Informativer Stolperstein

„Bündnis gegen Rechts“ setzt Nazi-Geschichte in Bezug zu Rassismus heute

Informativer Stolperstein

Da in Soltau bisher kein Stolperstein an den 1943 im KZ Theresienstadt ums Leben gekommenen Juden Sally Lennhoff erinnert, hat das von GEW, ver.di und DGB initierte „Bündnis gegen Rechts“ am Montag einen symbolischen, informativ gestalteten Stolperstein vor seinem früheren Haus in der Soltauer Markstraße plaziert.

„Für uns ist es wichtig, aus dieser Geschichte für heute und morgen zu lernen, zu erkennen wie Rassismus heute in Sprache und Handeln auftritt“, so ein Sprecher der Initiative. Aktueller Anlass, sich mit lokaler Geschichte und rassistischer Gegenwart zu beschäftigen, waren die geplanten - jedoch im Vorfeld verhinderten - AfD-Veranstaltungen in Hodenhagen und Soltau.

Das Bündnis setzt die lokale NS-Geschichte in Bezug zum aktuellen Rassismus: Vor dem Haus, aus dem 1938 die jüdische Familie von bürgerlichen Soltauern vertrieben wurde (HK berichtete), stellten Mitglieder am Montagnachmittag symbolisch einen großen, kreativ gestalteten Stolperstein auf. Mit alten Fotos und einer Beschreibung der Zerstörung von Geschäft und Wohnung durch Rathaus-Mitarbeiter und SA erinnerten sie damit an den 10. November 1938 und das geschehen in Soltau.

„Der Schoß ist fruchtbar noch“ stellt das Bündnis fest und hat dazu zahlreiche aktuelle und damit umso erschreckendere Zitatevon führenden AfD-Politikern mit Quellenangaben zusammengestellt: Die historische Nazi-Kampagne „Kauft nicht bei Juden“ etwa hat der AfD-Bundestagsabgeordnete Kay Gottschalk aufgegriffen und aktualisert: Man sollte „alle Bürger guten Willens auffordern: Boykottiert die Läden der Türken in Deutschland“ (2018). Marcel Grauf, AfD-Landtagsmitarbeiter in Baden-Württemberg, steigerte sich in den Satz: „Immerhin haben wir jetzt so viele Ausländer im Land, dass sich ein Holocaust mal wieder lohnen würde“ (2019). Bereits 2015 hatte Grauf erklärt: „Ich würde niemanden verurteilen, der ein bewohntes Asylantenheim anzündet“. Dass AfD-Flügelmann Björn Höcke das Berliner Holocaust-Denkmal als „Denkmal der Schande“ bezeichnet, ist ebenso bekannt wie Alexander Gaulands Verharmlosung der Nazi-Herrschaft als „Vogelschiss der Geschichte“. Das Bündnis gegen Rechts betont deshalb, wie wichtig es ist, aus der Geschichte für heute und morgen zu lernen und Rassisten keinen Raum und kein Podium zu gewähren.

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