„Das ist ein schwieriges Feld“

Drogen-Experte vom Landeskriminalamt infomiert Stephansstift

„Das ist ein schwieriges Feld“

„Wer sich mit Hortensienblüten einen Rausch verschaffen will, verwechselt die Wirkung mit Vergiftungserscheinung, die durch Blausäureverbindungen in der Pflanze hervorgerufen werden“, weiß Matthias Thoms. Und das ist noch längst nicht alles: Thoms, von der Zentralstelle Jugendsachen beim Landes­kriminalamt Niedersachsen in Hannover, kennt sich aus mit Drogen aller Art und hat vor allem auf dem Zettel, was bei jungen Leuten gerade angesagt ist. Das interessierte auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Stephansstifts: Sie hatten den Experten aus Hannover nach Soltau eingeladen, um sich auf den neuesten Stand bringen zu lassen.

Das „Stephansstift evangelische Jugendhilfe - Heidekreis“ gestaltet im Landkreis die Sozialräume Walsrode und Soltau/Wietzendorf. Die Einrichtung ist Träger unterschiedlicher Angebote der Kinder- und Jugendhilfe für unterschiedliche Zielgruppen. Der Umfang reicht von niedrigschwelligen, präventiven Angeboten bis zu intensivtherapeutischen, stationären Angeboten und Projekten. Hier gibt es vier Wohngruppen und darüber hinaus noch die mobile Betreuung von Jugendlichen, die allein leben.

In Walsrode und Soltau findet sich ein Großteil dieser Angebote, aber auch im ländlichen Umland bieten die Einrichtung mit ihren rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den jungen Menschen und ihren Familien Unterstützung und Begleitung in krisenhaften Lebensphasen.

Im Zuge der Arbeit mit Jugendlichen haben die Leute vom Stephansstift auch mit eindeutig erkennbaren Drogen, manchmal aber auch mit unbekannten Stoffen zu tun: „Bei Hausbesuchen finden sich zum Teil auch Dinge, die wir nicht einordnen können“, berichtet Julia Willing. Daraus könne sich eine nicht ganz leichte Situtation für die Mitarbeiterin oder den Mitarbeiter ergeben, so Roger Walter: „Wer mit Jugendlichen arbeitet, hat auch Kontakt zu Drogen. Die sind in allen Bereichen zu finden. Die Fragen sind dann, um welche Stoffe es sich handelt, was noch legal ist, was sich im Graubereich bewegt, was verboten ist und wie wir damit umgehen“, so der Regionalleiter Heidekreis des Stephansstifts.

Tatsächlich unterliegen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Verschwiegenheitspflicht - außer, wenn schwerwiegende Straftaten bevorstehen - und wollen das Vertrauen der Jugendlichen nicht leichtfertig aufs Spiel setzen, andererseits müssen sie sich an die Gesetze halten: „Die Jugendlichen experimentieren, und das hat angesichts der Vielfalt und Intensität der Drogen zugenommen. Da gibt es dann auch immer mal wieder den Versuch, selbst Drogen zu verkaufen. Wir wollen die Menschen dazu bringern, mit den Drogen aufzuhören, weitere Beratung in Anspruch zu nehmen oder zur Polizei zu gehen. Dazu brauchen wir aber genügend Hintergrundwissen“, so Willing. Und Walter: „Es interessiert uns also auch, was derzeit aktuell auf dem Markt ist, um diese Dinge richtig einordnen zu können.“

Antworten auf viele dieser Fragen sollte Thoms liefern. Dabei hatte Frank Stoiber, Sachbearbeiter Jugendkriminalität bei der Polizeiinspektion (PI) Heidekreis in Soltau, für den Kontakt zum Kollegen aus Hannover gesorgt.

Um seinen Vortrag möglichst realitätsnah zu gestalten, war der Experte als „legaler Drogenkurier“ angereist: Von Marihuana im Glas über Haschischplatten bis hin zu „Pillen“ verschiedenster Art reichte das Anschauungsmaterial, das sich die Zuhörerinnen und Zuhörer ansehen konnten. Dazu gab es Wissenswertes nicht nur über die Drogen selbst zu erfahren, sondern auch über Rechtslagen und das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz, die Diskussion zur Legalisierung von Cannabis und über die Problematik, dass dauernd neue Substanz auf den Markt kommen, deren Gefährlichkeit nicht erkennbar ist.

Auch über Einsatzmöglichkeiten der vier niedersächsischen Rauschgiftspürhunde, die ausschließlich zum Erschnüffeln von Cannabis ausgebildet worden sind, berichtete Thoms. Überhaupt nahm Cannabis - Hanf ist die Ursprungspflanze für Marihuana und Haschisch - im Vortrag des Experten großen Raum ein, denn es ist eben auch sehr weit verbreitet. Hier betonte Thoms seinen Standpunkt zum Thema: „Über eine Entkriminalisierung könnte man sich unterhalten, aber nicht über die totale Legalisierung von Cannabis.“

Schließlich bestätigte der Experte auch die zuweilen heikle Position der Betreuerinnen und Betreuer der Jugendlichen: „Wenn sie etwas finden, dann müssen sie abwägen, ob sie wegen ein paar Gramm ein gutes Verhältnis gefährden und es melden - oder nicht. Das ist ein schwieriges Feld.“

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