„Hilfesuchenden auf Augenhöhe begegnen“

„Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung“ (EUTB) neu in Soltau: Einrichtung bietet im nördlichen Heidekreis Hilfe an für Menschen mit Behinderungen und deren Angehörige

„Hilfesuchenden auf Augenhöhe begegnen“

Seit Anfang 2018 deutschlandweit im Aufbau, seien die ersten Beratungsstellen Mitte des vergangenen Jahres entstanden, erklärt Johannes Borbe - „und jetzt gibt es seit dem 1. März auch einen Anlaufpunkt in Soltau“, so der Berater der EUTB, der hier zusammen mit Karin Ruland Hilfesuchende unterstützt. Dabei steht das Kürzel für „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung“. Diese vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderte Einrichtung bietet Hilfe an für Menschen mit Behinderungen und deren Verwandte sowie für alle, die aufgrund einer Krankheit vielleicht bald behindert sein könnten. Als Träger ebenfalls mit im Boot: die Arbeiterwohlfahrt (AWO). In deren Soltauer Räumen haben Borbe und Ruland nun ihr Büro eingerichtet, von dem aus sie den nördlichen Heidekreis betreuen.

Fragen und Anliegen rund um das Thema „Leben mit einer chronischen Erkrankung oder Behinderung“ gebe es viele, und das Netz an zuständigen Behörden und Einrichtungen sowie entsprechenden Hilfs- und Selbsthilfeangeboten sei weit verzweigt, weiß Borbe. „Diesen wollen wir keinesfalls Konkurrenz machen, sondern mit ihnen als ergänzendes Angebot zusammenarbeiten“, betont der Berater, „das ist uns ganz wichtig.“

Denn die -EUTB stehe als Vermittlerin für alle offen, die auf ihrem Weg nach dem passenden Ansprechpartner suchen: „Wir können beraten, welche Unterstützungsangebote es gibt und welche Anträge wo gestellt werden müssen. Wir können allerdings trotz allem keine Rechtsberatung bieten“, betont Borbe - sein Bachelor in Sozialrecht helfe ihm jedoch bei Verständnis und Klärung vieler Sachverhalte.

„Wir wollen Hilfesuchenden auf Augenhöhe begegnen“, hebt Ruland hervor. Sie und ihr Kollege haben beide selbst eine Behinderung, „und daher wissen wir, was das mit einem macht“, so die Beraterin. „Man wird mit manchen Dingen einfach allein gelassen und bei den herkömmlichen Beratungsstellen kann einem manchmal keiner helfen“, fügt Borbe hinzu. Die Idee hinter der EUTB sei: „Betroffene sollen sich hier auf Anhieb verstanden fühlen. Wir möchten ihnen Mut machen, trotz aller Schwierigkeiten einen Weg für sie finden und das Beste aus der Situation machen.“

Betroffene dort abholen, wo sie stehen, und die Vernetzung zu den richtigen Stellen herstellen - so beschreibt der Berater seine Aufgabe. Und eben bei diesen Stellen haben sich er und seine Kollegin in den vergangenen Wochen bereits vorgestellt: „Die Resonanz war äußerst positiv“, freut sich Borbe, die Gespräche bei den hiesigen Ansprechpartnern in den Sozialämtern der Rathäuser oder auch mit der Lebenshilfe Soltau seien sehr gut gelaufen, „außerdem besteht hier bereits ein Netzwerk zwischen zahlreichen Institutionen.“

„Das läßt sich auch auf Landkreis-ebene übertragen: An allen Stellen sind wir sehr offen empfangen worden“, fügt Reiner Klatt hinzu. Der Vorsitzende des AWO-Ortsvereins Soltau hatte den Kontakt zu einigen Einrichtungen in Heidekreis hergestellt. Außerdem freue er sich, „daß die AWO-Räumlichkeiten in Soltau, die wir für Sitzungen, Aktivitäten und Treffen nach wie vor nutzen, jetzt wieder mit mehr Leben gefüllt werden.“

Doch es gibt bei der AWO/EUTB-Basis in Soltau einen Haken: Das Büro in der Poststraße 18 liegt im ersten Stock und ist nur über die Treppe erreichbar. „Daher wollen wir in den Rathäusern in Soltau, Schneverdingen und Munster bald eine Beratung in barrierefreien Räumen anbieten“, plant Borbe, für Soltau sei dabei bereits donnertags im Gespräch. „Und wenn nötig, können wir auch Termine bei den Ratsuchenden zu Hause machen.“

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