Fachmarktzentrum im Gewerbegebiet Almhöhe soll „VEGA Soltau“ werden

Rewe will zweiten Markt in der Böhmestadt eröffnen / Weitere Mieter

Fachmarktzentrum im Gewerbegebiet Almhöhe soll „VEGA Soltau“ werden

Heute Morgen, 8.55 Uhr, auf dem Parkplatz des Soltauer Fachmarktzentrums Soltauer Alm. Es regnet, der Himmel ist grau. Auf den Stellplätzen auf beiden Seiten des Komplexes herrscht fünf Minuten vor Öffnung gähnende Leere. Ein Hauch von Trostlosigkeit liegt in der Luft. Natürlich ist es früh, natürlich verstärken die Wetterbedingungen den Eindruck, und es gibt auch andere Zeiten, in denen bei den verbliebenen Mietern durchaus etwas los ist. Trotzdem schienen die Tage des Fachmarktzentrums, kurz FMZ, nach dem Auszug von Kaufland als Ankermieter sowie von Aldi und den lange Zeit vergeblichen Versuchen, Nachfolger dieser Kaliber zu finden, gezählt. Nun aber scheint sich das Ganze zum Guten zu wenden. Nachdem die Stadtverwaltung jüngst verkündet hatte, dass es eine Nachfolgelösung geben werde, nannte die Nata Germany Immobilien GmbH mit Sitz in Nürnberg am gestrigen Mittwoch Details: „Nach erfolgreichem Abschluss der Vermietungsaktivitäten im Fachmarktzentrum Soltauer Alm, die im ständigen Austausch mit der Stadt Soltau geführt wurden, können wir verkünden, dass dort ab dem Jahr 2023 ein Rewe-Markt als Lebensmittelvollsortimenter eröffnen wird.“

Zusammen mit Rewe, mit einer Gesamtfläche von 2.500 Quadratmetern, werde eine Filiale des Müller Handelskonzerns mit 1.600 Quadratmetern Gesamtfläche und ein Discounter mit 1.200 Quadratmetern Gesamtfläche eröffnen, teilt die zum Investor Nata Holding gehörende Nata Germany Immobilien GmbH mit.

Weil der Zahn der Zeit am Gebäudekomplex genagt hat, soll es, heißt es vonseiten des Unternehmens, „bauliche Revitalisierungsmaßnahmen im Inneren und Äußeren des Fachmarktzentrums geben.“ Anschließend solle auch der Name „Fachmarktzentrum Soltauer Alm“ Geschichte sein: „Zusammen mit den neu angeworbenen Mietern und mehr als 13.000 Quadratmetern vermietbarer Fläche“ solle das bisherige FMZ im Jahr 2023 unter dem Namen „VEGA Soltau“ neu eröffnet werden. Die vier Großbuchstaben stehen für die hauseigene Marke für Einkaufscenter der Nata Holding. Geplant sei zudem eine Tankstelle, außerdem werde versucht, in Gesprächen mit dem Landkreis eine Reaktivierung der Bushaltestelle zu erreichen, berichtet Diplom-Betriebswirt Taner Kenar von der verantwortlichen Gesellschaft. Und weiter: „Wir sind sehr froh, nun endlich die Wiederbelebung des Standorts Almhöhe als Fachmarktcenter verkünden zu können. Neue und den Bedürfnissen der Verbraucher entsprechende Mieter werden die Grundlage für ein ordentlich frequentiertes Fachmarktcenter bilden. Wir sind der Meinung, der Stadt Soltau einen guten Dienst erwiesen zu haben und erwarten unsere Kunden zur Wiedereröffnung im Jahr 2023.“

Die Nata Holding ist eine Unternehmensgruppe, die in den Branchen Tiefbau, Hochbau, Projektentwicklung, Bau und Verwaltung von Immobilieninvestitionen und Fertigung von Betonrohren tätig ist. Nach eigenen Angaben besitzt und verwaltet sie derzeit rund 550.000 Quadratmeter vermietbare Flächen in neun Einkaufscentern.

Wie die Rewe-Kommunikationsabteilung mitteilt, werde neben Tierfutterbedarf und einer Filiale des Müller Handelskonzerns auch ein Rewe-Markt Teil des modernen Einkaufszentrums sein. Damit wolle das Unternehmen nicht nur seine Pläne realisieren, „sich als zentraler Nahversorger im Landkreis Heidekreis breiter aufzustellen“, sondern künftig „auch die Bürgerinnen und Bürger aus dem Süden Soltaus zu versorgen.“ Laut Konzern werden die Rewe-Supermärkte in Norddeutschland mittlerweile zu 50 Prozent von eigenständigen Kaufleuten geführt. Auch für den Supermarkt im „VEGA Soltau“ sei eine Kauffrau oder ein Kaufmann vorgesehen.

„Wir freuen uns, als Lebensmittelvollsortimenter im ‚VEGA Soltau‘ für unsere Kundinnen und Kunden vor Ort zu sein. Dadurch können wir einen Teil zur Revitalisierung des Einkaufszentrums beitragen und ergänzen mit dem Standort zusätzlich unseren Rewe-Markt in der Straße Am Bahnhof in Soltau“, erklärt Marco Kittendorf, Expansionsmanager der Rewe Region Nord.

Im „neuen“ Fachmarktzentrum werde ein moderner Supermarkt nach neuestem Konzept des Konzerns entstehen. Im Vorkassenbereich werde es einen Bäcker mit gemütlichen Sitzgelegenheiten geben, im Markt selbst eine geräumige Obst- und Gemüseabteilung, eine Fleisch-, Wurst- und Käse-Bedientheke sowie eine umfassende Auswahl an Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs. Geplant sei zudem ein Abholservice, der per Online-Bestellung in Anspruch genommen werden könne.

Nachdem es lange Zeit geheißen hatte, dass sich trotz Bemühungen kein Vollsortimenter als Kaufland-Nachfolger für das Fachmarktzentrum finden lasse, hatte Soltaus scheidender Bürgermeister Helge Röbbert im Kommunalwahlkampf mit der Ankündigung überrascht, dass sich das Unternehmen „famila“ am Ortsausgang Celler Straße ansiedeln wolle. Das wiederum brachte die Interessengemeinschaft Almhöhe auf die Palme, die dieses Vorhaben massiv kritisierte und ihrem Unmut in einem offen Brief an den Bürgermeister Luft machte (HK berichtete), was Röbbert bei der Wahl Stimmen gekostet haben dürfte.

Und wie geht es weiter? Laut Daniel Gebelein, Leiter der Entwicklungsplanung bei der Stadt Soltau, wird die Planung in Sachen „famila“ nicht auf Eis gelegt. Priorität habe jedoch nach wie vor das Fachmarktzentrum als einer der drei Einzelhandelsschwerpunkte in der Böhmestadt. Dass es dort nun zu einer Wiederbelebung und Investitionen kommen solle, sei zu begrüßen und habe Einfluss auf die „famila“-Planungen. Für letzteres Vorhaben könne sich die Verwaltung eine „abgespeckte Version“ vorstellen, wenn denn Politik und „famila“ mitmachten. „Wir haben einen Aufstellungsbeschluss und werden die Planungen ergebnisoffen fortsetzen“, so Gebelein.

Otto Elbers, Sprecher der Interessengemeinschaft (IG) Almhöhe, betont stellvertretend für die im Gewerbegebiet ansässigen Geschäftsleute: „Wir sind hocherfreut, dass das Fachmarktzentrum mit einem Vollsortimenter, einem Drogeriemarkt und einem Discounter wiederbelebt wird. Die Almhöhe gewinnt wieder an Attraktivität. Wir alle haben uns dafür eingesetzt und engagiert, dass wieder Leben in die Bude kommt.“

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