„Das ist alles noch original“

Geburtstag in Corona-Zeiten: Soltau-Therme wird 30 Jahre alt

„Das ist alles noch original“

An Geburtstagen lässt sich nichts ändern, auch wenn manchmal der Tag, an dem sie im Kalender stehen, nicht der beste ist. So geht es auch der Soltau-Therme: Am 15. Oktober 1990 eingeweiht, wird sie jetzt 30 Jahre alt, doch zum Feiern lassen die Corona-Bedingungen keinen wirklichen Spielraum. Allerdings, so Dr. Claus-Jürgen Bruhn, Geschäftsführer der Stadtwerke Soltau, sei aufgeschoben nicht aufgehoben.

„Wir hatten vor, für unsere Gäste etwas schönes Erlebbares zu organisieren, aber so gern wir gefeiert hätten, dass wir die Therme in Soltau haben - unter den jetzigen Voraussetzungen wäre das nicht opportun gewesen“, betont Bruhn. Später werde sich sicherlich noch die Möglichkeit bieten, dies nachzuholen. Ganz sang- und klanglos soll dieser runde Geburtstag dann aber doch nicht ins Land gehen, und so meint Therme-Leiter Ronny Dechau: „Wir haben deshalb von Oktober bis einschließlich Dezember die Aktion ‚3 für 2‘. Das heißt, drei Personen können für den Preis von zweien als Kleingruppe drei Stunden im Bereich der Sole verbringen. Hierzu müssen sie eine der Anzeigen, die wir in diesem Zusammenhang schalten, an der Kasse vorlegen.“

Mit Feiermöglichkeiten ist es derzeit also nicht weit her. Aber auch die gegenwärtige Stimmung scheint kaum danach zu sein, denn Einrichtungen wie die Soltau-Therme mit Sole, Sauna und Hallenbad leiden erheblich unter den coronabedingten Einschränkungen. Zudem ist dies für das Hallenbad ein weiterer Schlag: Wegen zu sanierender Fliesenschäden war es zunächst von September 2016 bis April 2017 und dann noch einmal vom 29. August 2018 bis März 2020 geschlossen. Bevor es allerdings wieder richtig losgehen konnte, sorgte Corona für eine erneute Schließung, diesmal aber auch von Sole und Sauna.

Seit dem 15. Juni nun „läuft der Laden“ wieder, allerdings nur eingeschränkt. Im Hallenbad beispielsweise ist das Schwimmerbecken in zwei Bereiche unterteilt, in denen die Gä­ste jeweils im „Kreisverkehr“ schwim­men, um Distanz halten zu können. Diese Schwimmkreise, so Deachau, seien derzeit längst nicht ausgelastet: „Vor allem die betagteren Besucherinnen und Besucher bleiben aus, vermutlich aus Vorsicht.“ Anders das Lehrschwimmbecken, in dem es keine Bewegungsvorschrift gebe: „Das wird gut genutzt. Dort dürfen sich gleichzeitig maximal 30 Personen aufhalten, was unsere Mitarbeiter ständig überwachen“, weiß Dechau. Je nach Bedarf könne auch das Sprungbecken entweder zum Springen oder Schwimmen genutzt werden. Insgesamt 113 Personen (davon 20 Plätze für das Fitness-Studio Vitadrom reserviert) dürfen sich zur selben Zeit im knapp 500 Quadratmeter großen Hallenbad aufhalten.

Mit 560 Quadratmetern ist die Sole etwas größer. Hier dürfen dann allerdings auch gleich 146 Personen zeitgleich das salzige Wasser genießen: „Für die erlaubte Personenzahl spielt auch die Wassertiefe eine Rolle: Wo man stehen und gehen kann, kann man sich auch leichter aus dem Weg gehen“, erläutert Dechau. Und was den Saunabereich betrifft, so solle demnächst die erlaubte Kapazität von 50 auf 65 Personen erhöht werden: „Dafür öffnen wir zwei weitere Saunen, die wir bisher geschlossen hatten.“

Wie der Leiter deutlich macht, nehme es die Therme sehr genau mit den Vorgaben zu Masken- und Abstandspflicht, aber auch mit dem dritten Sicherheitsbaustein, dem Hygienekonzept: „Da gibt es gewisse Gestaltungsspielräume, wobei die jeweiligen Fachverbände auch Anleitungen liefern. Wir betreiben hier einen sehr großen Aufwand, um die Corona-Bedingungen so gut wie nur irgend möglich zu erfüllen und bekommen dafür auch positive Rückmeldungen. Wir rechtfertigen damit das Vertrauen, das unsere Gäste in uns setzen, und wünschen uns, das sie das auch weiterhin tun. Das gilt auch für unsere älteren Besucher.“

Allerdings sieht Dechau auch die Daueraufgabe, bei den Gästen das Bewusstsein zu schärfen und Verständnis für die Schutzmaßnahmen zu wecken, „denn auf die Dauer schwinden bei einigen wenigen Leuten Akzeptanz und Toleranz.“ Da komme es auch schon einmal zu Ausfälligkeiten gegenüber dem Personal: „Da muss man gut geschult sein, um diese Dinge nicht zu nahe an sich herankommen zu lassen. Unsere Kolleginnen und Kollegen leisten in diesen Zeiten tatsächlich Großartiges.“

Wirklich „brummen“ können Hallenbad, Sole und Sauna unter diesen Bedingungen natürlich nicht. Gleichwohl, so Bruhn, „sind wir froh, dass wir mit der Therme in Betrieb bleiben können. Die Alternative wäre, den Badebetrieb vollkommen einzustellen. Ich kann mit allerdings nicht vorstellen, dass die Gesellschafter das wollen.“ Diese positive Perspektive, so Dechau, erleichtere ein wenig die existentiellen Sorgen der Kolleginnen und Kollegen, von denen sich nach wie vor mehr als zehn Prozent in Kurzarbeit befänden. Und Bruhn: „Wir werden das bis auf weiteres durchhalten. Die Preise werden dadurch nicht beeinträchtigt. Sollte dieser Zustand allerdings sehr lange anhalten, dann müssten wir auch die Kosten neu kalkulieren.“

Unter diesen Umständen steht der 30. Geburtstag verständlicherweise nicht ganz oben auf der Prioritätenliste. Nichtsdestotrotz könnte dieser Tag für die Soltauer Anlass sein, sich einmal über „ihre“ Therme zu freuen: Mit ihrer Sole aus 230 Metern Tiefe (Salzgehalt von knapp 30 Prozent), die so sauber ist, dass sie fürs Badevergnügen nur noch verdünnt und gechlort werden muss, lockt sie alljährlich Tausende Besucher in die Böhmestadt. Und der Solebereich hat sich nicht nur, was die Gästegunst betrifft, als dauerhaft erwiesen. Auch das Material hält, anders als im Hallenbad, seit drei Jahrzehnten erfolgreich stand, und zwar dem hochaggressiven Salz, wie Bruhn bestätigt: „Das ist alles noch original.“

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