Gartenbau - Hand in Hand

Die Lebenshilfe Soltau gründet ein weiteres Inklusionsunternehmen - einen Garten- und Landschaftsbaubetrie, in dem Menschen ohne und mit Behinderung Hand in Hand arbeiten.

Gartenbau - Hand in Hand

„Persönlichkeiten werden nicht durch schöne Reden geformt, sondern durch Arbeit und eigene Leistung“ - dieses Zitat von Albert Einstein ist auf der Internetseite der Lebenshilfe Soltau zu lesen. Es paßt nicht nur zur Philosophie der Einrichtung, sondern vortrefflich auch zu einem neuen Projekt, das jetzt die „Hand in Hand-Werk gGmbH“, eine hundertprozentige Tochergesellschaft der Lebenshilfe Soltau, ins Leben ruft. Das bislang einzige Inklusionsunternehmen im Heidekreis, die Möbeltischlerei in Munster-Breloh, wird um einen weiteren Geschäftsbereich ergänzt - einen Garten- und Landschaftsbaubetrieb. „Hand in Hand-Werk GaLaBau“ heißt er und soll sich ab März dieses Jahres als weiteres Inklusionsunternehmen am Markt behaupten. „Wir wollen Menschen mit Behinderungen die Chance geben, von ihrer Hände Arbeit leben zu können“, so Gerhard Suder, Geschäftsführer der Lebenshilfe Soltau und damit auch der „Hand in Hand-Werk gGmbH“.

Menschen mit Behinderung hätten es seit jeher schwer, einen Zugang zum Arbeitsmarkt zu finden, so Suder, der das Projekt am vergangenen Mittwoch gemeinsam mit Cornelius von Behr vom Fachdienst „Teilhabe am Arbeitsleben“ der Lebenshilfe sowie Laurenz Baars, erster Angestellter und künftiger Betriebsleiter des neuen Inklusionsunternehmens, vorstellte. „Werkstätten für behinderte Menschen haben ein vielfältiges Beschäftigungsangebot, sind aber aufgrund ihrer wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht in der Lage, tarifliche Löhne zu zahlen“, so Suder. „Das Inklusionsunternehmen schließt die Lücke zwischen der Werkstatt für behinderte Menschen und dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Es bietet Menschen mit Behinderung Arbeitsplätze mit einer tariflichen Bezahlung in einem immer noch rücksichtsvollen Umfeld. Dabei muß es sich wesentlich aus seiner Tätigkeit am Markt finanzieren“, erläuterte der Geschäftsführer.

Das gilt auch für die bereits im Jahr 2013 in Munster-Breloh gegründete Möbeltischlerei. Dort arbeiten Menschen mit und ohne Beeinträchtigung, wie der Name schon sagt, Hand in Hand. Hergestellt werden hochwertige Korpusmöbel für den gewerblichen und privaten Bedarf. Unter anderem fertigen die Mitarbeiter dort Interieur für Hotels und Kindertagesstätten an. Die Lebenshilfe zählt mit ihren Kitas und Wohnheimen zu den Auftraggebern, aber auch externe Kunden nehmen die Leistungen des Inklusionsunternehmens gern in Anspruch. „Dort wird gute Arbeit geleistet“, betonte Suder.

Es sei allerdings eine Herausforderung, ausreichend Aufträge an Land zu ziehen, „damit die Mitarbeiter auskömmlich arbeiten können.“ Dementsprechend müßten diese auch ranklotzen, „weil wir uns am Markt behaupten müssen.“ Nicht zuletzt seien die Tätigkeiten in einer Möbeltischlerei anspruchsvoll: „Es muß millimetergenau und mit Maschinen gearbeitet werden. Und haben wir einen hohen Qualitätsanspruch.“ Laut Suder habe sich die Gründung der „Hand in Hand-Werk gGmbH“ bewährt, wobei der soziale Aspekt hervorzuheben sei: „Auch deshalb gibt es viele Betriebe, die gern mit uns zusammenarbeiten.“ Er ist guter Dinge, daß das auch im zusätzlichen Geschäftsfeld der Fall sein wird. Am 1. März soll es losgehen, ansässig wird der Betrieb bei der Lebenshilfe in der Celler Straße sein. Angedacht ist, daß im Garten- und Landschaftsbaubereich zunächst vier neue Arbeitsplätze entstehen. Ein Meister und ein Altgeselle starten gemeinsam mit zwei Helfern. Laut Suder sei geplant, mittelfristig vier weitere Arbeitsplätze zu schaffen. „So sollen insgesamt vier Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung entstehen.“ Mittelfristig wolle das zweite Inklusionsunternehmen im Heidekreis auch ausbilden. Angepeilt werde sowohl die Vollausbildung als auch die sogenannte „theoriereduzierte Werkerausbildung.“

In einem Inklusionsunternehmen arbeiten die Mitarbeiter zumeist in einer 1:1-Situation. So hat jeweils ein Facharbeiter einen Hilfsarbeiter mit Behinderung unter seinen Fittichen. „Für die Jungs ist das einfacher als in der Tischlerei, weil wir mehr grobe Tätigkeiten haben, zum Beispiel Karren schieben oder Flächen rütteln“, erläuterte Baars. Der 25jährige kommt aus der freien Wirtschaft, war bislang im Gartenbaubereich als Vorabeiter tätig und macht gerade seinen Meister. Er freut sich auf die neue Aufgabe, die für ihn, wie er sagt, „ein Sprung ins kalte Wasser ist. Bis Ende Juni wollen wir viel Zeit in die Teambildung investieren. Das Ganze muß sich erst einmal entwickeln.“ Zum „GaLaBau“-Leistungsspektrum wird die Planung und das Anlegen individueller Gärten gehören, wobei sich das Angebot sowohl an Privatkunden als auch an gewerbliche Kunden richten soll. „Rund ums Haus können wir alles machen“, so Baars. Dazu zählten Pflasterarbeiten ebenso wie der Bereich Terrassenbau, die Anlage und Pflege von Teichen sowie Ausgleichsflächen und Streuobstwiesen. Der Schwerpunkt liege dabei auf der Neu- und Umgestaltung von Gartenanlagen. Die Preise für die Leistungen orientieren sich laut Baars am Markt: „Einen Wettbewerbsvorteil haben wir nicht.“

Ein Garten- und Landschaftsbaubetrieb benötigt natürlich auch entsprechende Gerätschaften und Maschinen. Diese sind bereits bestellt. Laut Suder liegen die Investitionskosten hier bei rund 200.000 Euro. Die Beschaffung von Fahrzeugen und Material werde glücklicherweise finanziell unterstützt: „Die Aktion Mensch und das Integrationsamt des Landes Niedersachsen fördern diese Investition und die Anlaufphase mit 70 Prozent der Kosten“, so Suder. Mit einigen potentiellen Mitarbeitern habe die Geschäftsführung bereits Gespräche geführt. „WIr freuen uns aber nach wie vor über jeden Bewerber, auch Facharbeiter“, so Suder, „denn auch ein Inklusionsunternehmen ist auf Wachstum ausgerichtet.“

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