Käpt'n Blaubär, liegende Colaflasche und die schönste Einkaufstasche der Welt

„Heide-Classic“: Auf Hochglanz polierte „Hingucker“ in der Soltauer Fußgängerzone und im Heidekreis unterwegs

Käpt'n Blaubär, liegende Colaflasche und die schönste Einkaufstasche der Welt

Die Zweiten werden die ersten Ersten sein - so lautete das Motto am vergangenen Samstag bei der Oldtimer-Ausfahrt „Heide-Classic“ in Soltau, allerdings ungeplant: Weil die „Nummer 1“ nicht wie vorgesehen vor Ort war, führten die Lokalmatadoren Otto Elbers und Silke Thorey-Elbers, deren Mercedes Heckflosse W111 die Startnummer 2 hatte, bei der ersten Prüfung in der Fußgängerzone den langen Oldtimerkorso an, der sich im Schritttempo durch die Markstraße schlängelte. In dieser gab es gleich zu Beginn eine kleine Zeitprüfung, bei der 20 Meter Fahrtstrecke mit einem Schnitt von sechs Stundenkilometern absolviert werden mussten. Dass die geforderten zwölf Sekunden selbst für Profis am Steuer nicht so leicht einzuhalten sind, konnten die Zuschauer an einem aufgestellten Großdisplay mit eigenen Augen sehen. Letztlich ging der „Preis der Stadt Soltau“ an Andreas Kinder und Birgit Hafke, die mit ihrem VW-T3-Bulli nur zwei Hundertstelsekunden zu schnell waren.

Zum nunmehr zehnten Mal startete die „Heide-Classic“, eine Ausfahrt für Automobile, die mehr als nur „ein paar Jährchen“ auf dem Buckel haben. Ausgearbeitet hatten die Veranstaltung der Verein für Motorsport in Zusammenarbeit mit dem MSC Munster und dem Veteranen-Club Soltau, Ortsclubs des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt. Erstmals ging es durch die Fußgängerzone in der Böhmestadt, die zum Zieleinlauf der Tagesausfahrt am Nachmittag noch einmal angesteuert wurde. Viele Zuschauer konnten die Gefährte diverser - teilweise nicht mehr existierender - Automanufakturen am Start bewundern. Zu jedem Fahrzeug hatte Oldtimerexperte Rainer Klintworth, der das Ganze über Lautsprecheranlage moderierte, interessante technische Details und Anekdoten parat. Seine launigen Durchsagen machten Spaß. Ein weißes Golf Cabrio wurde da schon mal als „schönste Einkaufstasche der Welt“ bezeichnet, eine prächtige Corvette aufgrund ihres Designs augenzwinkernd als „liegende Colaflasche“. Und bei so manchem Zuschauer wurden Erinnerungen wach. „Mit so einem bin ich früher auf den Pässen über die Alpen gefahren“, sagte zum Beispiel ein Passant, auf einen der vorbeifahrenden „Oldies“ deutend. Mit Höhenmetern hatten die Teilnehmer in der norddeutschen Tiefebene natürlich nicht zu kämpfen. 72 Fahrzeuge gingen insgesamt auf die knapp 150 Kilometer lange Strecke durch den Heidekreis. Das älteste Auto am Start war ein 1959er Austin Healey Sprite MK1, das jüngste Fahrzeug, zugelassen waren auch Youngtimer, ein 2000er Peugeot 106.

Auf der ersten Etappe ging es nach Meinern, Eickhof, Woltem, Frielingen und Neuenkirchen. Auf dem Schröers-Hof im Schnuckendorf begrüßten die Heide-Touristik und der Kartoffelkönig die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Nach dieser Pause fuhren die Old- und Youngtimerfreunde weiter nach Delmsen, Brochdorf, Ilhorn und Sprengel. Während sich die Insassen der vier in der Gruppe „Ausfahrer“ startenden Fahrzeuge voll und ganz auf die Landschaft konzentrieren konnten, mussten sich die Beifahrerinnen und Beifahrer in den anderen Gruppen auf das Bordbuch konzentrieren. So galt es, die richtige Strecke zu finden, dem Fahrer den Weg zu weisen, Orientierungsaufgaben zu lösen und in den Zeitprüfungen die Stoppuhr richtig zu bedienen. In den Prüfungen waren Zeitnahmen installiert, die die exakte Durchfahrt per Lichtschranke gemessen haben. Je genauer die Auslösung, desto besser fiel das Ergebnis aus. Die Starter in der Gruppe „Sportler“ mussten zudem zwei Zeitprüfungen bewältigen, wobei die Messpunkte „geheim“ waren. Hier kam es auf die genaue Einhaltung des vorgegebenen Schnitts an.

Mittags begrüßten die Heidekönigin und ihr Hofstaat aus Schneverdingen die Teilnehmer am Heidegarten. Nach einer einstündigen Pause in der Heideblütenstadt ging es zurück über Wintermoor, Wesseloh, Haswede, Großenwede, Fintel, Ostervesede, Lünzen, Zahrensen, Wieckhorst, Reimerdingen, Ellingen und Wolterdingen in die Soltauer Marktstraße - und von dort aus zur Abschlussveranstaltung in die Alte Reithalle, in der auch die Siegerehrung auf dem Programm stand. „Alle 72 Fahrzeuge trotzten Wind und Wetter, die Technik hielt stand“, freute sich Richard Lehr vom Organisationsteam. Darüber hinaus freuten sich die Veranstalter über die Unterstützung durch die Stadt Soltau und die involvierten Behörden sowie das Engagement der Sponsoren. Ein großes Lob ging zudem an die vielen ehrenamtlichen Helfer an der Strecke und hinter den Kulissen.

Während die vier „Ausfahrer“ allesamt mit einem Erinnerungspreis bedacht wurden, gab es in den anderen Gruppen jeweils nur Preise für die besten Teams. Bei den Einsteigern gewann das Team Stephan und Petra Zlab (BMW 1602, Baujahr 1965). Die Gruppe der Militärfahrzeuge konnten Reiner und Monika Austermann (VW 181 „Kübel“, Baujahr 1971) für sich entscheiden. Die Wertungsgruppe der Sportler gewannen Jan und Georg Behrens, die mit einem VW Golf G60, Baujahr 1989, unterwegs waren.

Logo