„Einmalige Chance genutzt“

Soltaus Bürgermeister Helge Röbbert weiht neue Kinderbücherei in der Bibliothek Waldmühle ein.

„Einmalige Chance genutzt“

Die „kleine Raupe Nimmersatt“ zum Aufessen, ein pinkfarbener Teppich, Luftballons, ein rotes Band und jede Menge begeisterte Kinder: Am vergangenen Donnerstag weihte Soltaus Bürgermeister Helge Röbbert mit dem symbolischen Scherenschnitt die neue Kinderbücherei der Soltauer Bibliothek Waldmühle ein. Aufgeregt assistierten ihm dabei Erst- und Zweitkläßler der Soltauer Pestalozzischule. „Das sind unsere treuesten Gäste. Sie besuchen uns einmal im Monat im Klassenverband“, sagte Anika Lüdemann mit Blick auf die Mädchen und Jungen, die es kaum erwarten konnten, alles in Augenschein zu nehmen. Die beiden Bibliotheksleiterinnen Lüdemann und Ulrike Hennings sowie ihr Team hatten sich mächtig ins Zeug gelegt, um den Gästen einen netten Empfang zu bereiten und der Einweihung einen festlichen Rahmen zu geben. „Heute zur Einweihung ist Raupe-Nimmersatt-Tag“, schmunzelte Lüdemann und deutete dabei auf die im Eingangsbereich aufgebaute Kaffeetafel. Dort wartete ein Kuchen in Form der berühmten Kinderbuch-Schmetterlingslarve auf große und kleine Naschkatzen, ebenso „krabbelten“ aus Muffins und Lakritze geformte Raupen auf dem Tisch.

Liebe zum Detail fiel aber nicht nur auf der Kaffeetafel ins Auge, sondern auch im Untergeschoß der Bibliothek. In Zusammenarbeit mit dem Büchereiteam hat das Büro, das die Ausschreibung mit seinen Ideen gewonnen hatte, eine hell und freundlich gestaltete Kinderbücherei geplant, in der sich Mädchen und Jungen rundum wohlfühlen können. Die hohen Regale haben einer neuen Einrichtung Platz gemacht, die nun für mehr „Offenheit“ sorgt. Grün und Weiß sind die dominierenden Farben, zudem greifen Holzelemente und Brauntöne die durch die Fenster sichtbare Natur auf, holen sie quasi ins Innere. An Tischen kann gelesen, gemalt oder gebastelt werden, große Drehsessel laden zum Verweilen ein. Alles ist neu, lediglich die große Holzeisenbahn mit ihrem Waggon ist nicht auf dem Abstellgleis gelandet, sondern in den neuen „Bahnhof“ für Leseratten eingefahren. Auf die kleinen Besucher warten im Untergeschoß insgesamt rund 10.000 Medien - von Büchern und Hörbüchern bis hin zu „Tonies“-Hörfiguren.

Es ist rund ein Jahr her, daß es in der Waldmühle „Land unter“ hieß und das Hochwasser im Untergeschoß erheblichen Schaden anrichtete. Somit waren aufwendige bauliche Maßnahmen erforderlich. „Das brachte für die Bibliothek natürlich Probleme mit sich, war zugleich aber auch eine einmalige Chance - und die haben wir genutzt“, betonte Röbbert, nachdem er gemeinsam mit den Erst- und Zweitkläßlern das rote Band durchtrennt hatte. Der symbolische Akt war zugleich auch der Startschuß für die Mädchen und Jungen, die neuen Räumlichkeiten ausgiebig unter die Lupe zu nehmen. Einige bemalten die für sie bereitliegenden Stofftaschen, andere stürzten sich sofort auf die in der großzügig gestalteten Spielecke auf sie wartenden Stofftiere oder den großen Rutschkeil aus Holz, der als Spielelement ins Interieur integriert wurde. Und was sagten die „Tester“ zu „ihrem“ neuen Büchereibereich? „Ich finde alles gut, die Rutsche aber ganz besonders“, meinte zum Beispiel der siebenjährige Iron. Dem pflichtete die ein Jahr jüngere Emma bei, freute sich zudem über die vielen Stofftiere. Und auch der achtjährige John-Peer zeigte sich rundum begeistert: „Ich finde alles toll.“

Das freilich hörten die „Großen“ gern. Schließlich hatten sie sich eine Menge Gedanken rund um die Gestaltung gemacht und intensiv an der Konzeption gefeilt. Für die Bilderbuchkino-Veranstaltungen gibt es nun einen Bereich, der durch einen Vorhang abgetrennt werden kann. Die nächsten „Vorstellungen“ laufen hier am 10. Mai und 14. Juni, jeweils ab 16.30 Uhr, für Kinder ab vier Jahren. Für Mädchen und Jungen ab acht Jahren stehen regelmäßig „Kreativ-Freitage“ auf dem Plan, die nächsten am 24. Mai und 21. Juni, jeweils ab 16 Uhr. Und für Kinder aller Altersgruppen gibt es Spielenachmittage, so zum Beispiel am 29. Mai und 26. Juni, jeweils ab 16 Uhr. Die offenen Angebote und Kreativangebote werden ausgebaut, ein festes Veranstaltungsprogramm wird eingeführt. Alle Beteiligten sind sich einig, daß der klassische Bibliotheksbetrieb mit Fokus auf die Ausleihe nicht mehr zeitgemäß ist. Vielmehr steht eine Erhöhung der Aufenthaltsqualität im Vordergrund. Die Bibliothek soll - noch mehr als bisher - zu einem Kultur- und Kommunikationszentrum avancieren.

Mit der Einweihung der neuen Kinderbücherei ist der erste Schritt getan, weitere werden folgen. Der Jugendbereich ist nun zu dem Bereich für Erwachsene ins Obergeschoß gezogen, das ebenfalls umgestaltet werden soll. An der Konzeption wird noch gearbeitet. Unter anderem hatte es ein Jugendforum gegeben, in dem Vorschläge und Ideen gesammelt wurden, die in das Konzept einfließen. „Ende des Jahres werden wir sagen können, wie es hier in Zukunft aussehen wird“, so Fachgruppenleiter Andreas Witt von der Stadtverwaltung. „Die Gesellschaft verändert sich - und die Bibliothek geht mit“, brachte es Röbbert auf den Punkt. Eine „Abkehr vom Buch“ werde es aber, so der Bürgermeister, nicht geben. „Das Buch soll zentraler Bestandteil bleiben. Aber es wird Ergänzungen geben.“ Die Bücherei solle zu einem „tollen, zentralen Anlaufpunkt - auch für Jugendliche“ weiterentwickelt werden. Nichtsdestotrotz solle dabei auch künftig die Leseförderung, die Förderung der Sprach- und Lesekompetenz, im Mittelpunkt stehen. „Da machen wir keine Abstriche“, betonte Röbbert. Er unterstrich in diesem Zusammenhang, daß die Zusammenarbeit der Bibliothek mit den Schulen und Kindertagesstätten „sehr gut funktioniert.“

„Wir haben jetzt schon Schülergruppen, die uns regelmäßig besuchen. Bibliotheken entwickeln sich zunehmend zu außerschulischen Lernräumen, zum neben der Familie und der Arbeit dritten Ort der kommerzfreien Begegnung“, so Lüdemann. Was die Kinderbücherei angeht, so sind sie und Hennings froh, daß die enge Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro Früchte getragen hat. Das sieht auch Röbbert so. Sein Fazit: „Gut gemacht!“

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