Hallenbad: Letzter Akt im Fliesen-Drama?

Sanierung steht bevor / gerichtliche Auseinandersetzung in Gang gesetzt

Hallenbad: Letzter Akt im Fliesen-Drama?

Soltauer Wasserratten dürfen wieder hoffen. Zwar sitzen sie nach wie vor seit August 2018 auf dem Trockenen, doch jetzt zeichnet sich ein Ende des Fliesen-Dramas im Hallenbad der Böhmestadt ab: Wie Volker Stegen, kaufmännischer Leiter der Stadtwerke Soltau, und Therme-Leiter Ronny Dechau am vergangenen Montag, dem 1. Juli, erläuterten, seien die Aufträge für eine Sanierung bereits erteilt. Noch Mitte Juli sollen die Arbeiten beginnen, so Stegen: „Es ist geplant, den Betrieb im Schwimmerbecken und im Lehrschwimmbecken bis zum Jahresende wieder zu eröffnen.“

Sollte diesmal alles funktionieren, dann ginge für die Stadtwerke Soltau eine fast unendliche Geschichte doch noch zu Ende: Das Hallenbad aus dem Jahre 1973 war im Rahmen umfangreicher Maßnahmen quasi neu aufgebaut und mit einem Cabrio-Dach ausgestattet worden, bevor es am 22. Juni 2014 wieder seine Pforten öffnete. Erste Probleme gab es dann zwei Jahre später, als sich im September 2016 zunächst die Fliesen im Springerbecken und wenige Wochen später auch im Schwimmerbecken aufwölbten, womit dann auch der Badebetrieb bis zum 1. April 2017 eingestellt werden mußte. Ursache waren offensichtlich Kunststoffe, die zwischen Fliesen und Beton für Dichtigkeit sorgen sollten, es aber nicht taten. Doch auch was hier im Zuge der Mängelgewährleistung saniert wurde, sollte nicht lange halten: Schon Ende August 2018 wurden wieder Fliesenschäden im Hallenbad entdeckt - und seitdem ist es geschlossen.

Das heißt allerdings nicht, daß die Stadtwerke Soltau in den vergangenen Monaten untätig gewesen wären: Nachdem diverse Schritte abgearbeitet worden waren, hatten im März 2019 Aufsichtsrat und beide Stadtwerke-Gesellschafter (Stadt Soltau und Stadtwerke Bremen) grünes Licht für eine Sanierung auf zunächst eigene Kosten gegeben - auch ohne mögliche Verantwortlichkeiten und Regreßansprüche vorher geklärt zu haben. Darauf könne nicht gewartet werden, denn ein solches juristisches Verfahren nehme unter Umständen mehrere Jahre in Anspruch, hieß es seinerzeit (HK berichtete).

„Auf einen Richterspruch zu warten, das war und ist für uns keine Option, denn das hätte womöglich eine jahrelange Stillegung des Hallenbades zur Folge gehabt“, unterstreicht Stegen. Nur mit einer Sanierung lasse sich der wirtschaftliche Schaden begrenzen und ein attraktives Schwimmangebot für die Soltauer aufrechterhalten. Parallel zur demnächst anlaufenden Sanierung, aber unabhängig davon bespielen die Stadtwerke auch das juristische Feld: „Nach verschiedenen Gutachten unabhängiger Experten haben wir es mit Matrialmängeln zu tun. Jetzt liegt es am Gericht, das festzustellen. Wir haben vor dem Landgericht Lüneburg gegen vier Beteiligte Klage erhoben.“ Auf diese Weise wollen sich die Stadtwerke ihr Geld zurückholen. Dabei, so Stegen, „rechnen wir für die jetzt anstehende Sanierung mit Kosten von rund 900.000 Euro.“ Hinzu kämen dann aber noch weitere Beträge, beispielsweise für Einnahmeverluste, die mit der Hallenbadschließung verbunden sind.

Wie lange sich diese gerichtliche Klärung hinziehen wird, ist derzeit nicht absehbar - anders als die nächsten Sanierungsschritte, für die der Auftrag bereits erteilt ist. Verschiedene Möglichkeiten, so Stegen, auch beispielsweise Edelstahlbecken, seien im Vorfeld als Lösung in Betracht gezogen worden. Am Ende sei die Entscheidung für eine Folie gefallen: „Aber dabei werden wir auf keinen Fall auf das bisherige Verfahren zurückgreifen“, unterstreicht Stegen. Ohne abdichtende Schicht unter den Fliesen geht es nämlich nicht im Hallenbad, denn die Basis der Becken stammt aus dem Jahr 1973: „Und damals wurde kein wasserundurchlässiger Beton verbaut.“ Nach Einholung gutachterlicher Beurteilungen und nach eigener Abfrage von durchweg positiven Referenzen sei hier die Wahl auf das System „Steuler-Q7“ gefallen: Die Firma Steu­ler stelle industriell Folien auf Basis von Butylkautschuk her und verarbeite sie beim Kunden mit eigenem Personal. „Dabei bedeutet ‚Q7‘ Qualität in sieben Schichten“, weiß Dechau.

Daß dieses System gut funktioniere, „wissen wir eigentlich schon seit fast 30 Jahren, denn wir haben es damals auch in der Therme verbaut und noch nie Probleme damit gehabt. Das ist uns aber nicht sofort aufgefallen, weil wir heute einen anderen Herstellernamen haben“, berichtet Stegen.

Erster Schritt auf dem Weg zu einem gutgefüllten Hallenbad wird jetzt kräftige Handarbeit sein: „Die Fliesen müssen abgeschlagen und der Schutt dann nach draußen befördert werden, bevor die Folien verlegt werden können“, so Dechau. Ende dieses Jahres sollen die Soltauer dann wieder ihr Bad nutzen können, wobei das Springerbecken einige Wochen später - Ende Februar 2020 - freigegeben wird.

Wie schon bisher bleiben alle anderen Angebote der Soltau-Therme von der Hallenbadschließung beziehungsweise den dortigen Arbeiten unberührt: Solebad, Innengastronomie und Saunalandschaft stehen den Besuchern uneingeschränkt zur Verfügung. Dazu Dechau: „Mit rund 80.000 Besuchern im Jahr hat der Saunabereich am wenigsten unter der Hallenbadschließung gelitten. Hier steht in der diesjährigen Revisionsphase vom 26. bis 31. August die Erneuerung der Salzkristallsauna für rund 95.000 Euro an. Unter all unseren Saunen hat sie die meisten Betriebsstunden hinter sich.“

Wer sich über aktuelle Entwicklungen informieren möchte und Antworten auf Fragen zum Badsbetrieb während der Schließphase des Hallenbades sucht, findet auf der Homepage unter www.soltau-therme.de entsprechende Hinweise.

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