„Glaubenslicht & Opernglanz“ – so lautet der Titel des Konzerts, das am 1. März um 17 Uhr in der St. Johanniskirche in Soltau auf dem Programm steht. Der Eintritt ist frei. Dem Publikum wird eine Kombination aus großen Opernchören und sakraler Musik in einer noch ungewöhnlicheren Kombination aus großem Chor und sinfonischem Blasorchester geboten. Die Zusammenarbeit zwischen der Stadtkantorei Soltau, dem Jugendchor und dem sinfonischen Blasorchester der Heidekreis-Musikschule ist nicht neu und geht in diesem Jahr in die vierte Runde. Auf die Zuhörerinnen und Zuhörer wartet eine große Bandbreite von einer leichten italienischen Ouvertüre über eine einfühlsame und klangsinnliche Messe von Shane Woodborne bis hin zu monumentalen Opernchören von Giuseppe Verdi und Georg Friedrich Händel.
Im ersten Moment wirkt die Zusammensetzung aus sakraler Musik und der schillernden Opernwelt womöglich unstimmig, aber gerade die Komponisten der großen Opern haben sehr oft thematisch Bezug auf religiöse Themen oder zumindest kirchengeschichtliche Zusammenhänge genommen. Und bei näherer Betrachtung ist die Trennung zwischen Kirche und Oper gar nicht mehr so eindeutig. In Verdis Oper Nabucco geht es um die alttestamentarische Figur des Königs Nebukadnezar, der dem Größenwahn verfällt, aber am Ende doch den Glauben an den Gott Israels findet und die Hebräer befreit. Daraus wird der berühmte Gefangenenchor zu hören sein, der direkt von einem biblischen Psalm abgeleitet ist. Doch auch abgesehen von den häufigen inhaltlich-thematischen Verquickungen ist die Zusammengehörigkeit dieser beiden Kulturwelten mitunter gerade in ihrer Gegensätzlichkeit begründet. Und zwar in dem Sinne, dass in deren Gegenüberstellung ein großes Potenzial zu fruchtbarer gegenseitiger Bereicherung liegt, indem die pluralen Lebenswirklichkeiten innerhalb der Welt musikalisch- dramaturgisch in einem vervollständigten Bild dargestellt werden.
Allein, dass die erfolgreiche Zusammenarbeit der verschiedenen Ensembles zur Wiederholung gebracht wird und mehr als 120 Menschen daran beteiligt sind, ist bemerkenswert. Nachdem das jüngste Konzert in dieser Konstellation im Hamburger Michel stattgefunden hat, wurden beide Ensembles von der künstlerischen Leitung des Hamburger Wahrzeichens ausdrücklich eingeladen, das nächste Konzert wieder in die größte Kirche Norddeutschlands zu bringen.
Das nun bevorstehende Konzert wird vorerst nur in Soltau stattfinden, vielleicht jedoch wird die Einladung beim nächsten Gemeinschaftsprojekt wieder angenommen. Manuel Behre und Sönke Klegin teilen sich die Leitung und das Dirigentenpult.
Dieses Ensemble ist das beste Beispiel, dass Anspruch und Spaß an der Musik Hand in Hand gehen können. Die sinfonische Blasmusik gehört zu den innovativsten Musiksparten der Gegenwart mit wachsender Bedeutung, die sich inzwischen auch in Deutschland immer mehr verbreitet. Das sinfonische Blasorchester „United Winds“ widmet sich bereits seit vielen Jahren diesem Genre und trägt damit auch zu seiner Verbreitung in der Region bei. Das Repertoire des Orchesters umfasst neben Originalwerken und Bearbeitungen für sinfonisches Blasorchester auch Filmmusik und anspruchsvolle Unterhaltungsmusik. Nicht nur das hohe Niveau des Orchesters ist hörenswert, sondern auch die Spielfreude, mit der dieses Ensemble trotz Höchstleistung nie den Spaß an der Musik vergisst. Die letzte CD-Einspielung von 2019 wird auf der ganzen Welt gehört und gilt für viele andere Klangkörper als Inspiration. Das Orchester folgt vielen Einladungen und reist von Neuseeland bis nach Amerika, um dort zu konzertieren. Seit 2012 ist Sönke Klegin der Leiter des sinfonischen Blasorchesters und kann seine inzwischen jahrzehntelange internationale Erfahrung und Vielseitigkeit als Trompeter mit den größten Dirigenten dieser Welt an das Orchester weitergeben, ohne dabei die Nachwuchsarbeit zu vernachlässigen.
Die Stadtkantorei Soltau ist mit mehr als 70 Mitgliedern der größte Chor im Stadtkantorat Soltau sowie im regionalen Umfeld. Der Chor pflegt alle Gattungen der Chorliteratur – vom schlichten Choralsatz über Motetten und Kantaten bis zum großen Oratorium. Die jährlichen Konzerte, unter anderem Monteverdis Marienvesper, Bachs Matthäuspassion und Weihnachtsoratorium, Messias, Mozart-Requiem, Carmina Burana und auch moderne Werke von Jenkins („The Armed Man“ und „Requiem“), sind stets Höhepunkte im kirchlichen und kulturellen Leben in der Region. Kurz vor der Corona-Pandemie war der Chor noch in der Carnegie Hall in New York im Rahmen einer internationalen Aufführung mit Chören aus aller Welt zu hören. Die Stadtkantorei wurde von Kantorin Bettina Hevendehl gegründet und musiziert seit 2024 unter der Leitung des Stadtkantors Manuel Behre. Mit ihm wurden sowohl schon Bachs Weihnachtsoratorium als auch andere interessante Konzertkonzepte (zum Beispiel „Auf Spuren Mozarts“) realisiert. Im November steht nun Haydns großes Werk „Die Schöpfung“ auf dem Programm.