Hupend durch den Heidekreis: Viele Daumen hoch, nur vereinzelt Mittelfinger

Daheimgebliebene Landwirte protestieren gegen Politik der Bundesregierung: Rund 70 Trecker rollen durch den Heidekreis

Hupend durch den Heidekreis: Viele Daumen hoch, nur vereinzelt Mittelfinger

Mehrere Tausend Bauern, darunter auch Landwirte aus dem Heidekreis, demonstrierten heute in Berlin gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung und legten mit mehr als 5.000 Treckern das Zentrum der Hauptstadt lahm. Um die 10.000 Teilnehmer wurden im Vorfeld zu dieser Demonstration erwartet. Mit ihrer Aktion protestierten die Bauern unter anderem gegen verschärfte Regeln zum Umweltschutz, zumal sie sich durch die Auflagen in ihrer Existenz gefährdet sehen. Doch nicht nur in Berlin wurde demonstriert, im Heidekreis etwa machten auch die Daheimgebliebenen mobil. Die Gruppe „Daheimgebliebene Region HK“ hatte zu einer rund 90 Kilometer langen „Ausfahrt“ durch den Landkreis aufgerufen - und zahlreiche Landwirte aus der Region, darunter auch einige Frauen, waren diesem Aufruf gefolgt. Mit knapp 70 Traktoren starteten sie um 10 Uhr in Dorfmark, fuhren immer wieder hupend über Bad Fallingbostel, Walsrode und Benefeld nach Bomlitz, weiter durch Kroge und Dorfmark, Soltau, Harber, Friedrichseck und Suroide sowie durch Wietzendorf und wieder zurück nach Soltau. „Ist der Bauer ruiniert, wird dein Essen importiert“, „Belastbare Daten statt belastete Familien“ und „Lieber Politiker! Bitte mach Politik mit der Wissenschaft!“ waren einige der Sprüche, die auf den an den Fahrzeugen angebrachten Schildern und Transparenten zu lesen waren. In der Böhmestadt angekommen, endete die Aktion gegen 14 Uhr auf dem großen Platz der Raiffeisen Centralheide.

„Das habt ihr richtig gut gemacht“, lobte Andreas Ebel vom Organisationsteam die Teilnehmer und würdigte das Engagement aller Unterstützer und Ordner. Und auch seitens der Ordnungshüter gab es nichts zu beanstanden. „Das ist alles gut gelaufen“, betonte Detlev Maske von der Polizeiinspektion Heidekreis. „Ich hatte mit 20 bis 30 Treckern gerechnet - und dann wurden es mehr und mehr“, freute sich Landwirt Lüder Warnecke, einer der Organisatoren, über die Beteiligung. Unterwegs habe er sehr viel Zuspruch seitens der anderen Verkehrsteilnehmer wahrgenommen: „Sehr viele haben den Daumen hoch gezeigt, nur sehr wenige den Mittelfinger.“ Auch viele Lkw-Fahrer hätten mittels Handzeichen Zustimmung signalisiert. „Wir sitzen im selben Boot, denn auch die Lkw-Fahrer wissen, wie es ist, in der Bürokratie gefangen zu sein“, so Warnecke. Und weiter: „Das Problem ist die Unwissenheit der Bevölkerung in vielen Dingen, die uns Landwirte betreffen. Doch die können wir aufbrechen, wenn wir in den Dialog treten. Es geht darum, miteinander zu reden. Und damit haben wir heute angefangen.“ Er appellierte an alle Protestler, die Standpunkte der Bauern auch über die sozialen Netzwerke zu kommunizieren und gegebenenfalls auch Leserbriefe zu schreiben: „Es gibt viel, was man tun kann.“

Wird es eine weitere Aktion dieser Art geben? Landwirt Andreas Ebel aus Wietzendorf kann sich das durchaus vorstellen: „Meine persönliche Einschätzung ist, dass uns die Regierung nicht das geben wird, was wir haben wollen. Und dann ist eine Wiederholung nicht ausgeschlossen.“ Die Landwirtschaft sei wichtig für Deutschland, denn es sei mit erheblichen Risiken behaftet, auf den Import von Lebensmitteln zu setzen. Zudem bestehe dann die Gefahr, dass Lebensmittel nicht den gewohnten Standards entsprächen, sondern stark belastet sein könnten. „Und wenn das der Fall ist, dann nützt auch der günstigste Preis nichts“, konstatierte Ebel.

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