„Die Beratungsstelle professionalisieren“

Rotary-Club Soltau unterstützt KBS Soltau mit 4.000 Euro

„Die Beratungsstelle professionalisieren“

„Wir wollen unsere Krebsberatungsstelle Soltau professionalisieren und eine Einrichtung schaffen, die hier regelmäßig und dauerhaft arbeitet. Denn diese Arbeit kann man auf Dauer nicht ehrenamtlich leisten“, berichtete kürzlich Dr. Albrecht Werner. Um die bisherigen Angebote der Einrichtung weiter ausbauen zu können, sind eine Reihe von kleineren und größeren Maßnahmen erforderlich. Hier geht es nicht nur um zusätzliche Fachkräfte, die eine psychoonkologische Ausbildung erhalten, sondern auch um eine Verbesserung des Internetauftritts, der Öffentlichkeitsarbeit, der EDV. „Langfristig möchte sich die Krebsberatungsstelle Soltau bei den Krankenkassen qualifizieren für eine Honorierung der Arbeit und von Spenden unabhängig werden“, so Werner, Arzt für Allgemeinmedizin, Palliativmedizin und Psychoonkologie. Der Rotary-Club Soltau möchte die Beratungsstelle auf diesem Weg stärken und unterstützte sie jetzt mit einer Spende in Höhe von 4.000 Euro.

Mit der Diagnose Krebs und ihren seelischen und sozialen Folgen leben zu können, das übersteigt oft die Kraft von vielen Kranken und deren Familien. Deshalb erhalten Krebskranke und ihre Angehörigen bei der Krebsberatungsstelle (KBS) Soltau in der Bahnhofstraße 15 und in ihren Außenstellen in Munster und Schneverdingen in Abstimmung mit den Hausärzten psychosoziale und psychoonkologische Beratung. Träger ist der Onkologische Arbeitskreis (OAK) Walsrode.

In Corona-Zeiten waren die Möglichkeiten zwar eingeschränkt, in der Regel jedoch wird in persönlicher und diskreter Atmosphäre individuelle Betreuung geboten. Zudem gibt es diverse Gesprächs- und Selbsthilfegruppen - von den Prostatakrebs- und Brustkrebs-Selbsthilfegruppen über die Gesprächs- und Malgruppe bis hin zur Sprechstunde des Hospizdienstes Heidekreis Nord. Sie bieten Betroffenen die Möglichkeit zu Begegnungen und zum Austausch. Ob in Einzel-, Paar- oder Gruppengesprächen - großer Wert wird auf individuelle Zuwendung gelegt.

„Eine Krebserkrankung bedeutet eine ungeheure psychosoziale Belastung, die einen Einfluss nicht nur auf die Lebensqualität hat, sondern auch auf die Prognose. Kranke, die gut aufgehoben sind in ihrem Umfeld und in ihrer Gesamtsituation, haben bessere Chancen auf eine gute Lebensqualität“, erläutert Werner. Und weiter: „In der Psychoonkologie geht es nicht um die organische Tumormedizin, sondern um die Seele. Besonders die Psychoonkologen wissen, dass sie nicht den Krebs, sondern kranke Menschen behandeln.“

Laut Werner hat etwa ein Drittel aller Krebspatienten Hilfebedarf. Diese fänden Unterstützung in zertifizierten Krebszentren, bei den Haus- und Fachärzten und eben in den Krebsberatungsstellen. „Im nördlichen Teil des Heidekreises erkranken jährlich rund 360 Menschen an Krebs. Man kann also davon ausgehen, dass bis zu 120 Betroffene jährlich einen Beratungsbedarf haben“, unterstreicht der Facharzt. Grundlagen für die Beratungsarbeit seien sowohl der Nationale Krebsplan als auch die sogenannten S3-Leitlinien, „die für Ärzte maßgeblich sind für den Bereich Psychoonkologie.“ Demnach sollten Krebspatienten und ihre Angehörigen wohnortnah Zugang zu qualitätsgesicherten psychosozialen Unterstützungs- und Behandlungsangeboten erhalten.

Wie Werner berichtet, habe die psychosoziale Betreuung in der Psychoonkologie jeweils einen Schwerpunkt im sozialen und im psychologischen Bereich. So leisteten Krebsberatungsstellen in der Sozialarbeit vielfältige Hilfen im Bereich der Alltags- und Lebensbewältigung, zum Beispiel bei Anträgen, Behördenkontakten und Verhandlungen mit den Leistungsträgern. Oft gerieten an Krebs Erkrankte wegen des Verlusts des Einkommens recht schnell in finanzielle Schieflage. Dazu Werner: „Der Wechsel vom Arbeitslohn auf Lohnfortzahlungen, dann Krankengeld und letztlich gegebenenfalls Erwerbsminderungsrente führt schnell zu ernsten finanziellen Engpässen. Das ist bei fast jedem dritten Krebskranken der Fall.“ In Notlagen wie diesen gehe es darum, Wege zur finanziellen Absicherung zu suchen und zu finden.

Im psychologischen Bereich wird der Schwerpunkt darauf gelegt, häufigen Problemen wie Angst, Depressivität und Schuldgefühlen zu begegnen. Schuldgefühle haben Patienten unter anderem, wenn sie Vorsorgeuntersuchungen nicht wahrgenommen haben. Etwa 80 Prozent der Krebskranken leiden am sogenannten „Fatigue-Syndrom“. Sie werden von einer bleiernen Müdigkeit geplagt, die sie unfähig macht, sich normal zu betätigen. Auch sogenannte „Surviver“ benötigten oft Hilfe, berichtete Werner: „Sie sind zwar organisch geheilt, fühlen sich aber absolut nicht gesund, sondern noch über viele Jahre schwach und unsicher.“ Unterstützung benötigten aber auch Ehefrauen von an Krebs erkrankten Männern, seien sie doch, so der Mediziner, „maximal belastet“. Zur Sorge um den Partner komme die neue Aufgabe in der Familie hinzu, womöglich in einer neuen Rolle als Hauptverdienerin. „Sehr häufig sind diese Ehefrauen vollkommen überlastet und es drohen ein körperlicher und seelischer Zusammenbruch.“

Über all diese und andere Aufgaben hatte Dr. Werner die Mitglieder des Rotary-Clubs mit einem Vortrag per Zoom-Konferenz informiert. Die Rotarier zeigten sich beeindruckt und unterstüzen die KBS Soltau daher auf ihrem Weg zur Professionalisierung gern. Dazu Olaf Hartmann, Präsident des Clubs: „Wir schauen stets, wo wir versuchen können, das Leben der Menschen in eine gute Richtung zu verändern.“ Und hier leiste die KBS Soltau tolle Arbeit: „Es ist großartig, dass hier etwas wächst, das Potiential hat.“

In Sachen Professionalisierung geht es in der Beratungsstelle Schritt für Schritt voran. So ist Andrea Zahnke neues Mitglied der KBS Soltau geworden und seit 1. April dieses Jahres für die Einrichtung tätig. Sie ist hauptberuflich im Sozialdienst des Heidekreis-Klinikums (HKK) in Soltau als Diplom-Sozialpädagogin angestellt und steht zusätzlich in Teilzeit für die Beratung und Begleitung Krebskranker und ihrer Familien zur Verfügung. Darüber hinaus hat Zahnke in den vergangenen Jahren mehrere Zusatzausbildungen in der lösungsfokussierten Krisenintervention der Traumatherapie und Mediation absolviert. Sie ist zertifizierte Systemaufstellerin der Deutschen Gesellschaft für Systemaufstellung und als systemische Beraterin und Coach tätig. Rotarier Carsten Mork lobt das Engagement aller in der Beratungseinrichtung und ihren Außenstellen tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: „Die Hilfe kommt hier vor Ort an. Die betroffenen Menschen suchen niedrigschwellige Angebote. Hier werden kleine Brücken gebaut, um auf dem Weg mit einer schweren Erkrankung Hürden nehmen zu können.“

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