Ein Stück Selbständigkeit

Lebenshilfe-Wohnheim in Soltau erhält neuen Rollstuhlbus

Ein Stück Selbständigkeit

Knabbereien auf den Tischen, alkoholfreier Sekt und Orangensaft zum Zuprosten: Im Wohnheim der Lebenshilfe Soltau in der Winsener Straße gab es am vergangenen Dienstag für die Bewohner und das Team gleichermaßen Grund zum Anstoßen, denn die Einrichtung kann sich jetzt über ein großes Stück mehr Selbständigkeit freuen. Grund dafür ist ein neuer, eigener Rollstuhlbus, über den das Wohnheim jederzeit verfügen kann.

Zu den 20 behinderten Menschen, die im Wohnheim leben, gehören auch mehrere, die auf den Rollstuhl angewiesen sind. Damit ist ihr Bewegungsradius ohnehin schon eingeschränkt. Darüber hinaus waren für sie bisher aber auch Aktivitäten außerhalb des Wohnheims nicht immer ganz einfach: „Unter dem Stichwort Inklusion sind unsere Rollifahrer dabei ein wenig ins Hintertreffen geraten, weil wir mit ihnen kaum etwas spontan unternehmen konnten“, berichtet Hausleiter Volker Wagner.

Das bestätigt auch Ute Schmidt, Bereichsleiterin Wohnen: „Das Wohnheim ist froh, dieses Auto bekommen zu haben. Wir mußten uns sonst immer um den Wagen der Lebenshilfe in Tetendorf bemühen, der am Wochenende nicht gebraucht wird, etwa dann, wenn wir einen Ausflug machen wollten. Oder wir haben auf einen Busunternehmer zurückgreifen müssen. Aber auch da mußten wir uns rechtzeitig anmelden. Das war alles Flickwerk.“ Damit hat es jetzt ein Ende: „Der größte Vorteil liegt darin, daß jetzt spontane Fahrten möglich sind, so etwa zum Arzt“, betont Wagner.

Aber es geht, wie gesagt, auch darum, außerhalb des Wohnheims und jenseits der Arbeit in den Werkstätten am Leben teilzunehmen. Dazu gehören beispielsweise Ausflüge in den Heide-Park oder ins Naturschutzgebiet, in Tierparke oder etwa in den Hamburger Hafen, aber auch der monatliche Treff von „Oase“, der Gruppe für Menschen mit Behinderungen der Soltauer Lutherkirchengemeinde. „Diese Ausflüge sind nicht nur zeit-, sondern auch wetterabhängig. Hier können wir jetzt spontan entscheiden, was wir tun möchten“, so der Wohnheimleiter.

Um den Erfordernissen zu genügen, muß der Wagen einiges mitbringen, zumal auch Rollstühle mit Übergröße darin Platz finden müssen. Und er muß mit dem normalen Pkw-Führerschein zu fahren sein. Deshalb, so Schmidt, „haben wir uns für das größte Modell entschieden, einen Mercedes Sprinter.“ Aber das Fahrzeug verfügt nicht nur über Platz: Neben Rückfahrkamera und Klimaanlage hat der Bus eine automatische Hebebühne für die Rollstuhlfahrer, elektrisch ausfahrbare Trittstufen und zusätzliche Haltegriffe, die den Bewohnern das Ein- und Aussteigen erleichtern. Ausgestattet ist der Sprinter mit neun Einzelsitzen, die mit wenigen Handgriffen verschoben oder ausgebaut werden können, um so Platz für die Rollstühle zu schaffen. „Damit können wir jetzt zwei Rollstuhlfahrer und drei bis vier weitere Passagiere mitnehmen“, erläutert Wagner.

Eine solche Ausstattung hat natürlich ihren Preis: „79.000 Euro, inklusive Rampe und Umbauten, hat der Bus gekostet“, rechnet Schmidt vor, betont aber, daß hier die Aktion Mensch 70 Prozent der Kosten übernommen habe: „Eine Einrichtung für behinderte Menschen darf einmal bei der Aktion Mensch ein Fahrzeug beantragen - und das hat das Wohnheim jetzt getan.“

Diese Fragen dürften die Bewohnerinnen und Bewohner allerdings weniger interessieren. Wichtig für sie ist die Mobilität, die sie durch den Bus gewinnen und auch schon genutzt haben - der erste Ausflug ging ins Südseecamp nach Wietzendorf.

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