„Gesamtergebnis gesteigert“

Trotz Corona-Pandemie: Finanzamt Soltau erneut mit gestiegenen Steuereinnahmen

„Gesamtergebnis gesteigert“

„Etwas Überraschendes mitzuteilen“ habe er, gab Jörg Zimmermann, Vorsteher des Finanzamtes Soltau, beim Pressegespräch am Donnerstag, den 21. Januar, bekannt: Trotz Corona-Pandemie seien die Steuereinnahmen im Heidekreis auch im vergangenen Jahr gestiegen. Tipps zur digitalen Kommunikation mit dem Angebot „Mein ELSTER“ brachte die für den Arbeitnehmerbereich zuständige Sachgebietsleiterin Birgit Tödter-Ott mit zum Pressegespräch. Und auch den Umgang - im Bezirk und im Finanzamt - mit der Coronasituation thematisierten die Finanzamtsvertreter.

„Wir haben das Gesamtergebnis nochmals steigern können“, freute sich Finanzamtsvorsteher Zimmermann. „Nach bereits sehr beachtlichen 632 Millionen Euro im Jahr 2019 über alle Steuerarten betrug das Steueraufkommen des Finanzamts Soltau im Jahr 2020 knapp über 648 Millionen Euro. Eine Steigerung überhaupt ist nicht nur wegen der Folgen der Corona-Pandemie überraschend, sondern auch landesweit durchaus bemerkenswert.“ Hauptsteuerarten seien dabei zum einen die Lohnsteuer und zum anderen die Umsatzsteuer.

„Die Umsatzsteuer wurde ihrem Ruf als Zugpferd der Steuereinnahmen wieder gerecht und stieg von 297 auf über 318 Millionen Euro an, die Lohnsteuer hielt sich mit knapp 171 nach vormals 176 Millionen Euro“, rechnete Zimmermann vor. Die Körperschaftsteuer behauptete sich danach bei 28 Millionen Euro, im Vorjahr waren es rund 27 Milionen Euro. Verschiebungen habe es bei der veranlagten Einkommensteuer (von 90 auf 81 Millionen Euro) und den nicht veranlagten Steuern vom Ertrag (von acht auf mehr als elf Millionen Euro) gegeben. „In der Summe waren es mit allen weiteren Steuerarten über 648 Millionen Euro zu gut 632 Millionen Euro im Vorjahr.“

Vorsteher Jörg Zimmermann zeigte sich äußerst erfreut über das erneut gestiegene Aufkommen: „Der Heidekreis mit seinem großen Branchenmix und den vielen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen trotzt hier den Folgen der Pandemie. Während in vielen Amtsbezirken in Niedersachsen die Steuereinnahmen eingebrochen sind, zeigen die Zahlen, dass das Wort ‚glimpflich‘ für den Heidekreis passt: Zwar ist es außerordentlich bedauerlich, wenn etablierte Unternehmen wie auch Soloselbständige die Krise nicht überstehen, jedoch haben manche Branchen einen regelrechten Boom durch und wegen Corona erlebt.“ So habe die Möbelbranche profitiert, gut verkauft worden seien auch Elektrogroß- und kleingeräte. Insgesamt hätten manche Bürger angesichts der vorübergehend gesenkten Steuer auch Investitionen vorgezogen. Festzustellen sei: „Bei uns gibt es keinen Großarbeitgeber, der durch die Coronakrise an die Wand gefahren wurde, weil dessen Produkt nicht mehr nachgefragt wurde.“ Im Heidekreis gebe es „gewachsene Strukturen“; mit einem „großem Branchenmix und einem gesunden Mittelstand.“

„Die Umsatzsteuer hat sich auf ein sehr hohes Niveau gesteigert“, so Zimmermann weiter. „Die Zahl der Steuerfälle im Arbeitnehmerbereich bleibt stabil, was deutlich macht, dass die allermeisten weiter ordentlich in Lohn und Brot sind, wenn auch Kurzarbeit das Ergebnis für die oder den einzelnen trüben mag. Beide Faktoren bringen nicht nur uns alle in der Region, sondern auch das Land voran.“

Im nächsten Jahr, blickte Zimmermann voraus, seien die Bezieher von Lohnersatzleistungen verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben - das beträfe viele, für die sich eine Abgabe bisher nicht gelohnt habe. Mit dem „Kampagnenstart“ - also dem Zeitpunkt, ab dem für die Finanzämter die Bearbeitung der Steuererklärungen technisch möglich ist - rechnet Zimmermann „nicht vor dem 15. März“.

Für die Vorzüge des digitalen Angebots „Mein ELSTER“ warb Birgit Tödter-Ott, zumal der Vorgänger „ELSTERFormular“ jetzt auslaufe. „Mit nur einem Klick können die Daten in ‚Mein ELSTER‘ übernommen werden und stehen danach wie gewohnt für eine Datenübernahme aus dem Vorjahr zur Verfügung“, so Tödter-Ott. Hilfe biete eine Videoanleitung im Internet auf der Seite www.elster.de. Zwar sei der Wechsel zum digitalen Angebot für die Arbeitnehmer nicht vorgeschrieben, doch biete er viele Vorteile. „Dies gilt nicht nur für die Abgabe der Steuererklärung selbst, sondern neuerdings auch für die elektronische Kommunikation mit dem Finanzamt (ELSTER statt E-Mail), bei der nun mit Nachrichten auch Anhänge übersandt werden können.“

„Im Heidekreis wurde und wird schon reger Gebrauch von ELSTER gemacht, es ist aber noch Luft nach oben!“, so die Sachgebietsleiterin. Von 2017 bis 2019 stieg die Quote der über ELSTER abgegebenen Steuererklärungen um fast zehn Prozent: 2018 - also der Veranlagungszeitraum 2017 - waren es 54,96 Prozent aller Steuererklärungen im Arbeitnehmerbereich, 2019 58,95 Prozemt und 2020 schon 63,32 Prozent aller Steuererklärungen im Arbeitnehmerbereich.“

„ELSTER ist gerade zu Zeiten der Pandemie ein doppelt sicherer Weg zum Finanzamt: Man spart sich nach der Registrierung und Dateneingabe im Erstjahr mit ELSTER nicht nur viel Arbeit, sondern auch den Gang oder die Fahrt zum Finanzamt in Soltau. Dies ist ein sicherer, komfortabler und flexibler Weg, mit dem Amt vor Ort zu kommunizieren, ohne persönlich dort erscheinen zu müssen“, waren sich Zimmermann und Tödter-Ott einig. Ein weiterer Vorteil: In der Regel erhielten die Bürger dann auch ihre Steuerbescheide schneller, was besonders diejenigen freue, die eine Rückerstattung erwarteten. Für alle, die über eine entsprechende digitale Ausstattung zu Hause nicht verfügten, bleibe aber auch zukünftig die Möglichkeit einer Abgabe der Steuererklärung auf Papier.

Insgesamt gut 190 Menschen arbeiten im Finanzamt Soltau, davon derzeit 20 Auszubildende und Studierende verschiedener Einstellungsjahrgänge. „Die Zahl der Beschäftigten wird aber in diesem Jahr noch wegen der beginnenden Arbeiten zur Grundsteuerreform weiter steigen“, so Zimmermann. Um den Anforderungen durch die Coronapandemie gerecht zu werden, gebe es im Finanzamt verschiedene Strategien. Home-Office sei aus verschiedenen Gründen nur eingeschränkt möglich, unter anderem, weil die entsprechenden Geräte fehlten. Erweitert worden sei die Möglichkeit, im Schichtsystem zu arbeiten, und in den zur Verfügung stehenden Büros seien etwa Trennwände installiert worden, außerdem wurden sogenannte Ausweichbüros eingerichtet. „Die Verkehre zwischen den verschiedenen Gebäuden sind untersagt“, betonte Zimmermann. Tatsächlich habe es innerhalb der Belegschaft erst zwei Coronafälle gegeben - jeweils im Urlaub, so dass es keine Kontakte der postiv Getesteten zu weiteren Mitarbeitern gegeben habe.

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