„Guten Unterricht machen - auch digital“

Vorbereitet: BBS Soltau mit zahlreichen Neuerungen in der Coronakrise

„Guten Unterricht machen - auch digital“

Corona bringt viele Verunsicherungen mit sich - nicht allein bei Fragen rund um Gesundheit und Gesellschaft, sondern auch bei ganz pragmatischen Dingen: Für viele Schüler heißt das, sie müssen lernen, zu Hause zu lernen, dort manche Strukturen selbst organisieren und sicher im Umgang mit dem Computer und den nötigen Programmen werden. Besonders letzteres gilt auch für die Lehrer, die dazu noch den Spagat zwischen digitalem und Präsenzunterricht schaffen müssen. Darauf haben sich die Berufsbilden Schulen (BBS) Soltau in den vergangenen Wochen intensiv vorbereitet, zudem ein Wege- und Hygienekonzept umgesetzt. Ein spezielles Beratungsteam soll außerdem Schülern und Erziehungsberechtigten Hilfestellung geben. Über die vielen Neuerungen informierte die Schulleitung am heutigen Montag.

Corona hin oder her - wie es an den allgemeinbildenden Schulen bei den Jahrgängen, die nicht ihren Abschluss machen, weitergeht, ist gesetzt: nämlich mit der nächsten Klasse. „Doch wir haben hier im Grunde nur Abschlussklassen“, erklärt Gaby Tinnemeier. Die BBS-Leiterin und ihr Kollegium wissen um die daraus resultierenden Ängste ihrer Berufsschüler: „Möglicherweise ist die Ausbildung im Betrieb nicht mehr gewährleistet. Aktuell ist meist kein Praktikum möglich, was die Lehrstellenauswahl erschwert. Und es gilt, eine Alternative zu finden, sollte der kommende Ausbildungsplatz ‚geplatzt‘ sein“, erläutert Sabine Büsse. Die Lehrerin leitet das Beratungsteam, das bei diesen und anderen Problemen für die Jugendlichen und deren Eltern da ist.

Das sei wichtig, betont Büsse, „denn die Angst nimmt bei vielen Schülern zu, manche erleben ein Gefühl von Einsamkeit und Chaos im Kopf. Unser Team, bestehend aus Sozialpädagogen und Beratungslehrern sowie dem Schulpastor, steht als Ansprechstelle für ein erstes Gespräch bereit.“ Telefonnummern und E-Mail-Adressen der Berater finden Ratsuchende über die neue Internetseite der Berufsbildenden Schulen unter www.bbssoltau.de: „Es besteht aber auch die Möglichkeit, die Lehrer direkt anzusprechen und über sie den Kontakt herzustellen.“

Das Beratungsteam versteht sich als erste Anlaufstelle zur Unterstützung bei schulischen wie auch bei privaten Problemstellungen in der Corona-Zeit - und hier melden sich auch schon einige Erziehungsberechtigte: „Manche Eltern sagen uns, dass ihr Kind nicht online geht“, so Beratungslehrerin Wiebke Suhk, die Schüler den Unterricht am heimischen Computer also bewusst „sausen lassen“. „Doch nicht am Online-Unterricht teilzunehmen, ist das gleiche wie ‚echtes‘ Schwänzen“, hebt der stellvertretende Schulleiter Thorsten Brost hervor. Dabei seien die Schüler bis auf ganz wenige Ausnahmen technisch für den Unterricht am Rechner daheim gut gerüstet, so Tinnemeier: „Nach einer Abfrage haben nur 34 Schüler keinerlei passendes Endgerät für eine digitale Mitarbeit, sieben haben keinen Netzzugang. Doch auch für sie werden wir eine Lösung finden.“

„Die BBS selbst haben sich schon vor Jahren auf den Weg gemacht, digital zu werden“, so Ina Müller-Jarisch. Jetzt profitiere die Schule davon, freut sich die Leiterin des Wirtschaftsgymnasiums. Lehrer, die im Umgang mit der Technik vielleicht noch etwas Nachholbedarf hatten, mussten nun in den Osterferien in Windeseile aufholen: „Fast alle Lehrkräfte haben die unterrichtsfreie Zeit durchgearbeitet, um sich vorzubereiten“, lobt Tinnemeier ihr Kollegium. „Und nun nutzen viele Kollegen die Möglichkeiten am Computer sogar gern und viel“, fügt Müller-Jarisch hinzu. „Wir möchten einfach guten Unterricht machen - und das auch digital.“ Bedauerlicherweise fehle dabei allerdings der direkte Kontakt.

Doch den wird es nun verstärkt geben, denn der normale Schulbetrieb läuft wieder an: „In den vergangenen zwei Wochen sind bereits die ersten 470 Berufsschüler zurückgekehrt, jetzt sind in der nächsten Phase noch einmal 600 dazugekommen“, so die Leiterin. Die zusammen rund 1.100 Jugendlichen seien - bedingt durch den Berufsschulunterricht - natürlich nicht alle gleichzeitig in der Schule, doch entsprechende Vorkehrungen hätten die BBS selbstverständlich dennoch getroffen: „Wir haben einen Hygiene-Fahrplan entwickelt und umgesetzt“, zudem gebe es nun auf den Gängen eine „Einbahnstraßen-Regelung“ und markierte Laufspuren, um den Mindestabstand zu gewährleisten. Den gebe es nach einer Umstellung der Tische und Stühle jetzt ebenfalls in den Klassenräumen, ergänzt Brost, „auch die Pausenbereiche sind für die einzelnen Klassen fest zugeordnet.“ Am BBS-Standort in der Winsener Straße 107 seien die Abstands- und Hygieneregeln noch ausgefeilter, „denn dort haben wir für die Gesundheits-/Pflegeberufe und für den Gastronomiesektor jeweils ganz separate Bereiche sowie getrennte Ein- und Ausgänge eingerichtet.“ Ab dem 3. Juni erwarten die BBS dann wieder die volle Schülerzahl - „insgesamt etwa 2.000“, so Tinnemeier - und sie alle beschäftige natürlich eines, weiß die Leiterin: „Auf die Frage ‚Ist die Rückkehr in die Schule sicher?‘ können wir antworten: ‚Ja, bei uns ist es sicher‘.“

Sicherheit ist auch für die Abiturienten der BBS oberstes Gebot: Für die insgesamt 33 Schülerinnen und Schüler des Abschlussjahrgangs sei ein eigener Bereich im zweiten Stockwerk abgesperrt worden, erklärt die Leiterin des Beruflichen Gymnasiums. Dieser Zweig starte jetzt nach digitalem Unterricht und zwei Wochen abschließender Vorbereitung an der Schule mit den Prüfungen, so Müller-Jarisch weiter: „Und wir gehen mit einem guten Gefühl ins Abitur.“

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