Finanzamt setzt auf Elster

Bearbeitung der Steuererklärungen beginnt in diesen Tagen

Finanzamt setzt auf Elster

Corona oder nicht - auch wenn das Finanzamt Soltau für den Publikumsverkehr noch mindestens bis zum 31. März geschlossen bleibt, so läuft doch der Betrieb weiter. Und das heißt auch: Jetzt, Mitte März, beginnt die Bearbeitung der Einkommenssteuererklärung für den Veranlagungszeitraum 2020. Grund genug für Jörg Zimmermann, Vorsteher des Finanzamtes, und Birgit Tödter-Ott, Sachgebietsleiterin für den Arbeitnehmerbereich, am vergangenen Donnerstag noch einmal auf wesentliche Dinge hinzuweisen.

Das Soltauer Finanzamt, so Zimmermann, sei, was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betreffe, bisher gut durch die Coronakrise gekommen: „Seit einem Jahr gibt es die Pandemie, und wir hatten nur drei Krankheitsfälle bei 190 Leuten Das ist eine gute Bilanz.“ Weniger Gutes, erläutert der Vorsteher, zeichne sich allerdings für die Steuereinnahmen ab: „2020 war das Aufkommen 16 Millionen Euro höher als 2019. Für 2021 sieht es wohl anders aus: Nach einer leichten Delle im Januar hat der Februar schon eine starke Delle aufgewiesen.“

Wesentlich Ursache dafür seien die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise: „So beantragen beispielsweise immer mehr Unternehmen, die vierteljährlich Vor­auszahlungen leisten müssen, eine Senkung dieser Vorauszahlungen, teilweise bis auf null“, weiß Zimmermann.

Was die Einkommenssteuererklärungen für 2020 angeht, berichtet Tödter-Ott, „so sind die ersten schon am 30. Dezember 2020 hereingekommen. Bis jetzt liegen rund 3.500 vor, die ab jetzt abgearbeitet werden.“ Wann der Steuerbürger oder die -bürgerin dann mit einem Bescheid rechnen kann, lässt sich nicht genau sagen: „2020 gab es eine durchschnittliche Bearbeitungszeit von 50 Tagen. Wie lange es am Ende indviduell dauert, hängt von verschiedenen Faktoren ab“, so Tödter-Ott.

Zunächst aber muss die Einkommenssteuererklärung gemacht und abgegeben werden - und das geschieht zunehmend auf digitalem Wege: „Fast zwei Drittel nutzen inzwischen diese Möglichkeit. Nur noch 35 Prozent wählen die Papierform“, erläutert die Sachgebietsleiterin, die für die Nutzung der elek­tronischen Steuererklärung mit der Software „Mein Elster“ wirbt. Elster, so Zimmermann, gebe es seit mittlerweile fast 20 Jahren, wobei die Kinderkrankheiten der ersten Zeit längst überwunden worden seien. Damit alles möglichst schnell bearbeitet werden kann, rät das Finanzamt, diese Möglichkeit zu wählen.

Auch wenn die Bearbeitung erst Mitte März beginnen kann und die Steuererklärung erst bis zum 31. Juli abgegeben werden muss, lohnt es sich bereits jetzt, die Vorbereitungen für die Steuererklärung 2020 anzugehen, denn für die erstmalige Nutzung von „Mein Elster“ ist zunächst eine Registrierung und die Erteilung eines Zertifikats erforderlich. Mit Hilfe des Zertifikats weisen sich Nutzerinnen und Nutzer in „Mein Elster“ zweifelsfrei gegenüber den Finanzbehörden aus. Bis zum Erhalt des Zertifikats, das aus Sicherheitsgründen ausschließlich per Post an die hinterlegte Meldeadresse gesendet wird, können einige Tage vergehen.

Elster, so Tödter-Ott biete Vorteile für beide Seiten sind: Das Finanzamt profitiert von einer guten Datengrundlage. Die Bürgerinnen und Bürger werden mit verständlichen Erläuterungen und Hinweisen durch die elektronischen Formularbestandteile begleitet. Sie haben die Möglichkeit der Datenübernahme aus dem Vorjahr und können die dem Finanzamt bereits vorliegenden Daten (etwa vom Arbeitgeber übermittelte Lohnsteuerbescheinigungen, Lohnersatzleistungen, Mitteilungen über den Bezug von Rentenleistungen oder Beiträge zu Kranken- und Pflegeversicherungen) einfach über den Abruf von Bescheinigungen in die eigene Steuererklärung übernehmen. Anschließend können sie die voraussichtliche Steuer automatisch berechnen lassen und die Erklärung komplett papierlos und sicher online an das Finanzamt übermitteln.

Sobald der Steuerbescheid vorliegt, können die Bürgerinnen und Bürger diesen auf eventuelle Abweichungen von der Steuererklärung mit Hilfe des so genannten Bescheiddatenabrufs bequem online überprüfen. Übrigens: Auch der Einkommenssteuerbescheid kann seit November 2020 digital statt postalisch zugestellt werden, wenn das in der Steuererklärung so beantragt wird.

Darüber hinaus bittet das Finanzamt bei Steuererklärungen auf Papier darum, die vorgesehenen Felder leserlich auszufüllen, weil die Formulare zur weiteren Bearbeitung gescannt werden. Auch die angegebene Bankverbindung sollte stets auf Aktualität überprüft werden. Belege sollten ohne Aufforderung durch das Finanzamt nur dann zugeschickt werden, wenn sie ausdrücklich erbeten werden oder sich erstmalig neue Sachverhalte (etwa doppelte Haushaltsführung oder Arbeitszimmer) ergeben haben. „Und wir bitten darum Nachfragen zum Bearbeitungsstand der Steuererklärung zu vermeiden. Erst wenn man nach drei Monaten noch nichts gehört hat, könnte man sich vielleicht melden“, so die Sachgebietsleiterin.

Sie weist allerdings noch auf eine Besonderheiten hin: Wer Lohnersatzleistungen im Jahr 2020 erhalten hat, muss aufgrund gesetzlicher Vorgaben eine Steuererklärung abgeben, auch wenn er das bisher nicht musste.

Tödter-Ott: „Kurzarbeitergeld und Verdienstausfallentschädigungen beispielsweise müssen steuerlich berücksichtigt werden, so dass leider viele Menschen im Jahr 2021 erstmalig eine Erklärung werden abgeben müssen, denn viele waren als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wegen Corona 2020 im sogenannten Leistungsbezug. Die Leistungen sind zwar steuerfrei, das heißt, sie werden selbst nicht (voll) besteuert. Sie sind aber bei der Bemessung des Steuersatzes einzubeziehen. Das Finanzamt erhält die Daten elektronisch übermittelt.“

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