Den Rest macht dann die Sole

Whisky aus dem Alten Land reift im Gradierwerk der Soltauer Salzsieder

Den Rest macht dann die Sole

Dass mit dem sprichwörtlichen Salz in der ebenso sprichtwörtlichen Suppe längst nicht alle Möglichkeiten des „weißen Goldes“ erschöpft sind, demonstrieren die Soltauer Salzsieder und ihr umtriebiger Vorsitzender Wilfried Worch-Rohweder immer wieder. So auch jüngst, als erneut ein Fass in das gutgesicherte Fach von Worch-Rohweders Gradierwerk bugsiert worden ist. 200 Liter Whisky der Marke „Elbe-Valley“ sollen dort - umgeben von salzhaltiger Luft - in den kommenden zwölf Monaten ihr „Finishing“ bekommen.

Das Salz des Soltauer Salzsiedervereins gibt es nicht nur in kleinen Säckchen als Mitbringsel, es verleiht auch speziellen Bratwürstchen und der besonderen Eissorte einer Soltauer Eisdiele das gewisse Etwas. Und dass es sich außerdem dazu eignet, erlesenen Spirituosen den letzten Schliff zu geben, hat Worch-Rohweder ebenfalls schnell erkannt.

Vor fünf Jahren baute er auf seinem Grundstück in der Soltauer Bahnhofstraße ein Gradierwerk: Aus 4,50 Metern Höhe rinnt Sole über einen dichten waagerecht gesteckten „Teppich“ aus Heidekraut herab. Damit lässt sich nicht nur die Salzgewinnung früherer Zeiten zeigen, denn dieses Gradierwerk hat eine Besonderheit: Mittendrin, in einer Kammer hinter einer gutgesicherten Fachwerktür, ist Platz für Fässer voller geistiger Getränke, die dort lagern und durch die salzige Luft eine ganz besondere Note bekommen.

Bis Juli 2017 befanden sich dort zwei Eichenfässer mit Apfelschnaps, dem Gradierbrand, der ein halbes Jahr in dieser salzigen Umgebung reift und den die Salzsieder beispielsweise im Soltauer Salzmuseum verkaufen. Dieser Apfelschnaps, von dem es noch eine gute Reserve gibt, stammt aus der Kooperation mit der Brennerei des Freilichtmusems am Kiekeberg, die allerdings schon seit einiger Zeit nicht mehr in Betrieb ist.

2017 dann zog erstmals ein 200-Liter-Fass mit Whisky ein (HK berichtete). Der stammte jedoch weder aus Schottland noch Irland, sondern aus Jork im Alten Land, wo Arndt Weßel seine „Nordik Edelbrennerei & Spirituosen-Manufaktur“ betreibt. Der Destillateurmeister stellt dort verschiedene hochwertige Produkte her, darunter eben auch Whisky. Damit ist er allerdings nicht allein, denn inzwischen gibt es zahlreiche Brennereien in Deutschland, die dieses geistige Getränk ebenfalls herstellen.

Weßel holte seinen Whisky nach einem Jahr in salziger Luft wieder ab und war nicht nur über das geschmackliche Ergebnis erfreut: „Unsere Kunden waren begeistert. Dieser Whisky hat sich gut verkauft.“ Dies sicherlich auch deshalb, weil er als exklusvies Produkt nur in begrenzter Menge zur Verfügung stand.

Während das Fach im Gradierwerk seit Sommer vergangenen Jahres wieder dem Apfelschnaps vorbehalten war, ist nun erneut ein Whiskyfass eingezogen. Das „Wasser des Lebens“, so die Übersetzung des gälischen Ursprungswortes, das Weßel bereits 2015 destilliert hat und das derzeit noch über einen Alkoholgehalt von rund 60 Prozent verfügt, hat der Jorker allerdings nicht im Fass hergebracht. „Der Transport eines vollen Fasses ist nicht ganz einfach. Es wäre auch schwierig, es gefüllt in das Gradierwerk zu bugsieren“, weiß Weßel. Deshalb haben er und seine Frau Elke, unterstützt durch Brennereihündin Rika, den Whisky zu Hause in Kanister umgefüllt, um den Inhalt in Soltau dann wieder in das bereits plazierte Fass zu pumpen.

„Dort soll der Whisky jetzt für mindestens ein Jahr in der solehaltigen Luft zu Ende reifen“, kündigt Weßel an. Und weiter: „Nach dem Erfolg der vergangenen Produktion bin ich froh, dass Herr Worch-Rohweder uns erneut den Platz zur Verfügugng stellt.“

Der Vorsitzende der Salzsieder wiederum sieht solche Produkte wie etwa den Gradierbrand oder den Whisky auch als attraktives Souvenir, das Besucher im Soltauer Salzmuseum erstehen können: „Und die Nachfrage steigt. Dies deshalb, weil wir immer mehr Gäste verzeichnen. Wenn es so weitergeht wie bisher, dann kommen wir in diesem Jahr auf mehr als 5.000 Besucher“, berichtet Worch-Rohweder.

Was dabei allerdings den „Elbe-Valley“-Whisky angeht, so ist der - anders als der Gradierbrand - fast vergriffen. Dazu Worch-Rohweder: „Für den 7. Dezember laden wir zum ersten Mal zum ‚Sternenhimmel-Fest‘ in die Bahnhofstraße ein. Dabei bieten wir dann auch die letzten kleinen Fläschchen des Whiskys an.“

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