„Eingriff in Böhmewald würde zu Riss durch Bevölkerung führen“

Soltau: Bauausschuss vertagt Beschluss zu „Sportpark Nord“

„Eingriff in Böhmewald würde zu Riss durch Bevölkerung führen“

Wer Bäumen, noch dazu in großer Zahl, an den Stamm will, sollte sich das gut überlegen. Diese Erkenntnis hatte offenbar auch der Soltauer Bauausschuss: Als er sich in seiner Sitzung am vergangenen Dienstag mit dem Tagesordnungspunkt Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan (B-Plan) 126 „Sportpark Nord“ befasste, verschob er am Ende die Entscheidung. Grund dafür: Ein solcher B-Plan würde eine Konzentration bestehender und zusätzlicher Sportplätze vorsehen und dafür einen massiven Eingriff in den Böhmewald an der Winsener Straße ermöglichen - und das mochten die Ausschussmitglieder, die damit auch ihre Fraktionslinie vertraten, nicht befürworten. Das Ansinnen, die Plätze zu konzentrieren, fand durchaus Zustimmung, und so ging der Auftrag an die Verwaltung, alternative Standorte zu suchen.

Beschlossen hat es der Soltauer Rat am 5. Dezember 2019. Jetzt geht es daran, das Sportentwicklungskonzept für die Böhmestadt nach und nach umzusetzen. So befasste sich der Bauausschuss unter Vorsitz von Hermann-Billung Meyer am vergangenen Dienstag mit dem Aufstellungsbeschluss für den Bebaungsplan 125 „Leichtathletikanlage“, was lautlos über die Bühne ging. Problematischer gestaltete sich da indes das Thema Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Sportpark Nord“.

Zu den Teilzielen des Sportentwicklungskonzeptes, das auch die Bedarfe der Vereine und Schulen berücksichtigt, gehört unter anderem die Sanierung des Hindenburgstadions, um es zukunftsfähig zu machen. Dazu ist es nötig, für die Leichtathletikanlage „Hindenburgstadion“ einen B-Plan aufzustellen. Das ist unproblematisch, weil der Geltungsbereich durch die derzeitigen Grundstücksgrenzen festgelegt wird. Hier fasste der Bauausschuss einstimmig den Empfehlungsbeschluss zur Aufstellung des entsprechenden B-Planes. Die weitere Entscheidung liegt beim Verwaltungsausschuss.

So einfach hatten es die Ausschussmitglieder mit dem B-Plan „Sportpark Nord“ nicht. Wie Bürgermeister Helge Röbbert berichtete, sei auf einer Sitzung der Arbeitsgemeinschaft Soltauer Sportvereine (ASS) auch über die Sanierungsbedürftigkeit der Sportplätze und die dafür notwendige Aufstellung von B-Plänen informiert worden.

Für den Bereich der Sportplätze (SV Soltau) an der Winsener Straße gab es drei B-Plan-Varianten. Hier hatten sich im Vorfeld die Sportvereine für Variante 3 ausgesprochen. Sie hätte einen Geltungsbereich, der die beiden bestehenden SV-Plätze einschließt und darüber hinaus den Bau von zwei weiteren Sportplätzen zwischen dem SV-Gelände und den Berufsbildenden Schulen (Winsener Straße 107) ermöglichen würde. Die Vereine waren für Variante 3, weil durch die Konzentration der Sportplätze an einem Standort Synergien geschaffen werden könnten und der Standort zudem weitere Entwicklungsmöglichkeiten böte. Aufgrund der Gespräche mit SV und MTV sowie des Votums der ASS hatte die Verwaltung dann dem Bauausschuss den Aufstellungsbeschluss für Variante 3 empfohlen. Die Kehrseite der Medaille wäre der dazu nötige massive Eingriff in den Böhmewald. Außerdem wäre - trotz entsprechender Schutzmaßnahmen - mit erhöhter Lärmbelästigung der Anlieger im neuen Wohngebiet zu rechnen, das gerade gegenüber auf der anderen Seite der Winsener Straße entsteht.

Nachdem Ende der 80er im Zuge des Baus der Soltau-Therme auch in den Böhmewald eingegriffen worden war, galt es quasi als Glaubensbekenntnis Soltauer Politik, dass dort künftig kein gesunder Baum mehr fallen dürfe. Und daran hat sich offensichtlich nicht viel geändert, zumal heute angesichts des Klimawandels hochwertiger Wald um so höher im Kurs steht. Entsprechend stellte Peter Hoppe (CDU) den Antrag, den Aufstellungsbeschluss zu verschieben. Und Ingolf Grundmann (SPD) meinte, „der Böhmewald ist ein Naturereignis für die Soltauer“, deshalb solle nach anderen Orten für eine Sportplatz-Konzentration gesucht werden.

Dietrich Wiedemann (Grüne) betonte, zum einen schade die Diskussion um einen solchen Waldeingriff mit Sportplatzbau der Vermarktung des Wohngebietes gegenüber: „Es ist unvertretbar, dort einen massiven Sportbetrieb anzusiedeln.“ Zum anderen handele es sich hier, anders, als auf der Wohngebietsseite der Winsener Straße, um schützenswerten Wald - auch und besonders unter Klimaaspekten. Auch Bernhard Schielke (AfD) betonte, seine Fraktion lege die Priorität auf Waldschutz, zeige aber unter bestimmten Bedingungen Kompromissbereitschaft. Klaus Grimkowski-Seiler (Gruppe Bürgerunion/FDP) hielt Variante 3 aus Sicht der Vereine zwar für nachvollziehbar, zeigte aber auch Verständnis für den Waldschutz. Eigentlich sei Variante 3 in Ordnung, um aber eine möglichst große Mehrheit für das Projekt zu bekommen, solle die Verwaltung nach alternativen Standorten suchen.

Wilfried Worch-Rohweder (dps) unterstrich ebenfalls die Schutzwürdigkeit und brachte den Vorschlag ins Spiel, bei einem moderaten Eingriff in den Wald einen Teil des großen Thermeparkplatzes für das Projekt zu nutzen. Und Volker Wrigge (CDU) meinte, vier oder fünf weitere Sportplätze seien zumindest aus Sicht der Schulen nicht erforderlich. Er warnte zudem vor Waldeingriffen, denn das „würde die Stadt in einen Streit zwischen Naturliebhabern und Sportlern treiben.“ Wrigge plädierte für die Suche nach einem Alternativstandort: „Das Anliegen des Sportes ist richtig, aber nicht dort.“ Derselbe Tenor bei Georg-Wilhelm Dehning: Er finde Variante 3 im Prinzip zwar gut, „aber sie würde zu einem Riss durch die Bevölkerung führen. Wir sollten den Beschluss deshalb zurückstellen.“

Am Ende schloss sich der Ausschuss Hoppes Antrag an, vertagte eine Entscheidung - und der Bürgermeister fasste zusammen: „Ich gehe hier aus der Sitzung mit dem Auftrag an die Verwaltung, einen alternativen Standort für die Konzentration der Plätze zu suchen.“

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