Europagedanken fortsetzen

BBS Soltau setzt trotz Corona weiter auf Internationalisierungsstrategie

Europagedanken fortsetzen

Der Europatag am 12. Mai musste ausfallen. Doch trotz Coronapandemie wollen die BBS Soltau ihren Auftrag als Europaschule weiterverfolgen, wenngleich auch nicht so wie geplant und „mit Verschiebungen in hoffentlich entspanntere Zeiten“, wie Annette Ruelius-Mangold erläutert. Die Projektkoordinatorin für Europäische Bildungsprogramme und ihr Team hatten auch gleich zu Beginn der Coronakrise viel zu organisieren.

So konnten bei Beginn der Pandemie Auszubildende und Ausbilderinnen aus dem Bereich der Hotellerie und Gastronomie gerade noch rechtzeitig von der Partnerschule Lycée professionnel Escoffier im Pariser Raum nach Soltau zurückkehren. Wesentlich schwieriger gestaltete sich, aufgrund der dramatischen Lage in ganz Europa, die Rückkehr von zwei Mechatronikerauszubildenden der Ausbildungswerkstatt der Bundeswehr in Munster. Nur mit viel Unterstützung eines Munsteraner Reisebüros konnten die zwei Azubis ihren Heimflug von Malaga nach Hamburg in eine zweiwöchige Quarantäne antreten, die sie glücklicherweise ohne Covid 19 hinter sich brachten. Sie mussten ihr dreiwöchiges Praktikum in einem großen Autohaus in Marbella vorzeitig abbrechen und mussten auch erleben, was eine totale Ausgangssperre unter strengster Kontrolle bedeutet.

Enttäuscht waren auch die Auszubildenden, die im April und im Mai ihre Praktika im Rahmen des Bildungsprogrammes Erasmus ebenfalls in Malaga sowie in Turku in Finnland und in Tallin, Estland, absolvieren wollten: In den Bereichen Groß- und Außenhandel und in Werkzeugmechatronik. Die Flüge waren gebucht, die Unterkünfte ebenfalls und nichts ging mehr.

Die Auszubildenden der BBS Soltau hatten jedoch Glück, sie können sich weiter auf ein Praktikum in der coronafreien Zeit freuen. Das Bildungsprogramm Erasmus und rechtzeitige Stornierung konnten größere Ausgaben abfedern. Auch der Europatag am 12. Mai, der im Jahresablauf der Europaschule naturgemäß eine große Rolle spielt, musste ausfallen. Alle Akteure sicherten jedoch zu, zu einem späteren Zeitpunkt den Ablauf mitzugestalten: Das Europe direct Zentrum aus Lüneburg wird über die vielfältigen Angebote der EU für junge Leute, Auszubildende, Schülerinnen und Schüler berichten. Das Team um die Botschafterschule hat sich viel ausgedacht, um die Arbeit im Europäischen Parlament verständlich zu machen, auch in Zusammenarbeit mit der Abgeordneten im Europaparlament Lena Düpont. Nicht zuletzt werden die bisher erworbenen Europässe, innerhalb der ganzen EU anerkannte Arbeitszertifikate, diesmal zeitversetzt als krönender Abschluss von erfolgreichen Erasmuspraktika vergeben werden müssen.

Schulleiterin Gaby Tinnemeier wird sich in daher in einer Botschaft an die Schülerschaft und Kollegen und auch Betriebe richten. Eine Berufsschule ist ein wesentlicher Pfeiler für die gemeinsam zu gestaltende Ausbildungs - und Arbeitswelt innerhalb der Europäischen Union. Das unterstreichen auch die aussagekräftigen Worte von der Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen:„Der Meister von heute ist der Master von morgen“.

Die Homepage der BBS Soltau informiert über die vielfältigen europäischen Aktivitäten, die nicht nur für Auszubildende und Schülerinnen und Schüler, sondern auch für Lehrer und Ausbilder Möglichkeiten bieten, praktische Erfahrungen in der Arbeitswelt der EU zu erlangen.

So nehmen die BBS Soltau beispielsweise an einem Projekt für Schülerinnen und Schüler der Berufsfachschule Metall teil, das gemeinsam mit Partnerschulen in den Niederlanden, in Schweden und Frankreich vorsieht, per 3-D-Druck ein Würfelsystem zu entwerfen, das unter anderem beim Lichterfestival in Amsterdam als gemeinsames Ausstellungsstück präsentiert werden soll. Oder die gemeinsame Arbeit von Lehrkräften der Partnerschulen der BBS Soltau in Belgien, Finnland, Italien, Portugal, Island, den Niederlanden zur Förderung von Lehrerinnen, die in MINT-Fächern unterrichten. Die Preisvergabe im Rahmen „Klischeefreie Schule“ durch Kultusminister Grant Tonne an die BBS Soltau für das Bemühen, Frauen als Lehrkräfte für Mathematik, Informatik; Naturwissenschaften und Technik zu gewinnen, soll nachgeholt werden.

Eine weiterer Schwerpunkt in dem Bemühen, die Arbeitswelt „europäischer“ zu gestalten, liegt in der Mitgliedschaft und dem Austausch von vielen Berufsbildenden Schulen und Stakeholdern in dem Netzwerk EfVET (European Forum for Vocational Training, also Europäisches Forum für die berufliche Ausbildung), das in unmittelbaren Kontakt mit den Ausschüssen für berufliche Bildung in der Europäischen Union steht.

„Hauptziel der BBS Soltau in ihrer Internationalisierungsaufgabe ist es, dass junge Menschen eine Ausbildung erhalten, der Garant für den Wohlstand in der EU, aber auch der ganzen Welt. Aus diesem Grund ist es wichtiger denn je, den Dialog mit den Partnern der beruflichen Bildung in Deutschland, aber auch in der EU zu führen“, so Ruelius-Mangold.

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