„Chagall war ein Grenzgänger“

Ausstellung: Museum Soltau zeigt Exoduszyklus mit Originallithographien

„Chagall war ein Grenzgänger“

„Marc Chagall war ein Grenzgänger“, erklärt Gottfried Bernd. Denn als französisch-russischer Maler jüdischer Religionszugehörigkeit habe Chagall auch christliche Stätten geprägt, so der Pastor im Ruhestand: „Unter anderem hat er die Fenster der Stephanskirche in Mainz gestaltet“, erläutert Bernd. Somit ist der Künstler als Grenzgänger zwischen zwei Religionen auch ein wichtiger Teil der langen Geschichte der Juden in Deutschland. Das Soltauer Museum widmet ihm jetzt eine Ausstellung und zeigt den Exoduszyklus mit Originallithographien sowie weitere Werke von Chagall. Vom 19. Oktober bis zum 14. November sind aber noch weitere Exponate der jüdischen Kultur im Heimatmuseum der Böhmestadt zu sehen, unter anderem eine handgeschriebene Thora aus dem 18. Jahrhundert.

Robert Hollmann vom Heimatbund Soltau freut sich, dass Bernd die Ausstellung durch Kontakte zur Kunst-Buch-Galerie Traudisch-Schröter noch Soltau holen konnte. „Auch hiesige Unternehmen haben uns unterstützt“, so Hollmann. Zu sehen ist die gesamte Bildfolge „The Story of the Exodus“ mit 24 Originallithographien Marc Chagalls. Diese Bilder, die 1966 in einer Auflage von weltweit 285 Exemplaren erschienen, dokumentieren die Anfänge der Geschichte des jüdischen Volkes: Von der Auffindung des Knaben Mose bis hin zum gelobten Land, in das Mose das Volk aus der ägyptischen Knechtschaft geführt hat. Durch den Gospel „Go down, Moses…“ wurde der Begriff „Exodus“ zum Synonym für die Befreiung rechtloser und unterdrückter Menschen.

„Im Jahr 2021 leben Jüdinnen und Juden nachweislich seit 1.700 Jahren auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands“, erläutert Bernd. Vor drei Jahren habe der Heimatbund bereits in einer Ausstellung an das jüdische Leben in Soltau erinnert, „die jetzige Ausstellung soll die kulturellen Dinge aus der jüdischen Geschichte in Deutschland zeigen.“

Neben den Exodusmotiven werden zwölf Lithographien von Charles Sorlier nach Chagalls Entwürfen zu den Glasfenstern in der Synagoge des Hadassah Hospitals in Jerusalem gezeigt. Zehn Radierungen Chagalls ergänzen den Einblick in das frühe Kapitel jüdischer Geschichte. Zur Ausstellung gehört auch eine umfangreiche Sammlung von Gegenständen religiöser Bedeutung wie ein Sederteller, eine Pessachhaggadah oder ein Thorazeiger.

Geöffnet ist das Museum von Dienstag bis Sonntag je von 14 bis 17 Uhr. Führungen starten von Donnerstag bis Sonntag jeweils um 16 Uhr. „Führungen sind aber auch nach Anmeldung zu anderen Zeiten möglich“, ergänzt Hollmann.

Begleitend zur Ausstellung stehen zwei Veranstaltungen auf dem Programm: „Hevenu schalom aleichem“ heißt der Liederabend am 9. November um 18.30 Uhr in der Bibliothek Waldmühle. „Begleitend zu den Jüdischen Volksliedern werde ich Gedichte von Chagall vortragen“, so Bernd. Beim Vortrag am 24. November ab 20 Uhr in der alten Reithalle geht es dann um „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland in Vergangenheit und Gegenwart“. Als Referent ist Michael Fürst aus Hannover (Vorsitzender des Landesverbandes jüdischer Gemeinden in Niedersachsen) zu Gast. Die Teilnehmerzahlen zum Liederabend und Vortrag sind begrenzt, Anmeldung (auch zu den Führungen) sind unter Telefon (05191) 71203 oder per E-Mail an c.gberndt@t-online.de möglich.

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