„Corona-Kinderimpfzentrum Heidekreis“: Am kommenden Montag geht es los

Dr. Michael Abend: „Momentan gehen wir davon aus, dass wir so viel Impfstoff erhalten werden, dass wir etwa 50 Kinder pro Woche impfen können“

„Corona-Kinderimpfzentrum Heidekreis“: Am kommenden Montag geht es los

Schwere Verläufe von COVID-19-Erkrankungen sind bei Kindern glücklicherweise selten. Nichtsdestotrotz haben viele Mütter und Väter den Wunsch, mit einer Impfung auf „Nummer sicher“ zu gehen. Im Heidekreis wird Eltern vom kommenden Montag, 10. Januar, an im „Corona-Kinderimpfzentrum Heidekreis“ in Soltau, das vom Heidekreis-Klinikum (HKK) verantwortet wird, die Möglichkeit geboten, Kinder ab fünf Jahren in den Räumlichkeiten des „Geburtshauses Bauchgefühl“, Oeninger Weg 30, impfen zu lassen. Darauf weist das HKK am heutigen Donnerstag in einer Mitteilung hin.

Das Heidekreis-Klinikum erinnert daran, dass der COVID-19-Impfstoff von BioNTech/Pfizer für Kinder zwischen fünf und elf Jahren am 26. November vergangenen Jahres EU-weit zugelassen worden sei. Am 9. Dezember schließlich habe die Ständige Impfkommission (STIKO) mitgeteilt, dass auch in Deutschland Kinder ab fünf Jahren mit „Comirnaty“, dem Corona-Impfstoff der Firma BioNTech/Pfizer, geimpft werden könnten. Seit dem 13. Dezember 2021 sei hierzulande schrittweise mit diesen Impfungen begonnen worden.

Vom kommenden Montag an gibt es dieses Angebot nun also auch in der Böhmestadt. Dazu Dr. Michael Abend, impfverantwortlicher Arzt im „Corona-Kinderimpfzentrum Heidekreis“ und Chefarzt der Kinderklinik Finkelstein am Heidekreis-Klinikum: „Selbstverständlich bieten wir diese Schutzimpfung für alle Kinder zwischen dem fünften und 18. Lebensjahr an.“

Terminbuchungen können bereits seit dem 4. Januar online über die Internetseite www.corona-kinderimpfzentrum-heidekreis.de vorgenommen werden. Dr. Abend: „Momentan gehen wir davon aus, dass wir so viel Impfstoff erhalten werden, dass wir etwa 50 Kinder pro Woche impfen können. Die Zweitimpfung kann nach drei Wochen erfolgen. In unserer Kinderarztpraxis des Medizinischen Versorgungszentrums Soltau haben sich bereits rund 300 Eltern gemeldet, die ihre Kinder impfen lassen möchten. Diese werden in den nächsten Tagen von unserem Team angerufen, um einen Termin zu vereinbaren.“ Wer sich also dazu entscheide, seine Kinder impfen zu lassen, müsse nun mit Wartezeit rechnen.

Was Eltern natürlich zuallererst wissen möchten, ist, ob der Impfstoff für Kinder der besagten Altersgruppe ausreichend getestet worden ist. Das HKK verweist hier auf die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), die die Wirksamkeit und Risiken von Comirnaty in einer medizinischen Studie untersucht habe. Anfang November seien die Ergebnisse im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht worden. Das Heidekreis-Klinikum führt diese in seiner Mitteilung auf: „In der Altersgruppe der fünf- bis elfjährigen Kinder wurden insgesamt 2.268 Kinder in zwei Gruppen unterteilt: 1.517 Kinder wurde zweifach mit Comirnaty geimpft, 751 Kinder erhielten zweifach ein Placebo, also ein Scheinmedikament. In der tatsächlich geimpften Gruppe erkrankten nach der Zweitimpfung drei Kinder an COVID-19, in der ungeimpften Gruppe waren es 16 Fälle. Ernsthafte Nebenwirkungen fielen nicht auf.“ Auch in den USA, in denen laut der US-Gesundheitsbehörde CDC bereits 3,7 Millionen Kinder vollständig geimpft seien und weitere 2,5 Millionen Kinder bereits eine Impfdosis erhalten hätten (Zahlen bis zum 21. Dezember 2021), seien keine schweren Nebenwirkungen aufgetreten. „Gleichlautend meldeten israelische Gesundheitsbehörden, dass nach den ersten 60.000 Impfungen von Kindern keine schweren Nebenwirkungen aufgetreten“, heißt es in der Mitteilung des HKK.

Allerdings seien Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen als Nebenwirkungen bei mRNA-Impfstoffen aufgetreten, insbesondere bei Jungen und jungen Männern im Alter zwischen zwölf und 30 Jahren. Dazu schreibt HKK-Sprecherin Nina Bernard: „Insgesamt hat das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) bis zum 30. September 2021 - in diesem Zeitraum wurden, so das Institut, 92 Millionen mRNA-Impfdosen verimpft - in seinem sogenannten Sicherheitsbericht neun Todesfälle in einem zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung und einer dieser beiden Erkrankungen erfasst: Vier davon konnten nicht abschließend bewertet werden, da Informationen fehlten, die anderen fünf Fälle waren im Alter zwischen 58 und 84 Jahren. Diese Impfnebenwirkung tritt selten auf und ist in der Regel gut heilbar. Studien belegen auch, dass das Risiko an einer Herzmuskelentzündung zu erkranken, bei einer COVID-19-Infektion deutlich höher ist als bei einer Impfung.“

Doch warum Kinder impfen, wenn es bei ihnen selten schwere Verläufe von COVID-19-Erkrankungen gibt? Eine Frage, die Abend beantwortet: „Es stimmt, dass Kinder sehr häufig nur mit milden Symptomen auf die Infektion reagieren. Wir sind froh, dass das kindliche Immunsystem derart stark ist, dass es gegen diese Erkrankung - meist besser, als die Erwachsenen - in multimodaler Form reagieren kann. Mitunter wird ja häufig argumentiert, dass der kindliche Organismus noch ‚schwächlich‘ und wenig belastbar sei. Eine Impfung ist aber dennoch sinnvoll, weil es für das einzelne Kind bei guter Verträglichkeit einen plausiblen und guten Impfschutz aufbauen wird“, so der Chefarzt. Ein weiterer Effekt werde mit der Impfung „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ eintreten: „In zunehmendem Maße sehen wir in unserer Klinik - aber auch in unserer Kinderarztpraxis im Medizinischen Versorgungszentrum Soltau - Kinder, die vor mehr als sechs Monaten an COVID-19 erkrankt waren und dann das noch wenig bekannte Long-Covid-Syndrom erleiden. Dies ist eine ausgeprägte neurologische Beeinträchtigung des Kindes und ist derzeit nur schwer behandelbar. Darüber hinaus kann aus gesellschaftspolitischer Sicht eine Impfung der Kinder eine Übertragung von COVID-19 auf andere Bevölkerungsschichten, die nicht geimpft werden können, vermeiden helfen.“

Gab es denn bereits an COVID-19 erkrankte Kinder, die auch stationär in der Kinderklinik aufgenommen werden mussten? Dr. Abend: „Zum Glück haben wir im bundesweiten Vergleich im Heidekreis seit Beginn der Pandemie immer eine moderate Inzidenz, sodass wir relativ wenig kranke Patienten zu behandeln hatten. Von allen Altersgruppen haben wir aber dennoch meines Erachtens schon erschreckend viele Kinder, die an COVID-19 erkrankt sind, erlebt und behandelt. Möglicherweise liegt dies auch an der Schwerpunktpraxis für Kinder-Lungenheilkunde, die in der Kinderarzt-Praxis am Medizinischen Versorgungszentrum in Soltau vorgehalten wird. Tatsächlich gab es auch dort schon Kinder- und Jugendliche, die noch lange nach der infektiösen Phase mit den Folgen zu kämpfen hatten und bei denen sich die Rehabilitation ziemlich lange hinzog und -zieht. Den ein oder anderen Patienten unter 18 Jahren mussten wir auch stationär behandeln. Erfreulicherweise konnten wir unsere ‚kleinen‘ Patienten aber rasch wieder in das häusliche Umfeld entlassen, ohne, dass sie intensivmedizinisch behandelt werden mussten.“

Die Corona-Impfung für Kinder ist für viele Eltern natürlich ein hochsensibles Thema, es gibt Sorgen, Ängste und dementsprechend viele Fragen. Dr. Abend rät deshalb dazu, sich schlauzumachen. Eine „sehr umfassende und seriöse Information“ biete das Robert-Koch-Institut im Internet unter „RKI - Impfungen von A-Z“ an. „Dort werden fast wöchentlich aktuelle neue wissenschaftliche Erkenntnisse über das Vorgehen mit der Impfung gegen COVID-19 formuliert“, so der Chefarzt. Zudem könnten sich Eltern vor Ort an die Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte ihres Vertrauens wenden, „mit denen sie diese Fragen gut erörtern können.“

Auch auf der Internetseite www.corona-kinderimpfzentrum-heidekreis.de werden viele Fragen rund um das Thema COVID-19-Impfungen von Kindern und Jugendlichen beantwortet. Wichtig: Das „Corona-Kinderimpfzentrum Heidekreis“ in den Räumlichkeiten des „Geburtshauses Bauchgefühl“ darf nicht über das Heidekreis-Klinikum betreten werden. Die Zufahrt auf den Parkplatz erfolgt über den Lönsweg, gegenüber der Hausnummer 32.

Terminbuchungen können über das Online-Portal auf der Internetseite erfolgen oder telefonisch unter (05191) 6023070. Das „Corona-Kinderimpfzentrum Heidekreis“ ist montags, dienstags und donnerstags von 9 bis 11 Uhr und von 14 bis 16 Uhr sowie mittwochs und freitags von 9 bis 11 Uhr telefonisch zu erreichen.

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