Chaos oder normaler Kurs?

Teilnehmer kritisieren Umsetzung von Weiterbildungsmaßnahme

Chaos oder normaler Kurs?

„BPW Bauhelfer, optional mit Erwerb des Pkw-Führerscheins (Klasse B)“ - so stand es auf dem Info-Blatt. Doch diese „berufspraktische Weiterbildung“ (BPW) des Grone-Bildungszentrums in Soltau für Arbeitslose in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter hat zu Kontroversen geführt: Während mehrere Teilnehmer massive Kritik an Organisation, Ablauf und vermittelten Inhalten üben, weist dagegen das Grone-Bildungszentrum jeden Vorwurf als haltlos zurück.

Vom 21. Januar bis zum 14. Mai, inklusive Praktikumsphase am Ende, lief diese Weiterbildungsmaßnahme, wobei, so Ingo Labs, Unsicherheit geherrscht habe, ob der natürlich von allen begehrte Führerschein auch tatsächlich gemacht werden könne. Labs ist einer der stärksten Kritiker: „Ein solcher Bauhelferkurs wäre eigentlich vollkommen in Ordnung - und wäre noch besser mit Führerscheinerwerb. Doch wie dieser Kurs gelaufen ist - das ist nicht akzeptabel, und das wollen wir uns nicht gefallen lassen.“

Abgesehen vom optionalen Führerschein sollte der Kurs laut Info-Blatt die Module „Teilqualifizierung Bau (Hoch-Tief, Straßenbau, Baunebengewerbe)“, „Ladungssicherungsschein“, „Teilqualifizierung Zimmerei“ und „Teilqualifizierung Maler“ umfassen. „Was wir gemacht haben, war im Grunde alles, was zu einer Innensanierung oder -renovierung gehört, zuvor aber nicht so angekündigt worden war: Fliesen abschlagen, Decken abhängen, Malerarbeiten sowie Spachtel- und Verputzarbeiten. Auf diese Weise haben wir mehrere Räume in Ordnung gebracht.“ So weit, so gut, meint der Soltauer, „aber es war kein ausgebildeter Experte dabei, der die Teilnehmer hätte anlernen können.“ Weil er, Labs, selbst über einige Bauerfahrung verfüge, habe er das dann teilweise übernommen.

„Der Kursleiter war kein gelernter Fachmann. Und im weiteren Verlauf war zwar ein Maurer einige Male auf der Baustelle, aber erst dann, als die Verputzarbeiten schon fast fertig waren. Darüber hinaus war auch mal ein Elektriker für theoretischen Unterricht da.“ Ansonsten, so Labs weiter, sei der Kurs sich selbst überlassen gewesen: „Das hat die Leute zum Teil unzufrieden gemacht, zumal es manchmal auch kein richtiges Arbeitsmaterial gab. Einige Teilnehmer sind dann immer öfter zu spät oder gar nicht mehr gekommen.“ Der Soltauer beklagt, daß von den angekündigten Modulen lediglich der Ladungssicherungschein absolviert worden sei. Andere Teilnehmer sehen das ähnlich. So etwa Maurice Erksmeier, der ebenfalls einen Mangel an qualifizierter Anleitung beklagt: „Der Kurs war etwas chaotisch.“

Im Anschluß stand ein mehrwöchiges Praktikum auf dem Plan: „Einige wollten das nicht machen, weil sie ja schon Räume saniert hatten, andere haben eines gemacht, aber nicht im Baugewerbe“, meint Labs. Er selbst habe sich häufiger über den Ablauf des Kurses beim Kursleiter beklagt. Und ein Praktikum habe er auch nicht gemacht: „Ich habe bei zahlreichen Firmen, auch bei solchen, die nicht aus dem Baugewerbe kommen, nachgefragt, aber nur Absagen erhalten.“ Schließlich habe auch er nicht mehr eingesehen, nach der bereits absolvierten Arbeit noch ein Praktikum zu machen. Das habe ihm eine Abmahnung eingebracht.

Weil er sich solchermaßen in einer Weiterbildungsmaßnahme verhalten hat, könnte das für Labs Sanktionen über das Jobcenter nach sich ziehen, so beispielsweise Leistungskürzungen. Deshalb nimmt der Soltauer bereits anwaltliche Hilfe in Anspruch. Schließlich sieht er sich im Recht.

Das tut die Grone-Bildungsstätte allerdings auch. So meint Torsten Geisler, Leiter der Bildungsstätte: „Die Kurse werden zwischen Auftraggeber, also dem Jobcenter, und uns, dem Auftragnehmer, verhandelt und in Absprache mit dem Auftraggeber erledigt. Das ist auch hier so geschehen.“

Dies könne aber nicht immer nach einem starren Schema laufen, „denn wir haben es mit Menschen zu tun, auf die wir eingehen und die wir nach ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten dort abholen müssen, wo sie stehen. Das heißt - bezogen auf die angegebenen Module - auch, darauf zu achten, inwieweit die Leute in der Lage sind, bestimmte Tätigkeiten zu erledigen, und, wenn nötig, Alternativen zu bieten.“

Dabei seien die Kursteilnehmer keineswegs sich selbst überlassen gewesen: „Insgesamt waren es fünf Dozenten, die in diese Weiterbildung einbezogen waren, sowohl im Baubereich als auch im Bereich Bewerbungstraining. Zudem ist auch der Kursleiter handwerklich vorgeprägt. Und was die Praktikumsplätze betrifft: Es ist grundsätzlich nicht vorgeschrieben, daß ein Praktikum auch im jeweiligen Fachbereich zu absolvieren ist. Wir suchen auch Praktikumsplätze in anderen Bereichen. Dies hat beispielsweise in diesem Kurs sogar einem Teilnehmer eine Anstellung gebracht. Herr Labs allerdings hat ein Praktikum rigoros abgelehnt.“ Und der Kursleiter ergänzt: „ Obwohl wir ihm einen Platz bei der Straßenmeisterei, die ja auch mit Straßenbau zu tun hat, angeboten haben.“

Daß nicht immer alles glatt laufe, eventuell eine Umplanung erforderlich sei und auch mal ein Fehler passieren könne, sei normal, meint Geisler. Das ändere aber nichts an der Gesamteinschätzung: „Die Vorwürfe sind haltlos. Alles ist so gelaufen, wie es hat sein sollen. Natürlich gibt es aber immer Leute, denen das nicht gefällt. Wir haben jedoch, wie übrigens immer nach einer solchen Maßnahme, eine Umfrage unter den verbliebenen Teilnehmern gemacht - und die waren alle zufrieden.“

Angesichts dieser kontroversen Positionen stellt sich natürlich auch die Frage, wie das Jobcenter als Auftraggeber die Situation einschätzt. Schließlich kostet die Bauhelfer-Qualifizierung rund 3.000 Euro und soll die Rückkehr in eine berufliche Anstellung ermöglichen oder erleichtern.

Von der Pressestelle des Landkreises Heidekreis als Träger des hiesigen Jobcenters heißt es dazu auf Anfrage, die konkrete Ausgestaltung einer Maßnahme obliege grundsätzlich der Weiterbildungseinrichtung in eigener Verantwortung, wobei das Jobcenter während der Durchführung im engen Kontakt zum jeweilgen Bildungsträger stehe. Dabei handele es sich „um zertifizierte Maßnahmen. Durch das Jobcenter dürfen den Kunden nur solche angeboten werden.“

Ob der in Rede stehende Kurs da möglicherweise nicht korrekt gelaufen ist, kann die Pressestelle nicht beantworten, weil das Jobcenter mündlichen Vorwürfen nicht nachgeht. So sei Kritik, erläutert eine Sprecherin, zwar verbal geäußert worden, doch für eine Beschwerde sei eine schriftliche Einlassung erforderlich. Darauf seien die Kritiker auch aufmerksam gemacht worden. Das ist nachvollziehbar, denn aufs Hörensagen mag sich wohl keiner verlassen. Bisher, so die Sprecherin, sei allerdings nichts Schriftliches eingegangen.

Labs bestätigt dies: Einige Teilnehmer - er selbst eingeschlossen - hätten ihre Kritik mündlich an ihre Betreuer im Jobcenter weitergegeben, sich aber noch nicht schriftlich beschwert. Einigen falle es allerdings auch nicht leicht, sich entsprechend schriftlich auszudrücken: „Wir wollen das deshalb gemeinsam formulieren und dann unterschreiben.“

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