„Erweiterung ist gut für Soltau und die gesamte Region“

DOS: Klingbeil kritisiert Stadt Celle/ Oberbürgermeister Dr. Nigge kontert

„Erweiterung ist gut für Soltau und die gesamte Region“

Seit den frühesten Plänen für ein Designer-Outlet-Center in Soltau 1996 hat das Vorhaben immer wieder jene Städte als Gegner auf den Plan gerufen, die dadurch ihren innerstädtischen Einzelhandel bedroht sahen. Nun, da es um eine Erweiterung des Designer-Outlets Soltau (DOS) geht, beginnt das Spiel von neuem. Darauf weist jetzt der hiesige SPD-Bundestagsabgeordnete Lars Klingbeil hin - und wird für seine Kritik von Celles Oberbürgermeister, Dr. Jörg Nigge, hart angegangen.

So regt sich in Celle Widerstand gegen den Kompromiss der Landesregierung für die Erweiterung des DOS. Das will seine bisherige Fläche vergrößern, um gegenüber anderen Outlets konkurrenzfähig zu sein. Angepeilt von der Stadt Soltau und der Mutschler-Gruppe als Investorin war hier ursprünglich eine Erweiterung der Verkaufsfläche von derzeit knapp 10.000 auf dann 20.000 Quadratmeter, was nicht überall auf Gegenliebe stieß.

Das Land Niedersachsen hat dazu im Herbst 2019 eine Lösung vorgeschlagen, mit der die Fläche auf 15.000 Quadratmeter erweitert werden kann. An den vorangegangenen Gesprächen war auch Klingbeil immer wieder beteiligt. Gegen diese Erweiterung kommt nun Widerstand aus Celle. Von dort wird versucht, andere Kommunen zu einer gemeinsamen Stellungnahme gegen die Erweiterung des DOS zu bewegen und im Rahmen des anstehenden Raumordnungsverfahrens die Erweiterung des DOS zu verhindern.

Klingbeil sieht diese Aktivitäten durchaus kritisch: „Als Heideregion schaden wir uns selbst, wenn wir jetzt so vorgehen. Wir sollten als Region geschlossen auftreten. Am Ende sind die lachenden Dritten die großen Metropolen wie Hamburg oder Hannover.“ Weiter betont der Bundestagsabgeordnete mit Verweis auf die Gespräche der vergangenen Jahre: „Wir brauchen im ländlichen Raum Entwicklungschancen. Das Designer-Outlet-Center in Soltau stärkt den Handel und den Tourismus in der gesamten Region. Zudem schafft es Arbeitsplätze vor Ort. Das Land Niedersachsen hat vor bald einem Jahr einen guten Kompromiss zur Erweiterung gefunden, für den ich mich gemeinsam mit vielen anderen eingesetzt habe.“

Natürlich sei bei diesen Gesprächen auch immer der lokalen Handel im Blick gewesen: „Die Konkurrenz zum Designer-Outlet-Center ist aber nicht Celle, sondern Hamburg oder das Internet“, konstatiert Klingbeil. Der Abgeordnete könne deshalb nicht nachvollziehen, warum die Erweiterung jetzt von der Stadt Celle hinterfragt werde: „Ich werde mich auch weiter für die gefundene Lösung einsetzen. Die Erweiterung ist gut für Soltau und die gesamte Region.“

Zu Klingbeils Position wiederum hat sich Nigge in einer Pressemitteilung mit reichlich Sarkasmus und unverhohlenem Ärger zu Wort gemeldet: „Interessant, dass der Abgeordnete des Heidekreises nach rund einem Jahr auch schon merkt, dass sich Protest regt. Und es mag durchaus sein, dass er unser Ansinnen nicht nachvollziehen kann, aber er hätte ja im Vorfeld mal mit uns reden können.“

Eine Erweiterung des DOS auf 15.000 Quadratmeter Verkaufsfläche, so Nigge, widerspräche den Vorgaben des Landesraumordnungsprogramms (LROP), das den Standort auf 10.000 Quadratmeter deckele, gerade um negative Auswirkungen auf Innenstädte der Nachbarkommunen zu vermeiden. Angesichts von Onlinehandel und aktueller Coronakrise meint Nigge: „Bei großen Schwierigkeiten der Einzelhändler in den Innenstädten ist jetzt der schlechteste Zeitpunkt, hier künstlich Konkurrenz aufzubauen.“

Und weiter: „Mich bestärkt zudem der Eindruck, dass an dieser Stelle der Grundsatz der Landesplanung weiter aufgeweicht wird, nachdem großflächiger Einzelhandel nur in den zentralen Orten und integrierten Standorten stattfinden soll.“ Das habe der Oberbürgermeister seinerzeit auch schriftlich Wirtschaftsminister Bernd Althusmann mitgeteilt.

„Wenn Herr Klingbeil nun die Region zum Zusammenhalt in Sachen DOS-Erweiterung aufruft, frage ich mich, wie er in vollem Bewusstsein die Verödung unserer Innenstädte vorantreiben kann? Wäre nicht vielmehr Zusammenhalt gefordert, wenn es um die Unterstützung der Umlandkommunen und ihres Einzelhandels geht?“ Schließlich stehe die Stadt Celle mit der Kritik nicht allein auf weiter Flur, sondern habe mit Städten wie Lüneburg prominente Mitstreiter an ihrer Seite.

So wirft Nigge dem Bundestagsabgeordneten vor, reine Klientelpolitik in dessen Wahlkreis zu betreiben, in dem „zufällig“ das DOS angesiedelt sei, statt die gesamte Region in den Blick zu nehmen.

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