„Gegenwind“ angekündigt

HKK-Standort: Initiative will gegen das Bürgerbegehren mobilisieren

„Gegenwind“ angekündigt

Sie nennen ihre Initiative „Gegenwind“ - und selbigen wollen sie den Verfechtern des Bürgerbegehrens kräftig ins Gesicht wehen lassen. Sie - das sind Birhat Kaçar, (22, Soltau), Isabelle C. M. Lohrengel (24, Walsrode) und Bjarne Grätsch (16, Bad Fallingbo­stel), die ein Sprachrohr für all jene bieten möchten, die den Neubau eines Heidekreis-Klinikums (HKK) am Standort F4 (Bad Fallingbostel) befürworten. Sie bilden damit quasi eine Bewegung gegen das Bürgerbegehren, das derzeit noch Unterschriften sammelt, um am Ende per Bürgerentscheid den Kreistagsbeschluss für F4 zugunsten eines HKK-Standortes bei Dorfmark zu kippen.

Die Initiative „Gegenwind. Für ein zentrales Klinikum in Bad Fallingbostel. Für Zusammenhalt im Heidekreis.“, wie der vollständige Name lautet, ist neu und spielt sich im wesentlichen in der digitalen Welt von Facebook, Instagram oder per E-Mail ab. Dennoch hatten Kaçar, Lohrengel und Grätsch am vergangenen Mittwoch zu einem „analogen“ Pressegespräch nach Soltau geladen, um ihre Kampagne zu erläutern.

Und die zielt darauf, möglichst viele, vor allem auch jüngere Leute, die zumeist digital orientiert sind, gegen das Bürgerbegehren zusammenzuführen, ihnen insgesamt eine Stimme zu geben und damit möglichst viele Unterschriften zu verhindern. Ihren Ursprung habe diese Idee in der noch jungen Facebook-Gruppe „EIN Heidekreis-Klinikum in Bad Fallingbostel. - Wir sind EIN Heidekreis!“, deren Mitgründerin sie sei, so Lohrengel: Sie habe sich überlegt, was sich in dieser Sache noch für junge Leute machen ließe, habe Kontakt zu Grätsch und Kaçar aufgenommen und gemeinsam hätten sie dann beschlossen, eine solche Kampagne zu starten.

Alle drei sind zwar politisch für die SPD unterwegs, das spiele aber, wie sie unterstreichen, in dieser Frage keine Rolle. Im Gegenteil: „Hier geht es um die politische Verantwortung, die man als Bürger trägt“, meint Grätsch.

Und Lohrengel bekräftigt dies: „Wir haben hier nichts mit der SPD abgesprochen. Wir machen das als Bürgerinnen und Bürger - und nicht aus parteipolitischen Gründen.“ Die Diskussion um den HKK-Neubau und seinen Standort sei nämlich nicht nur ein Thema von Politikern, sondern eines, das auch viele Menschen im Heidekreis auf anderen Ebenen bewege. Um deren Stimmen zu hören, so Lohrengel, hätten sie und ihre Mitstreiter in den vergangenen Tagen zahllose Gespräche geführt.

Um den „Gegenwind“ gegen das Bürgerbegehren anzufachen, hat die Initiative bereits eine Internetseite unter www.gegenwind-heidekreis.myportfolio.com eingerichtet und wendet sich dort mit einem langen Brief, in dem viele Stimmen zusammengeführt worden seien, an die Bürgerinnen und Bürger des Heidekreises.

In diesem Brief greifen Kaçar, Grätsch und Lohrengel die Verfechter des Bürgerbegehrens, insbesondere auch die Unterschriftensammler, massiv an. Sie werfen ihnen vor, an ihren Ständen rein emotional und populistisch zu argumentieren, mit falschen Zahlen und unrichtigen Angaben zu operieren und die Menschen unter Zeitdruck zu setzen, damit sie sich schnell in die Listen eintragen. An den Ständen gebe es keinerlei Informationsmaterial, mit dem sich Interessierte schlau machen könnten.

Diese Vorwürfe bekräftigen die drei auch noch einmal gegenüber der Presse. Das Bürgerbegehren sei von Kirchturmdenken geprägt und schade mit der Nordkreis-Südkreis-Argumentation letztlich nicht nur einem neuen HKK, sondern auch der Zusammengehörigkeit des Heidekreises insgesamt. Gleichzeitig nehmen die Initiative und jene, für die sie spricht, allerdings für sich in Anspruch, auf der richtigen Seite zu stehen, was auch keineswegs frei von Emotionen ist: „Wir spielen nicht mir gezinkten Karten, sondern liefern echte Informationen. Wir vertrauen den Ergebnissen der Experten“, so Grätsch.

Dass auch Gutachten zum HKK-Standort durchaus fehlerbehaftet sein könnten, scheint da keine Relevanz zu haben. So verweist Kaçar noch einmal auf die Gutachterergebnisse und den Kreistagsbeschluss zum Standort F4 und betont, mit Verschwörungstheorien lasse sich am Ende jedes Gutachten niedermachen.

Zwar räumt der Soltauer ein, in den HKK-Auseinandersetzungen vor rund zehn Jahren hätten Politik und Aufsichtsrat Vertrauen in der Bevölkerung verspielt. Doch diese Zeiten seien vorbei. Auch wenn die Informationspolitik im Vorfeld der Kreistagsentscheidung für F4 nicht die beste gewesen sei, gebe es nur diese eine Chance auf ein neues HKK: „Und ich möchte nicht, dass diese Chance mit Füßen getreten wird. Wir jungen Leute sind im Heidekreis geboren, wir kennen keinen Nord- und Südkreis. Wir wollen einen gesamten Heidekreis und ein neues, modernes Heidekreis-Klinikum in Bad Fallingbo­stel.“ Sollte es am Ende einen Bürgerentscheid im Sinne des Bürgerbegehrens geben, könnten vorgegebene Fristen nicht mehr eingehalten werden. Dann bestünde keine Chance mehr auf die 130 Millionen an Zuschüssen aus Hannover und damit auch keine Möglichkeit für einen Neubau: „Ich unterstelle dem Bürgerbegehren, dass es gar kein neues Krankenhaus haben will. Wir stellen uns deshalb konsequent und mit aller Kraft gegen das Bürgerbegehren“, betont Kaçar.

Und auf diesem Weg will die Initiative jetzt Mitstreiter sammeln: „Wir wollen diese Meinungen sichtbar machen“, so Lohrengel. So könnten Interessierte auf der genannten Homepage der Initiative den dort eingestellten Brief namentlich unterstützen oder auch bei der Kampagne selbst mitmachen: „Das ist wie Wahlkampf“, so die Walsroderin, die weitere Maßnahmen auf dieser Homepage, bei Instagram und auf Facebook ankündigt. Zunächst sei die Initiative digital unterwegs - ein Marktstand beispielsweise sei noch nicht geplant.

Logo