„Beton schwimmt“: Gelungene Jungfernfahrt

Nach erfolgreichem Stapellauf auf Badeteich in Steinbeck fahren Soltauer BBS-Schüler Ende Juni zur Beton­kanu-Regatta auf dem Neckar in Heilbronn

„Beton schwimmt“: Gelungene Jungfernfahrt

Vor allem die Schüler, aber auch ihre Lehrer - Udo und Antje Sobczak, Uwe Böhling, Joachim Unger und Andreas Wagner-Wischhoff - sind stolz und glücklich: „Beton schwimmt“, faßt Antje Sobczak die gelungene Jungfernfahrt des Betonbootes der Abteilung Bautechnik der Berufsbildenen Schulen (BBS) Soltau zusammen. Den nötigen Auftrieb im Badeteich in Steinbeck gibt dem ungewöhnlichen Wasserfahrzeug natürlich die Physik - Auftrieb für die Schüler war vor allem die Motivation, bei diesem Gemeinschaftsprojekt etwas Besonderes zu schaffen: Sie wollen mit ihrer Konstruktion am 28. und 29. Juni bei der Beton-kanu-Regatta in Heilbronn auf dem Neckar starten (HK berichtete).

Vor dem Stapellauf am 17. Mai mußten die angehenden Maurer und Zimmerer ihr Gefährt von der Holzschalung für den Bootsbau über die Erarbeitung einer Spezialbetonzusammensetzung bis hin zum Betonieren des Kanus alles selbst machen. Und vor der Jungfernfahrt erfolgte noch die Endmontage des insgesamt rund 200 Kilogramm schweren Kanadiers: „Nachdem die beiden Bootshälften endlich genügend ausgehärtet erschienen, stand am frühen Freitagabend der spannende Moment an, ob das Betonboot hält - was alle Beteiligten sich erhofft hatten“, so Antje Sobczak.

Und: Das Boot hielt. So ging es nun zu einigen ersten Testrunden auf dem Badeteich der Bispinger Ortschaft. „Zur Überraschung und großen Freude der kleinen Bootsbau-Gemeinschaft hatten sich Ort und Zeit herumgesprochen und viele Interessierte angelockt. Pünktlich um 18 Uhr trafen daher nicht nur die am Bau beteiligten Zimmerer- und Maurer-Azubis und die betreuenden Lehrkräfte der BBS ein, sondern auch Eltern, Freunde, Partnerinnen, Kollegen, Ausbilder, Vertreter der Bauunternehmen und sogar zwei Lehrwerksmeister des Ausbildungszentrums des Handwerks aus Lüneburg“, freut sich die Leherin.

„Als der Anhänger mit den beiden Bootshälften vorfuhr, herrschte bereits reger Betrieb am Badeteich und es ging ein Raunen durch die Menge, wie leicht und mühelos die angehenden Gesellen die beiden Bootshälften vom Anhänger hoben und ans Wasser trugen. Zum ersten Mal wurden jetzt die beiden Hälften, die ‚Halblinge‘, zu einer Einheit zusammengeschraubt und zu Wasser gelassen“, erklärt Sobczak.

Dann hieß es für das erste Zweier-Team: Schuhe und Strümpfe aus, Hosen hochkrempeln, rein ins Boot und los. Die beiden jungen Männer nahmen kniend ihre Plätze ein und paddelten mit kräftigen Schlägen geradeaus, um eine Boje herum - „und kamen unter großem Applaus wieder am Ufer an. Das Boot hatte dicht gehalten, eine stabile Lage und exakt den zuvor berechneten Tiefgang“, ist Sobczak stolz. Ähnlich souverän schlugen sich anschließend auch die beiden jungen Damen und ein weiteres Jungenteam. „Damit war klar: Es konnten die Sektkorken knallen.“

Beflügelt von diesem Erfolg beschlossen die Klassen noch am selben Abend, ein weiteres Boot zu bauen, „und dieses Mal mit dem Spezial-Filzgewebe der Firma Röders textiles als Bewehrung“, erläutert die Lehrerin. Und auch das gute Resultat der ersten Paddelversuche motivierte die junge Gruppe zu der spontanen Äußerung: „Jetzt müssen wir noch unsere Paddeltechnik verfeinern, und bei der Betonkanu-Regatta und Heilbronn ‚ärgern‘ wir dann die Studenten.“ Die Teams der Universitäten und Fachhochschulen, von denen manche sogar zum wiederholten Mal dabei sind, gelten als Favoriten, während die Soltauer - eine der ganz wenigen Berufsschulmannschaften - als „Underdogs“ antreten. „Eine große Herausforderung“, weiß auch Udo Sobczak: „Wir hoffen, mit handwerklichen Fähigkeiten den Technologievorsprung der Studenten ausgleichen zu können.“

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