„Branche hat Imageproblem“

Neujahrsempfang des Fördervereins „ProGast“ an den BBS Soltau: Neue Anreize für den Nachwuchs im Berufszweig der Gastronomie schaffen

„Branche hat Imageproblem“

Sie sei existenziell für den Heidekreis, und in der Branche gebe es einen guten Zusammenhalt, so Lutz Behrendt, aber: „wir haben schwierige Zeiten in der Gastronomie“, meint der Abteilungsleiter Gastronomie an den Berufsbildenden Schulen (BBS) Soltau. Dort trafen sich kürzlich Lehrkräfte, Ausbilder und Schüler sowie zahlreiche Vertreter verschiedener Betriebe zum Neujahrsempfang des Fördervereins „ProGast“. Dessen Vorsitzender Michael Sauerland gab in seiner Rede ebenfalls zu verstehen: „Die Branche hat ein Imageproblem. Denn in Vergleich zu anderen Berufszweigen sind in der Gastronomie Arbeitszeiten, Arbeitsbedingungen und Bezahlung für junge Leute eher schlecht.“ Doch beide zeigten auch, dass die Gastronomie gerade für den Nachwuchs ein spannendes und interessantes Feld sein kann - und das nicht zuletzt dank des Fördervereins „ProGast“.

„Wir alle brauchen Mitarbeiter“, so Sauerland, „nur wie finden wir die?“ Die „Generation Y“ - also jene, die zwischen 1980 und 1999 geboren sind - lebe heute vor allem online und suchten auch in diesem Feld nach möglichen Jobs. Es stelle sich laut des „ProGast“-Vorsitzenden also die Frage, ob diese Generation von den Betrieben erreicht werde: „Laut einer repräsentativen Umfrage der IHK gaben 70 Prozent der befragten Unternehmen als wichtigsten Grund für unbesetzte Stellen an, dass sich auf ihre Ausschreibungen niemand meldet.“

Auch hätten nach Sauerland junge Leute oft andere Ziele als früher: „Für die heutigen Arbeitnehmer stehen in Bezug auf Arbeit nicht nur Geld, sondern vielmehr Sinn und Freude an der Arbeit, Selbstverwirklichung und Work-Life-Balance im Vordergrund.“ Um für Arbeitnehmer attraktiv zu sein, müsse das Berufsfeld also Anreize schaffen - und hier hob der Vorsitzende mehrere Punkte hervor: „Eine Ausbildung in der Hotel- und Gaststättenbranche bietet viele Möglichkeiten, etwa schnelle Aufstiegschancen, Verantwortung und die Möglichkeit, überall auf der Welt zu arbeiten und dabei noch viel Spaß zu haben.“

Um Mitarbeiter zu gewinnen, müssten neue Wege beschritten werden, so Sauerland: „Unsere Flexibilität, und unsere Kreativität und unsere Ideen sind heute mehr denn je gefragt, um künftig gute Mitarbeiter zu finden und an die Betriebe zu binden.“ Auch mit der Hilfe von BBS und Förderverein könnten junge Leute zu qualifizierten Fachkräften ausgebildet werden. Der Vorsitzende des Dehoga-Kreisverbands Heidekreis, Jens Asche, betonte ebenfalls: „Wir finden es wunderbar, wie gut ‚ProGast‘ und BBS zusammenarbeiten.“ Und es sei wichtig zu zeigen, „dass der berufliche Weg in der Gastronomie voller schöner Dinge und Erfahrungen ist und die Branche nicht einfach nur bedeutet, am Wochenende arbeiten zu müssen.“

Für das kommende Schul-/Ausbildungsjahr mache sich Behrendt keine Sorgen, da gebe es wieder viele Anmeldungen. Doch für das noch laufende Jahr sehe es bitter aus: „Es ist leider der niedrigste Stand seit Jahren - so haben wir aktuell nur noch elf Köche hier in der Ausbildung, letztes Jahr waren es noch 27.“ Insgesamt 56 Vollzeitschüler und 192 Berufsschüler seinen zur Zeit in dem Bereich an den Berufsbildenden Schulen, so der Abteilungsleiter Gastronomie. Eine schöne Tendenz, die er zunehmend beobachte: „Es besteht eine höhere Bereitschaft, nach dem Besuch der Vollzeitschule noch eine betriebliche Ausbildung zu machen. Hier ist es wichtig, dass die Unternehmen die Zeit dann anrechnen.“

Ein wachsender Anteil an Migranten mache die Ausbildung nicht immer leicht, denn: „Es gibt zunehmend Sprachbarrieren“, so Behrendt. Ein extra aufgelegtes Sprachförderangebot sei leider von den Schülern so gut wie gar nicht wahrgenommen worden: „Die Kollegen saßen zum Teil vor leeren Rängen. Schade, denn nun ist die Sprachfördermaßnahme für Auszubildende gestrichen worden.“ Insgesamt sei der Gastro-Zweig an den Berufsbilden Schulen jedoch gut aufgestellt, „und wir haben auch die Digitalisierung vorangetrieben.“ Denn auch in der Neuordnung der gastronomischen Ausbildung spielten digitale Inhalte eine immer größere Rolle, so der Abteilungsleiter: „Manche Kollegen kritisieren schon, dass so viel Management-Inhalte auf dem Plan stehen. Sie fragen sich, wann da noch Zeit bleibe für die Ausbildung am eigentlichen Produkt.“

Im Rahmen des mittlerweile traditionellen Empfangs konnten Vertreter der Ausbildungsbetriebe und die Ausbilder selbst, Mitglieder des Fördervereins, Lehrer und Sponsoren sowie Gäste aus den Reihen des Dehoga auch die Sieger der Schulmeisterschaft 2019/20 kennenlernen, die die Region und die Schule auf den niedersächsischen Landesmeisterschaften des Gastronomienachwuchses vertreten. Eingeladen waren ebenfalls wieder erfolgreiche Absolventen aus den vergangenen Jahren - für alle Teilnehmer also eine Chance, ehemalige Auszubildende wiederzutreffen und zu erfahren, wohin sie nach der Ausbildung gegangen sind, welche Erfahrungen sie dort gemacht haben. Und wie schon in den vergangenen Jahren stellte der Förderverein „ProGast“ sein Seminarprogramm vor und gab eine Rückschau auf das Austauschprogramm mit der Partnerschule in Les Sables-d‘Olonne.

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