„Filz ist das älteste Textil der Welt“

Niedersachsen Wirtschaftminister Dr. Bernd Althusmann besucht Felto

„Filz ist das älteste Textil der Welt“

Mag die Witterung in den vergangenen Wochen vielen die Lust auf Freizeitaktivitäten im Freien vermiest haben, für die Filzwelt war es jedenfalls „Traumwetter“: „Regen ist wie ‚Schmiermittel‘ für reichlich Besucher“, lacht Mathias Ernst. Gerade im Juli und August habe die Soltauer Einrichtung einen enormen Zulauf erlebt, freut sich der Felto-Direktor. Einen ganz besonderen Gast trieb nicht der Regen in die Filzwelt, sondern seine Sommertour: Auf der besuchte Niedersachsens Wirtschaftminister Dr. Bernd Althusmann in der vergangenen Woche die Böhmestadt. Begleitet vom hiesigen CDU-Bundestagskandidaten Carsten Büttinghaus sowie Landes- und Kreispolitikern machte sich Althusmann ein Bild von der Felto-Ausstellung.

Viel Zeit hatte der Minister nicht mitgebracht, absolviert er bis zur Bundestagswahl doch etliche Termine auf seiner Sommertour. So gaben ihm Mathias und Dr. Antje Ernst quasi im „Schnelldurchlauf“ einen dennoch recht umfassenden Einblick in die Filzwelt: „Filz“, erklärte die Museumsleiterin, „ist das älteste Textil der Welt. Und das entsteht bekanntlich aus Tierhaaren.“

Der Rohstoff ist seit vielen tausend Jahre derselbe, die Anwendungsgebiete für das Material sind heute natürlich zum Teil ganz andere. Denn längst sei Filz nicht nur für die Herstellung von Hüten und Kleidung sowie anderen Artikeln im Einsatz, sondern finde mittlerweile den Weg in hochmoderne und technische Bereiche, so Ernst. Ein Beispiel: Die Gebr. Röders AG hat ein Verfahren entwickelt, bei dem mit Nadelfilzschläuchen Leitungssysteme repariert werden können, ohne diese ausgraben zu müssen. Dabei werden die von innen mit Filz ausgekleideten Schläuche in den alten Rohrleitungen aufgeblasen und mit Harzen ausgehärtet. Es entsteht eine sehr stabile und zugleich elastische Leitung - oder bei Bedarf und ausreichend Durchmesser sogar mehrere ineinander.

Tierhaare, so Ernst, seinen somit gewissermaßen eines der „innovativsten Abfallprodukte, das der Menschheit zur Verfügung steht. Filz ist einfach ein tolles Material, und es verbindet so viele positiver Eigenschaften“ - vom Schutz vor Kälte und Feuchtigkeit bis hin zur schweren Entflammbarkeit, erläuterte die Museumsleiterin. Nicht gerade positiv komme Filz im sprachlichen Gebrauch an, ergänzte Mathias Ernst: „Gerade in der Politik verbinden viele das Wort Filz nicht mit verwobenen Tierhaaren, sondern mit Klüngel und Korruption.“ Auch diese Seite wird in den Felto-Räumlichkeiten in einem kleinen Beitrag beleuchtet. Ebenso wird dort dem Entdeckerdrang der jungen Besucher Platz eingeräumt, und in Workshops können Gruppen selbst das Filzen lernen - auch von letzterem konnte sich der Minister ein Bild machen.

„Es ist eben kein geschlossenes Museumskonzept, sondern vielmehr eine lebendige Ausstellung“, so Ernst. Die öffnete 2015 ihre Tore und entstand auch dank der kräftigen Unterstützung durch das Land Niedersachsen: Allein 3,5 Millionen Euro an Fördergeldern flossen aus den sogenannten Efre-Mitteln. „Auch durch diese Hilfen konnten wir im Zeit- und Kostenrahmen bleiben“, fügte Ernst hinzu.

Der kompakte, aber informative Gang durch die Felto-Hallen ließ den Minister staunen: „Ich bin sehr beeindruckt und außerordentlich überrascht, was für eine tolle Einrichtung dies ist und Filz für ein vielfältiger Stoff.“ Sein erster Besuch in der Filzwelt habe einen so bleibenden Eindruck hinterlassen, dass er gern wieder herkommen wolle - dann mit Familie und mehr Zeit, so Althusmann. „Es ist einfach eine faszinierende Verbindung aus Industrie und Kultur.“

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