„Die Situation ist bitterernst“

Warnstreik bei Gebrüder Röders AG in Soltau

„Die Situation ist bitterernst“

In der Tarifrunde für die Textil- und Bekleidungsindustrie gab es auch in der dritten Verhandlungsrunde keine Einigung. Die IG Metall weist das Angebot der Arbeitgeber als „indiskutabel und nicht hinnehmbar“ zurück. „Insbesondere das Angebot einer allgemeinen Lohnerhöhung um 1,1 Prozent zum April 2022 rief großen Unmut hervor. Das ist zu weit weg und zu niedrig. Zum Angebot der Arbeitgeber gehörte zwar auch eine Einmalzahlung von 200 Euro sowie eine weitere Entgelterhöhung im Dezember 2022, aber das bleibt zu wenig“, so Lennard Aldag, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Celle-Lüneburg. Am heutigen Donnerstag, dem 11. Februar, gab es um 13 Uhr einen Warnstreik beim Soltauer Filzhersteller Gebrüder Röders AG. Daran nahmen laut IG Metall Celle-Lüneburg etwa 45 Beschäftigte der Firma teil.

Die IG Metall fordert für die knapp 100.000 Beschäftigten in der westdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie eine Erhöhung der Löhne und Gehälter sowie der Ausbildungsvergütungen von vier Prozent. Mindestens aber fordert die Gewerkschaft eine Erhöhung von 100 Euro für Löhne und Gehälter bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

Zudem fordert die IG Metall den Neuabschluss des Tarifvertrags Altersteilzeit mit verbesserten Konditionen bei Aufzahlung und Anspruchsquote in der Textil- und Bekleidungsindustrie. Weitere Gesprächsthemen sollen Instrumente zur Beschäftigungssicherung sein und eine Vorteilsregelung für IG Metall-Mitglieder. Ebenso soll der Tarifvertrag Aus-, Fort- und Weiterbildung verbessert werden. Perspektiven für Beschäftigte durch Ausbildung und Qualifizierung sollen tariflich besser gefördert werden. „Die notwendigen Vorschläge dafür haben wir gemacht“, so Markus Wente von der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Die Arbeitgeber hätten sich aber aufgrund der aktuellen Corona-Krise nicht in der Lage gesehen, „belastbare Entgelterhöhungen zu benennen.“ Ferner forderten sie eine lange Laufzeit - am liebsten 26 Monate. Die IG Metall habe den Arbeitgebern deswegen die Hand gereicht und einen Krisenabschluss vorgeschlagen: Eine kurze Laufzeit bis zum 4. Quartal 2021, mit einer tragfähigen Einmalzahlung. Diesen Vorschlag und weitere Konzepte zur Beschäftigungssicherung habe der Arbeitgeberverband jedoch ausgeschlagen.

Der Verhandlungsführer für Niedersachsen und Bremen macht deutlich: „Die Arbeitgeber versuchen die Stimmung anzuheizen und die Belegschaften mit wirtschaftlichen Schreckensszenarien zu spalten. Das lassen wir nicht zu.“ Wente: „Im Gegenteil: Wir werden Zusammenhalt und Solidarität demonstrieren. Die Verhandlungen wurden unterbrochen - ohne neuen Termin. Um zu einer Einigung zu kommen, müssen sich die Arbeitgeber jetzt bewegen. Wir sind bereit, ein tragfähiges Tarifergebnis mit den Arbeitgebern zu erarbeiten. Dafür braucht es aber zunächst ein verbessertes Angebot der Gegenseite. In der Zwischenzeit werden wir die Beschäftigten in den Betrieben in Niedersachsen und Bremen mobilisieren und zu Aktionen und Warnstreiks aufrufen. Die Arbeit niederzulegen, das funktioniert auch in Corona-Zeiten. Die Situation ist bitterernst.“

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