„Den Verkehr so leiten, daß er nicht behindert“

Abschlußveranstaltung in der Bibliothek Waldmühle: „Isek Soltau 2035“ zeigt Schwerpunkte auf und soll Leitfaden für künftige Stadtentwicklung sein

„Den Verkehr so leiten, daß er nicht behindert“

Vor rund einem Jahr hat die Stadt Soltau das Lübecker Beratungsunternehmen „CIMA Beratung + Management GmbH“ mit ins Boot geholt, um im Rahmen des „Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes“ (Isek) einen Leitfaden zu erarbeiten (HK berichtete). Dieser soll Möglichkeiten und Entwicklungschancen sowie Herausforderungen bei der zukünftigen Gestaltung der Böhmestadt aufzeigen. In Zusammenarbeit mit der Stadt nahmen die CIMA-Berater Soltau unter die Lupe, beteiligten die Bürger, luden ein zur Exkursion, zum „Zukunftsforum Soltau 2035“ sowie zum Einbringen von Ideen und Aufzeigen von Problemen unter www.isek-soltau.de. Die Ergebnisse, zusammengefaßt in einer gut 40seitigen Broschüre, präsentierten Projektleiter Martin Hellriegel und CIMA-Mitarbeiter Maximilian Burger jetzt in der Bibliothek Waldmühle. Diese Abschlußveranstaltung war aber keineswegs Abschluß des Projekts: „Damit ist ‚Isek Soltau 2035‘ nicht zu Ende, sondern der Prozeß wird in den kommenden Jahren natürlich noch weiter laufen und uns alle beschäftigen“, betonte Bürgermeister Helge Röbbert.

Insgesamt habe das Verfahren bisher ein Stimmungsbild ergeben, das durchaus positiv sei, so Röbbert: „Die Bürger sind im großen und ganzen grundsätzlich zufrieden mit unserer Stadt“, so der Bürgermeister bei der Veranstaltung in der Waldmühle. In seiner einführenden Rede stellte er aber auch klar, daß es durchaus „Juckepunkte“ gebe: „Es wurden Themen aufgezeigt, die schwierig sind, die von Naturschutz über Kita-Plätze bis hin zur Verkehrssituation reichen. All das haben wir uns ins Lastenheft geschrieben. Nun wollen wir uns diese Bereiche der Stadt genau ansehen und in den kommenden Jahren an den Kernprojekten arbeiten, schauen: ‚Was macht wo Sinn?‘.“

Zentrale Orientierung soll dabei - wie schon gesagt - das intergrierte Stadtentwicklungskonzept „Soltau 2035“ geben. „Es ist eine Zusammenfassung, mit der nun weitergearbeitet werden kann“, hob Hellriegel hervor, „ein Instrument, um zu festzulegen: ‚Wo will die Stadt hin und wie soll sich Soltau bis zum Jahr 2035 entwickeln?‘.“

Die Isek-Broschüre definiert als die fünf großen Handlungsfelder die Bereiche „Wohnen“, „Gewerbe/Einzelhandel/Tourismus“, „Kultur/Soziales/Gesundheit“, „Natur/Umwelt/Klimaschutz“ und „Verkehr/technische Infrastruktur“. Innerhalb dieser herauskristallisierten Themen definiert der Heft 45 Leitziele und etwa 150 Entwicklungsschwerpunkte. „Die übergeordneten Grundsätze für zukünftige Planungsvorhaben waren bei der Betrachtung Soltaus die Gender- und Generationsgerechtigkeit sowie Inklusion und eine Ganzheitlichkeit der Planung“, erläuterte der Projektleiter.

Als „räumliche Handlungsschwerpunkte“ nannte Hellriegel die Gebiete Krankenhaus und Therme, Soltau Ost I und III, Designer Outlet Soltau, Soltau Süd, Almhöhe sowie die Innenstadt und den Siedlungsschwerpunkt Nord. Die gesamte Fläche der Stadt Soltau - das sind rund 20.000 Hektar - habe zwar an verschiedenen Stellen Verbesserungsmöglichkeiten, meinte der Projektleiter, das größte Entwicklungspotential berge jedoch das Zentrum: Dieser „erweiterte Innenstadtbereich“ umfasse rund 53 Hektar, „und hier konnten 39 der insgesamt 45 Leitziele verortet werden - eine klare Konzentration der Handlungsbedarfe.“ Seine gutachterliche Empfehlung: Diesen erweiterten Bereich der Innenstadt als groben Vertiefungsbereich für eine vorbereitende Untersuchung festzulegen.

Markt- und Poststraße böten laut Analyse das größte Entwicklungs- und Gestaltungspotential, „denn hier gibt es eine hohe Dichte an positiv prägenden Gebäuden und öffentlichen Räumen.“ Manche Straßenzüge hingegen gingen im erweiterten Innenstadtbereich aufgrund ihrer Lage unter, so Hellriegel, Ausnahmen seien hierbei die Bornemann- und die Friedenstraße. Für ihn eine positive Erkenntnis der Studie: „Es gibt nur eine geringe Anzahl an eindeutigen Substanzschwächen im Innenstadtbereich.“ Zudem befinde sich das Bahnhofsquartier zur Zeit mitten in einem Strukturwandel: „Aus ‚Gewerbe‘ wird hier ‚Wohnen‘.“

Das hohe Verkehrsaufkommen sieht der Berater als einen der neuralgischen Punkte in der Innenstadt - inklusive einiger „Verbindungsbrüche“ zwischen den Quartieren sowie manchen „gefährlichen Übergängen“: „Hier besteht die Notwendigkeit für neue Verkehrskonzepte. Beispielweise gibt es ein Wirrwarr bei den Radwegestrukturen: Diese verlaufen manchmal auf der Straße, dann im nächsten Teilstück wieder weiter auf dem Bürgersteig. Ebenso sind die Querungshilfen etwa Am Alten Stadtgraben nicht für jeden eindeutig zu identifizieren.“ Trotz Fahrrad und (ausbaufähigem) ÖPNV führe kein Weg am Auto vorbei, so der Projektleiter: „Insgesamt gilt es, den Verkehr so zu leiten, daß er nicht behindert.“ Positiv bewertete er das Parkplatzangebot rund um die Fußgängerzone, wenngleich auch hier an einer besseren Beschilderung der Flächen gearbeitet werden könne.

Eine „verlorene Fläche mit wunderschönem Umfeld“ - das sei der Bereich Neuer Hagen, „wo ein Funktionsverlust im öffentlichen Raum zu sehen ist“, so Hellriegel. Dort oder auch am Georges-Lemoines-Platz gebe es die Möglichkeit, „eine direkte Verbindung zum Wasser zu schaffen. Das ist heute ein beliebter Ansatz bei der Stadtplanung“, fügte Burger hinzu. „Denn trotz der Sanierung der Innenstadt ab den 1970er Jahren gibt es hier keinen attraktiven Zugang zum Wasser.“

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