Geschenk ist eine Offenbarung

Berliner Archäologin überreicht den Soltauern ein besonderes Buch / Übergabe in der Bibliothek Waldmühle

Geschenk ist eine Offenbarung

Als Klassische Archäologin hat sich Dr. Antje Krug aus Berlin in ihrer beruflichen Karriere in erster Linie mit den materiellen Hinterlassenschaften der antiken Kulturen des Mittelmeerraumes, vor allem der Griechen und Römer, befasst. Auch mit ihren fast 80 Jahren hat die 1940 in Schwelm geborene Berlinerin nach wie vor ein Faible für Vergangenes und stöbert daher gern mal in Antiquitätenläden. In einem solchen erwarb sie im vergangenen Jahr in Jesteburg ein in Holzbrettchen gebundenes Buch, das ihr Interesse geweckt hatte. Auf dem ersten Blatt ist zu lesen: „Die Offenbahrung Hermann von der Hude vom Jahre 1633 bis 1657. abgeschrieben von Christoph Kohnen im Jahre 1835 Fintel Den 1. September“. Weil Hermann von der Hude ein Bauer aus Ellingen war, übergab Krug das Buch am vergangenen Dienstagabend als Geschenk der Soltauer Freudenthal-Gesellschaft, die es im feierlichen Rahmen in der Bibliothek Waldmühle wiederum der Stadt Soltau zur Aufbewahrung weiterreichte.

„Nachdem mir klar war, dass Hermann von der Hude im Umkreis von Soltau geboren worden ist, habe ich mir gedacht: dieses Buch bringe ich zurück“, erklärte Krug, die nach verschiedenen Stationen in ihrer beruflichen Karriere bis zu ihrer Pensionierung als Wissenschaftlerin am Deutschen Archäologischen Institut in Berlin tätig war. Dort arbeitete die Wissenschaftliche Oberrätin als persönliche Referentin des Präsidenten und Leiterin des Archivs.

Bei der Übergabe in der Waldmühle informierte sie kurz über ihr „Fundstück“: „Die Schrift ist aufgrund der schwach eisenhaltigen Tinte stark verblasst“, erläuterte die Berlinerin. Auch am Äußeren des Buches habe der Zahn der Zeit arg genagt. Deshalb habe sie es von einem Buchbinder konsolidieren lassen. Dieser habe neue Bünde eingezogen und die ramponierten Holzbrettchen erneuert. Die Holzteile des Original-Buchdeckels überreichte sie dem 1. Vorsitzenden der Freudenthal-Gesellschaft Werner Salomon ebenso wie ein kleines Utensil aus modernen Zeiten: Die Buchseiten hat Kruse einscannen lassen und die entsprechenden Daten auf einem USB-Stick mitgebracht. Somit konnte sich Freudenthal-Gesellschaft über ein „Komplettpaket“ freuen. Salomon übergab die außergewöhnlichen Präsente zur Aufbewahrung weiter an die Stadt und die Bibliothek Waldmühle. „Wir werden diesen Schatz in unserer historischen Bibliothek aufbewahren und hegen und pflegen“, versprach Soltaus Bürgermeister Helge Röbbert. Zwar habe er, Röbbert, als Bürgermeister vorrangig die Aufgabe „Zukunft zu gestalten“, jedoch helfe jeder Blick zurück in die Geschichte dabei, „Fehler zu vermeiden.“ Der Bürgermeister lobte in diesem Zusammenhang die Arbeit Stadtarchivars Torsten Koch, der seine Sache „sehr gut“ mache: „Hier sind die Bücher sicher - auch für die Zukunft“, betonte Röbbert.

Im Zuge ihrer ersten Recherchen zum Buch hatte sich Krug an die Stadt Soltau gewandt, die wiederum den Kontakt zur Freudenthal-Gesellschaft herstellte. Und so kam es zur Korrespondenz mit deren früheren Vorsitzenden Heinrich Kröger. Dieser ließ es sich nicht nehmen, dem Gast aus Berlin auf den Spuren von Hermann von der Hude verschiedene Stationen in und um Soltau zu zeigen. „Wir sind überall mit offenen Armen empfangen worden“, lobte Kröger „seine“ Böhmestädter. Auf dem Besuchsprogramm standen der Eggershof, die Heidenhof-Kapelle im Heide-Park, die Villa Breidings Garten, die Heilig-Geist-Kirche in Wolterdingen sowie der Kriegsgefangenenfriedhof bei Friedrichseck. Auch Kröger freute sich über das Präsent der Berlinerin: „Das ist etwas ganz Besonderes für die Stadt, die Bibliothek Waldmühle und unsere Regionalbibliothek.“

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