die heutige Veranstaltung soll die Leute motivieren, sich für das Wohl der Schule einzusetzen.“ Damit dies in seinen Ergebnissen festgehalten werde, so Sabine Büsse, Leiterin des Beratungs- und Unterstützungsteams der BBS, „müssen aus den Problembereichen und Ideen, die auf der Veranstaltung herausgearbeitet werden, Konzepte entwickelt werden, um Nachhaltigkeit zu gewährleisten.“ Im täglichen Schulleben wird es also darum gehen, daß nicht weggesehen wird, wenn Unrecht geschieht, aber auch, daß sich Betroffene melden, wenn Grenzen überschritten werden. Dazu Tinnemeier: „Bei der Schulleitung kommt oft nur die Spitze des Eisberges an - und das häufig mit Verspätung. Das ist schlimm. Wir sind mit dem Beratungsteam gut aufgestellt, aber wir brauchen Informationen.“ Deshalb sei es gut, gemeinsam mit der SV etwas zu tun. Und Büsse: „Es kann hier nicht um falschverstandene Loyalität gehen, also darum, daß man andere nicht verpetzt. Deshalb sollen Schüler befähigt werden, auf Augenhöhe etwas zu unternehmen.“ Wie Tinnemeier betonte, könnten die Ergebnisse der Veranstaltung durchaus in die neue Schulordnung einfließen, um Aspekte zu verankern, die der Schülerschaft wichtig seien. Und die SV, so Dollenberg, „erwartet, daß die Schüler ein größeres Bewußtsein entwickeln und sich die Probleme verringern.“ Hier sollen die Klassen- und Kurssprecherinnen und -sprecher die Ergebnisse der Veranstaltung in die Schule tragen und dort als Multiplikatoren wirken. Dazu Hoppe: „Wenn nur ein Drittel von ihnen aktiv wird, haben wir schon Hunderte von Schülerinnen und Schülern erreicht.“

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