„Die eigene Meinung prüfen“

Wanderausstellung „Was glaubst du denn?! Muslime in Deutschland“ an der Oberschule Soltau eröffnet

„Die eigene Meinung prüfen“

„Es ist eine ganz besondere Ausstellung“, hob Karin Spreckelsen hervor. Und zu deren offizieller Eröffnung konnte die Leitrein der Oberschule (OBS) Soltau am vergangenen Mittwochabend zahlreiche Gäste begrüßen: Vertreter aus Politik und Verwaltung waren ebenso vor Ort wie Lehrkräfte und Schüler - und letzteren beiden Gruppen sei es zu verdanken, daß die Wanderausstellung „Was glaubst du denn?! Muslime in Deutschland“ nun an der OBS zu sehen sei, lobte die Oberschuldirektorin das Engagement von Kollegen und Klassen. Die Ausstellung der Bundeszentrale für politische Bildung beschäftigt sich mit Muslimen in Deutschland, zeigt vielfältige Facetten ihres Alltags und geht auf unterschiedliche Aspekte von der Religiosität über die Bedeutung der Herkunft Jugendlicher bis hin zu ihrem Blick auf Deutschland ein. „Was glaubst du denn?!“ ist noch bis zum 14. März in der Oberschule der Böhmestadt zu erleben, und das nicht nur für Schüler und Lehrer aus Soltau und den umliegenden Kommunen: „Ebenso steht die Ausstellung dienstags (jeweils von 14 bis 18 Uhr) für alle interessierten Besucher offen“, lud Spreckelsen ein.

Eine Besonderheit dieses Projektes sind die sogenannten „Peer Guides“ (HK berichtete), „die für die Vorbereitung viel ihrer Freizeit geopfert haben“, würdigte die OBS-Rektorin den Einsatz der Schüler. Die „Peer Guides“ sind eigens dafür ausgebildete Schülerinnen und Schüler, die die Besucher durch die Ausstellung führen. Deren einzelne Stationen nutzen bewußt neue Wege der Vermittlung, denn wichtigstes Zielpublikum sind Jugendliche aus allen Schulformen ab der fünften Klasse. An ihren Sehgewohnheiten orientiert sich die Präsentationen, die mit Videoporträts, Comics und Animationsfilmen arbeiten. An interaktiven Stationen können die Besucher selbst Filme produzieren, Fragen stellen und Kommentare hinterlassen. Die Ausstellung wird so zu einem stetig wachsenden Projekt, da die Stellungnahmen der Gäste zu den einzelnen Ausstellungsthemen dabei Teil der Präsentation und des dazugehörigen Internet-Auftritts www.wasglaubstdudenn.de werden.

Auf dieser Seite finden Interessierte auch einen Tourenkalender, über den sie online einen Termin für einen Besuch ausmachen können. Angemeldete Gruppen werden dann von einem der insgesamt 25 „Peer Guides“ der OBS Soltau durch die Ausstellung begleitet. Dieser wichtige Baustein des Projekts dient vor allem der Vermittlung: Denn hierbei werden Schüler von Schülern geführt und kommen direkt miteinander ins Gespräch, begegnen sich auf Augenhöhe. „So werden die Schüler selbst zu Lehrern“, meinte Daniel Minor. Der Fachkonferenzleiter evangelische Religion hatte als Initiator dafür gekämpft, „Was glaubst du denn?!“ nach Soltau zu holen. „Die Ausstellung gibt es nicht ohne Grund“, so der Lehrer, „denn leider haben viele noch immer ein sehr einseitiges Bild von Muslimen in Deutschland.“

Deren Geschichte in diesem Land sei übrigens fast genauso alt wie die Bundesrepublik selbst, erinnerte Landrat Manfred Ostermann an die Hintergründe erster Migranten nach dem Zweiten Weltkrieg. „Damals fehlten - übrigens ähnlich wie heute der Fachkräftemangel - in Deutschland Arbeitskräfte. Die kamen unter anderem aus Italien, Spanien und Griechenland, viele waren auch Muslime aus der Türkei. Und gerade die türkischen Einwanderer haben den Aufschwung in Deutschland mitgeprägt. Ohne sie wären wir heute nicht da, wo wir sind.“ Die Ausstellung lade ein, die eigene Meinung zu prüfen und zu überdenken, miteinander ins Gespräch zu kommen, selbst zu erfahren, „wie der andere fühlt und was er denkt“, so Ostermann.

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