„Endlich wieder arbeiten“

Soltauer Gastronomin: „Nicht euphorisch, aber hoffnungsvoll“

„Endlich wieder arbeiten“

Sie ist wohl noch lange nicht vorüber, die Coronakrise, auch wenn inzwischen einige Vorsichtsmaßnahmen gelockert worden sind. So dürfen etwa seit vergangenem Montag in Niedersachsen Restaurants und Cafés unter Auflagen wieder öffnen. Auch für Christine von der Brelie ist dies nach einer langen Durststrecke zwar ein Grund zur Freude, nicht aber zur Euphorie: Ihr Café „Kleines Hochdruckgebiet“ im Soltauer Hagen hat den Betrieb wieder aufgenommen, doch wie für viele andere Gastronomen bleibt zunächst einmal Unsicherheit, denn, so die Soltauerin, „es wird wohl nichts so sein wie früher.“

Alle möglichen Branchen hatten und haben unter der Coronakrise zu leiden. Und schon die ersten Maßnahmen zur Eindämmung haben viele hart getroffen - neben zahlreichen Berufskollegen auch Christine von der Brelie: „Ich habe noch eine Filiale in der Hagebau. Als dort auf Homeoffice umgestellt wurde, musste ich am 13. März schließen. Da wurde mir bewusst, dass hier noch einiges auf uns zukommt.“ Doch auch in den Köpfen der Gäste war da die Coronakrise schon angekommen: „Am 19. März hatte ich im ‚Kleinen Hochdruckgebiet‘ den ganzen Tag über nur drei Gäste. Da habe ich das Café zugemacht. Und am 21. März kam dann ja auch die behördliche Schließung“, erinnert sich die Soltauerin.

Was sich da mit allen seinen Konsequenzen anbahnte, war kaum zu überblicken und zu fassen: „Das will man nicht wirklich wahrhaben. Das muss man erst einmal als Realität erkennen und akzeptieren.“ Für die Gastronomin war diese Entwicklung um so bedauerlicher, als ihr Café am 1. April fünf Jahre alt geworden ist, was so kaum gewürdigt werden konnte.

Aber diese Überlegungen traten natürlich angesichts der wirtschaftlichen Folgen in den Hintergrund: „Ich hatte insgesamt 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Aushilfen eingeschlossen. Einige sind von selbst gegangen, von anderen, vor allem den Aushilfen, musste ich mich trennen. Jetzt sind wir noch drei Vollzeitkräfte, eine Teilzeitkraft und eine Auszubildende. Mit Blick auf die herrschende Unsicherheit hatte ich meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch bestärkt, andere Jobs zu übernehmen. Ich habe mir große Sorgen um sie gemacht. Die Kolleginnen und Kollegen müssen ja auch sehen, wie sie über die Runden kommen“, so Christine von der Brelie.

Über die Runden zu kommen, das war für sie selbst wie für viele andere Gastronomen ein Drahtseilakt: Der Laden ist geschlossen, der Umsatz bleibt aus, aber die Verpflichtungen laufen weiter, wobei „mir mein Vermieter noch entgegengekommen ist. Meinen ersten Antrag auf Soforthilfe an die N-Bank habe ich deshalb am 29. März gestellt.“ Einen zweiten habe sie Anfang April auf den Weg gebracht.

„Rückmeldungen von der N-Bank gab es nicht, und mir wurde das Geld knapp. Ich habe mir daher einen Privatkredit bei meiner Tante geholt, um wieder flüssig zu werden. Rund einen Monat nach dem ersten Antrag gab es dann am 27. April doch 15.000 Euro von der N-Bank. Bis dahin habe ich völlig in der Luft gehangen, und es gab keinen Tag, an dem ich nicht Angst hatte, durchs Raster zu fallen. Das war die Hölle“, berichtet die Geschäftsfrau. Diese „verzögerte“ Soforthilfe sei dann zwar eine gute Stütze gewesen, decke aber nur einen Teil der nötigen Aufwendungen.

Christine von der Brelie fiel in dieser außergewöhnlichen Situation allerdings nicht in Schockstarre und legte auch nicht die Hände in den Schoß: Um finanziell nicht unterzugehen, „habe ich in der Garage meines Bruders einen Abverkauf insbesondere verderblicher Ware wie etwa Käse zum Selbstkostenpreis angeboten. Und an Markttagen haben wir draußen vor dem ‚Kleinen Hochdruckgebiet‘ an einem Stand Getränke und Lebensmittel verkauft. Das war irgendwie surreal und fühlte sich an wie ein anderes Leben.“ Jetzt steht die Rückkehr ins „richtige“ bevor. Ob dies allerdings so einfach sein wird, ist die Frage. Und auch die Gastronomin hat da so ihre Zweifel: „Unser Team hat sich schon vergangene Woche getroffen, um zu planen, wie wir die Hygieneregelungen umsetzen wollen.“ Aber was da genau wie laufen solle, sei zu dem Zeitpunkt noch nicht wirklich klar gewesen. Und was die Kundschaft betreffe, „so haben wir uns gesagt, wir werden sehen, wie es sich nach der Eröffnung am Montag anlässt.“

Der Montag ist inzwischen gekommen und das „Kleine Hochdruckgebiet wieder geöffnet - wie auch viele andere Cafés und Restaurants: „Verständlicherweise ist es am Montag erst langsam wieder angelaufen, und der Betrieb ist wegen der Auflagen nicht einfach. Aber wir sind alle froh, dass wir endlich wieder arbeiten können“, freut sich Christine von der Brelie, die auf Facebook und auf ihrer Homepage erläutert, welche Auflagen ihre Gäste beim Café-Besuch einhalten müssen.

Die Gastronomin wünscht sich jetzt einen guten Neustart: „Wir haben bisher von 8.30 bis 19.30 Uhr geöffnet. Wir wollen die Zeit bis 22 Uhr ausweiten und haben dazu auch schon eine Abendkarte zusammengestellt. Ich hoffe auf einen tollen Sommer, denn ich muss nach den bisherigen Ausfällen Umsatz generieren. Wir möchten für die Gäste dasein und wirtschaftlich überleben.“

So blickt Christine von der Brelie mit etwas gemischten Gefühlen den kommenden Wochen entgegen: „Einerseits ist es gut, wieder zu öffnen, andererseits hängen wir dennoch weiter in der Luft und wissen nicht, ob wir das alles durchhalten. Ganz euphorisch stimmt mich das also nicht, aber doch hoffnungsvoll mit einigen Fragezeichen.“

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