„Es hat sich für uns gelohnt“

BBS Soltau: Existenzgründung mit Kosmetik- und Frisiersalon üben

„Es hat sich für uns gelohnt“

„Casa de la Cosmética - Du hast es Dir verdient“ - so haben die sieben Oberstufenschülerinnen der zweijährigen Berufsfachschule Kosmetik an den Berufsbildenden Schulen (BBS) Soltau ihren Salon genannt. Dem allerdings war eine nur kurze Blüte vom 18. bis zum 21. Februar vergönnt. Dass er danach seine Tore wieder schließen musste, war allerdings genau so geplant: Die angehenden Kosmetikerinnen hatten ihn eröffnet, um in dieser Existenzgründungswoche den Sprung in die Selbständigkeit zu üben. Gleich nebenan, einen Flur weiter, taten dies auch die Friseurinnen und Friseure des dritten Ausbildungsjahres: In ihrem Lernsalon „Hair Design - have a great hairday“ stellten sie ihre Fähigkeiten unter Beweis, nicht nur Haare schneiden zu können, sondern auch ein Geschäft zu leiten.

Ob Kosmetik- oder Frisiersalon - die Herausforderungen sind etwa die gleichen für jene, die es in die Selbständigkeit zieht. Und so werden auch die Schülerinnen und Schüler im Unterricht zunächst in der Theorie ganz ähnlich an ebendiese Herausforderungen herangeführt. Auf dem Stundenplan standen deshalb in den vergangenen Monaten Themen wie Unternehmensform, Betriebsorganisation mit Salonverwaltung, Führen des Warenlagers, Grundlagen von Kalkulation und Buchführung, aber natürlich auch die richtige Auswahl der angebotenen Behandlungen beziehungsweise Schnitte und Frisuren sowie Werbemaßnahmen.

Während die angehenden staatlich geprüften Kosmetikerinnen dabei von ihrer Klassen- und Theorielehrerin Andrea Gründel sowie den Praxislehrerinnen Svenja Ciblik und Regina Vagts-Hoeck­rich begleitet wurden, sorgten die Lehrerinnen Beate Welter und Maria Feldhusen bei den Friseurinnen und Friseuren für die nötigen Kenntnisse.

Für deren Umsetzung in die Praxis gelten natürlich Einschränkungen: „Versuchs­gelände“ sind die BBS, wo die Schülerinnen und Schüler die Räume anmieteten, während das Kollegium, aber auch Schülerinnen und Schüler als potentielle Kundschaft angesprochen wurden.

Und die ließ nicht lange auf sich warten - schließlich lädt die jeweilige Oberstufe der Kosmetikerinnen, unterstützt von der Unterstufe, jedes Jahr zu dieser Wellnesswoche ein und beginnt schon in der Adventszeit des Vorjahres mit ihrer schulinternen Werbung und dem Gutscheinverkauf.

Ganz leicht war es für die angehenden Kosmetikerinnen diesmal allerdings nicht: Nur sieben Frauen zwischen 16 und 22 Jahren besuchen diesmal die Oberstufe - und eine fiel aus gesundheitlichen Gründen auch noch aus, als die Wellnesswoche gerade begonnen hatte. Doch Geschäftsführerin Karina Krampetz und ihre Stellvertreterin Emely Witte hatten alles im Griff: „Wir haben deshalb schon bei der Planung unsere Angebote auf verschiedene Tage verteilt, um alles schaffen zu können“, berichtet Karina Krampetz. Und Emely Witte: „In der Vorbereitung haben einzelne Schülerinen bestimmte Aufgaben übernommen, die wir dann im Team besprochen und beschlossen haben.“

Und weiter: „Wir hatten im Vorfeld die Befürchtung, dass wir als recht kleine Gruppe die Salonführung nicht schaffen würden, aber das hat sich nicht bestätigt. Wir haben als Team gut zusammengearbeitet, während uns auch die Unterstufe kräftig unterstützt hat.“

So konnten die Kosmetikerinnen auch in diesem Jahr eine attraktive Angebotspalette in ihrem Salon bieten - von Gesichtsbehandlungen und klassischer Massage über Maniküre und Pediküre bis hin zu Hot-Stone-Massage und Schoko-Traum-Behandlung. „Besonders nachgefragt waren dabei die Spezialgesichtsbehandlung und die klassische Pediküre“, berichtet die stellvertretende Geschäftsführerin.

Für Karina Krampetz bietet diese Wellnesswoche die Möglichkeit, „in einem guten Team zu arbeiten, und das macht Spaß.“ Und Emely Witte betont: „Man kann sich selbst austesten und die Wirklichkeit durchspielen. Das ist eine gute Übung mit Blick auf die Selbständigkeit - und es ist eine interessante Erfahrung, selbst der Boss zu sein.“

Das dürfte auch für das Geschäftsführungsduo von „Hair Design“, Sadije Morina und Adnan Lalicic, gelten. Ihr Lernsalon hat allerdings eine Lebensdauer von nur einem Tag. Grund dafür: Während die Ausbildung zur Kosmetikerin ausschließlich an den BBS läuft und damit ausreichend Zeit verfügbar ist, sind die angehenden Friseurinnen und Friseure in der dualen Ausbildung und nur an einem Tag in der Woche in der Schule, der jetzt für den Lernsalon genutzt worden ist.

„Unsere Gruppe hat zunächst die Geschäftsführung festgelegt. Dann haben wir als Geschäftsführer Aufgaben wie etwa Salonorganisation, Werbung oder Salonausgestaltung auf die einzelnen Mitglieder des Teams verteilt, während wir selbst uns um die verschiedenen Anträge gekümmert haben“, berichtet Sadije Morina. Und weiter: „Diese Anträge zu stellen - das war für die Geschäftsführung eine besondere Herausforderung.“ Tatsächlich müssen, wie im richtigen Leben, Dinge geklärt werden - so muss etwa ein Raum gesucht und gemietet werden, die Salonbetreiber müssen ihr Vorhaben über einen Kredit finanzieren, es gilt, Versicherungen abzuschließen und, und, und. Einziger Unterschied zum „wahren Leben“: Statt an Behörden und andere Einrichtungen gehen diese Anträge an die BBS.

Wie die Geschäftsführerin berichtet, „war das alles am Anfang eine Belastung, weil wir ja nicht so genau wussten, wie das in der Praxis läuft. Es wurde dann aber immer leichter, und es hat alles gut geklappt.“ Zufrieden ist das Team auch mit dem Auftragsbuch: „Das ist voll, wobei der Männerhaarschnitt am besten geht“, weiß Sadije Morina. Aber natürlich reichten die Angebote für Damen und Herren weit über den einfachen Trockenhaarschnitt hinaus, wobei sich die Herren auch noch ihren Bart kürzen oder formen lassen konnten: „Was wir hier angeboten haben, spiegelt die Lernfelder wider, die wir in unserer Ausbildung bisher absolviert haben. Der Lernsalon zeigt, dass es sich gelohnt hat und nicht umsonst war“, resümiert die Geschäftsführerin.

Apropos Resümee: Sowohl die Kosmetikerinnen als auch die Friseurinnen und Friseure werden nach Abschluss ihrer Projekte Bilanz ziehen und ihre frischen Erfahrungen mit Beruf und Selbständigkeit im Unterricht reflektieren.

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