„Das Thema aus der dunken Ecke holen“

Sucht: Selbsthilfegruppe „Nicht allein“ für Betroffene und Angehörige

„Das Thema aus der dunken Ecke holen“

Ein großes weißes Fragezeichen ziert den Flyer der Soltauer Selbsthilfegruppe „Nicht allein“, die Silke Meyer vor rund sieben Jahren gegründet hat. Die Frage, ob sich die Männer und Frauen in der Gemeinschaft gut aufgehoben fühlen, stellt sich allerdings nicht, denn das tun sie zweifelsfrei. Das Angebot richtet sich an Angehörige und Partner von drogengefährdeten und -abhängigen Jugendlichen und Erwachsenen, aber auch an Betroffene selbst. In den Räumen in der Bahnhofstraße 15 in Soltau, in denen auch andere Selbsthilfegruppen beheimatet sind, kommen an jedem ersten und dritten Dienstag im Monat Männer und Frauen verschiedener Altersgruppen zusammen, um sich auszutauschen, sich Mut zu machen und sich gegenseitig zu stützen. Das Ganze läuft in einer lockeren Gesprächsrunde in familiärer, angenehmer Atmosphäre ab. Meyer hat sich auf die Fahne geschrieben, wie sie sagt, „das Thema Selbsthilfe aus der dunklen Ecke herauszuholen.“ Und das scheint ihr auch zu gelingen.

Die Corona-Pandemie und die mit ihr einhergehenden Einschränkungen haben sich auch auf die Arbeit der verschiedensten Selbsthilfegruppen ausgewirkt, wobei die „Runde“ von Silke Meyer nur bedingt Abstriche machen musste. „Wir haben uns nur im Lockdown nicht getroffen“, berichtet die Gruppenleiterin. Phasenweise habe es Treffen im Freien unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln gegeben, zudem habe die Gruppe über „WhatsApp“ Kontakt gehalten. „Gerade für Suchtkranke war die Corona-Zeit sehr schwer“, weiß die Soltauerin. „Insbesondere in der Zeit, als Ungeimpfte überall am Pranger standen, war es für viele schwierig, die Anfeindungen zu ertragen. Das war in unserer Gruppe immer wieder Thema. Es ging oft um Corona und Tod, viele hatten im persönlichen Umfeld Erkrankte, um die sie sich Sorgen gemacht haben. Das war nicht einfach, auch für mich nicht. Aber hier konnten wir über alles sprechen - und diese Gespräche haben allen dabei geholfen, diese schwierige Phase zu überstehen“, freut sich Meyer. Und weiter: „Das Schönste ist immer, wenn man nicht weiß, in welche Richtung sich die Gespräche entwickeln. So gefällt mit das sehr gut.“

Etwa ein halbes Dutzend Suchtkranker und Angehöriger von Betroffenen ist stets dabei. Die jüngste Teilnehmerin ist 21 Jahre, die ältesten sind um die 60 Jahre alt. „Diese Mischung ist wirklich gut - und das passt bei der Kommunikation. Die Jüngeren profitieren vom Erfahrungsschatz der Älteren - und die Jüngeren bringen die Älteren auf den neuesten Stand“, berichtet Meyer. Letzteres gilt auch für sie selbst, hat sie doch eine Ausbildung zur Suchtkrankenhelferin absolviert und besucht regelmäßig Gruppenleiterseminare, um beim Thema Suchterkrankungen auf dem Laufenden zu bleiben. „Das ist mir auch wichtig, denn ich möchte keine halben Sachen machen“, unterstreicht sie.

Ihr liegt besonders am Herzen, dass sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Gruppe „Nicht allein“ wohlfühlen, dass sie im geschützten Raum unverkrampft und offen über ihre Sorgen und Nöte sprechen können. Auch das sei wichtig für diejenigen, die den Weg aus der Dunkelheit heraus in Angriff nehmen möchten. „Man muss sich sichtbar machen, das gehört zum Heilungsprozess dazu. Da muss sich niemand schämen, sondern sich klar machen, etwas geschafft zu haben. Und dann kann man seine Erfahrungen weitergeben, um es denjenigen leichter zu machen, die in einer ähnlichen Situation sind oder waren. Es ist wichtig, zu sehen, dass es auch wieder aufwärts gehen kann, denn das hilft bei der Genesung“, betont Meyer. Gehe es etwa im Fernsehen um das Thema, so säßen fast immer die gleichen „Experten“ in Talkshows. „Eine Selbsthilfegruppe muss aus Menschen bestehen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Hier geht es um ganz normale Leute“, sagt Meyer. Und für diese stehe die Tür der Gruppe stets offen.

Die Selbsthilfegruppe „Nicht allein“, in der bis zu zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammenkommen können, unterliegt der Schweigepflicht und ist unter der Telefonnummer (05191) 9967273 zu erreichen.

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