Bürgermeisterwahl: Klang gegen Röbbert

Soltau: Zwei Kandidaten für den Urnengang am 12. September

Bürgermeisterwahl: Klang gegen Röbbert

Dass er Ambitionen auf den Chefsessel im Soltauer Rathaus hat, ist schon seit längerem bekannt. Jetzt hat sich Olaf Klang zum ersten Mal der Presse gegenüber als Bürgermeisterkandidat präsentiert: Bei der Wahl des Stadtoberhauptes am 12. September tritt der parteilose Klang gegen den ebenso parteilosen Amtsinhaber Helge Röbbert an. Beide kandidieren nicht für eine Partei, sondern auf „eigene Kappe“, also unabhängig.

Mit Klang betritt ein gebürtiger Soltauer die politische Bühne: Der 56-Jährige stammt aus der Böhme­stadt, hat hier sein Abitur gemacht und auch die meiste Zeit hier gelebt - abgesehen etwa vom Betriebswirtschaftsstudium in Göttingen. Beruflich stieg der Diplom-Kaufmann zunächst beim Soltauer Unternehmen Cementmüller ein, das er später gemeinsam mit einigen Mitstreitern erwarb, sich aber nach ein paar Jahren von seinen Anteilen trennte, um andere Wege zu gehen.

Die führten ihn nach weiteren Stationen zur Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, wo er insgesamt rund 15 Jahre lang tätig war. Als Leiter Zentrale Dienste mit etwa 60 Mitarbeitern war Klang Haushaltsbeauftragter für einen Haushalt mit einen Volumen von 52 Millionen Euro. Während der vergangenen zehn Jahre seien unter seiner Führung zirka 80 Millionen Euro baulich investiert worden: „Ich bin also mit Ausschreibungen und Förderwesen vertraut“, so Klang. Darüber hinaus ist er seit 21 Jahren Aufsichtsratsvorsitzender der Wohnungsbaugenossenschaft Soltau.

Zum Ende 2020 ist der 56-Jährige aus seinem Job bei der Handwerkskammer ausgestiegen und hat jetzt den Wahlkampf ins Auge gefasst. Bereits vor knapp einem Jahr habe er sich dazu entschieden, für das Bürgermeisteramt zu kandidieren, „weil ich Soltau sehr verbunden bin.“ Durch seine berufliche Vorbildung sei er dafür qualifiziert - und er habe immer gern Herausforderungen angenommen.

Welche Punkte er dabei konkret in den Blick nehmen will, lässt Klang vorerst noch offen, umreißt aber grob die Bereiche: „Die Innenstadt mit Kunst, Kultur, Veranstaltungen und Tourismus ist ein Feld, das bearbeitet werden muss. Eine andere Aufgabe ist, mit Bürgerinnen und Bürgern, Politik und Vereinen ins Gespräch zu kommen, um alle besser zu beteiligen. Da ist in letzter Zeit wenig passiert.“

Als Grundlage einer erfolgreichen Arbeit als Bürgermeister sieht Klang die Entwicklung kreativer Ideen und die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Verwaltung. Das große Fachwissen der Mitarbeiterschaft müsse gemeinsam genutzt werden. Da sei er ein echter Teamplayer. „Und schließlich geht es darum, den ehrenamtlichen Politikerinnen und Politikern, also dem Rat, auf Augenhöhe zu begegnen.“

Zu seiner Motivation, als Bürgermeisterkandidat ins Rennen zu gehen, meint Klang: „Ich möchte mit den Bürgern, der Politik und Verwaltung und mit den Vereinen Soltau voranbringen und alle besser beteiligen. Auch zu anderen Kommunen und zum Landkreis möchte ich die Kommunikation verbessern. Außerdem ist es wichtig, dass es mindestens zwei Kandidaten gibt, damit die Bürger eine Alternative haben.“ Der 56-Jährige werde jetzt noch weitere Gespräche führen, etwa mit der Interessengemeinschaft Handel und Gewerbe Soltau (IHG), aus den sich noch weitere konkretere Wahlkampfthemen ergeben würden. Bereits konkret ist Klangs Position zum Reizthema Nr. 1, dem Standort eines neuen Heidekreis-Klinikums (HKK): „Ich befürworte ein HKK in der Mitte des Kreises, und ich bin für ordnungsgemäße Abläufe - dazu gehört auch das Bürgerbegehren. Was beim Bürgerentscheid herauskommt, müsste dann aber auch akzeptiert werden.“

Auf seinem Weg in den Wahlkampf arbeitet der Soltauer mit einem Team zusammen und hat zudem eine professionelle Agentur ins Boot geholt. Spätestens in der ersten Maiwoche will er auch das digitale Feld bespielen, mit Website und sozialen Medien.

Zusätzliche Unterstützung aus den politischen Reihen wäre Klang sicherlich auch äußerst willkommen, schließlich muss er gegen Röbbert bestehen, der einen nicht zu unterschätzenden Amtsbonus ins Feld führen kann. Nach Besuchen bei CDU, SPD, Grünen und Bürgerunion ist das Echo allerdings eher verhalten. Zumindest Neutralität erhofft sich Klang aber von den Parteien und Wählergemeinschaften. Und danach sieht es im Wesentlichen auch aus. Zwar schicken die Parteien mangels Masse keine eigenen Kandidaten ins Rennen, stellen sich aber auch nicht hinter einen der beiden Kandidaten - mit Ausnahme der Bürgerunion (BU).

Für die Christdemokraten kündigen CDU-Stadtverbandsvorsitzende Elke Cordes und Ratsfraktionsvorsitzende Heidi Schörken Zurückhaltung an: „Wir werden uns als Partei neutral verhalten“, so Cordes. Der gleiche Tenor bei der SPD. Deren Ortsvereinsvorsitzender Christian Frost: „Wir halten uns neutral und geben keine Empfehlung.“ Und Fraktionschef Harald Garbers: „Wir begrüßen zwar die Kandidatur, rufen aber nicht zur Unterstützung auf.“ Auch die Grünen wollen sich neutral verhalten, so Ratsherr Dietrich Wiedemann. Er selbst allerdings weiche da ab: „Ich denke Olaf Klangs Kandidatur ist es wert, unterstützt zu werden. Und so werde ich mich auch positionieren.“

Noch wesentlich eindeutiger bezieht da auch die Bürgerunion Stellung. Deren Vorsitzender Thorsten Schröder: „Wir sind mit der Amtsführung des jetzigen Bürgermeisters nicht einverstanden. Seine Informationspolitik ist eine Katastrophe. Wir sind froh, dass Herr Klang als Kandidat seinen Hut in den Ring geworfen hat. Er hat unsere volle Unterstützung, denn wir wollen den Wechsel.“

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