Jetzt schon trommeln für das „weiße Gold“

Erste Soltauer Salzfestspiele sollen Anfang Oktober über die Bühne gehen

Jetzt schon trommeln für das „weiße Gold“

„Soltau trägt das Salz im Namen“, meint Wilfried Worch-Rohweder. Und als Vorsitzender des Soltauer Salzsiedervereins arbeiten er und seine Mitstreiter schon seit langem daran, diese Erkenntnis - auch in touristischer Hinsicht - nach außen zu verbreiten. Dafür sorgen neben regelmäßigen Demonstrationen des Salzsiedehandwerks etwa in Wilsede auch spektakuläre Aktionen wie der Salztransport per Ochsenkarren von Soltau nach Quedlinburg im vergangenen Jahr. Ihr neuestes Projekt stellten die Freunde des „weißen Goldes“ am vergangenen Montag vor: Vom 4. bis zum 6. Oktober 2019 sollen in der Alten Reithalle die ersten Soltauer Salzfestspiele unter dem Titel „Das Geheimnis der Salzquelle“ über die Bühne gehen.

Schon bei der Ochsentour ging es um historische Hintergründe und touristische Effekte: Im Jahre 936 wurde der damalige Ort Soltau (Hof an der Salzaue - Curtis Salta) von Otto I. an das Reichskirchenstift St. Servatius in Quedlinburg verschenkt. Das Werthaltige des Hofes war die historische Salzquelle. In der Folgezeit wurde von Soltau vermutlich auch mit zweirädrigen Ochsenkarren - andere geeignete Transportmittel standen zur damaligen Zeit nicht zur Verfügung - Salz nach Quedlinburg gebracht. Eine Erfahrung, die die Salzsieder 2018 nachvollzogen haben.

„Wir haben auf dieser Tour sehr viele Menschen kennengelernt und Kontakte geknüpft, die wir auch weiterhin pflegen und ausbauen möchten. Aus diesen Überlegungen ist dann die Idee der Soltauer Salzfestspiele geboren worden. Und die sollen keine einmalige Veranstaltung sein, sondern in regelmäßigen Abständen in Soltau auf dem Programm stehen“, erläutert Worch-Rohweder. Wie groß diese Abstände - ein oder mehrere Jahre - sein werden, wußte der Vorsitzender noch nicht zu sagen.

Was in den Grundstrukturen aber schon feststeht, ist der diesjährige Ablauf. An allen drei Tagen gibt es eine oder mehrer Aufführungen, und die gliedern sich in vier Bereiche: Im ersten Teil zeigt ein Animationsfilm die Entstehung des Soltauer Salzstocks vor rund 270 Millionen Jahren, wobei Geologe Dr. Michael Kosinowski aus Eickeloh für weitere Erläuterungen sorgt. Im zweiten Teil folgt dann ein Theaterstück, das den Soltauer Bereich vor 5.000 Jahren im Blick hat - als die Menschen möglicherweise das dicht unter der Erdoberfläche liegen Salz entdeckt haben. Dazu Worch-Rohweder: „An der Geschichte wird noch geschrieben.“ Damit dabei keine geschichtlichen Fehltritte passieren, hat Prähistorikerin und Museumspädagogin Regina Loftus im Hintergrund ein Auge auf die Vorbereitungen.

Die Zeit um 800 unter Karl dem Großen steht im Mittelpunkt des dritten Teils, bei der sicherlich die hiesigen Sachsenkriege und die Zwangstaufe - vielleicht mit solehaltigem Wasser - eine Rolle spielen werden. Im vierten und letzten Teil liegt der Fokus auf dem Jahr 936, als Soltau von Otto I. an das Reichskirchenstift St. Servatius in Quedlinburg - urkundlich belegt - verschenkt worden ist. Teil drei und vier werden vom Ensemble des Kaiserfrühlings Quedlinburg bestritten: Seit 18 Jahren gibt es in der Kaiserpfalz Quedlinburg diesen Verein, der sich der Darstellung von Szenarienspielen aus der Zeit des Ottonischen Reiches verschrieben hat und seine Stücke an die Soltauer Erfordernisse anpassen wird. „Wir wollen die Besucher mit diesen Festspielen in die Geschichte des Soltauer Salzes mitnehmen, indem wir dies kulturell darstellen“, so Worch-Rohweder.

Vieles müsse bis dahin aber noch wachsen, um wirklich etwas Eigenes zu entwickeln. Geklärt werden muß auch die Trägerschaft: „Die Organisationsform ist noch nicht ganz klar - ob dies über den Salzsiederverein oder über das Museum laufen wird oder ob ein Förderverein gegründet werden sollte, wissen wir noch nicht“, so Worch-Rohweder, der den Stand der Dinge bildhaft umschreibt: „Wir haben jetzt eine buntgemischte Raubtiergruppe. Daraus wollen wir ein Ensemble hinkriegen, um dann eine wunderbare Zirkusaufführung zu bekommen.“ Dabei sollen sich die Soltauer Salzfestspiele allerdings nicht auf die vier jeweils rund 25minütigen Bühnenteile beschränken, daneben gibt es außer einem gastronomischen Angebot vor allem viel Wissenswertes über das Soltauer Salz zu erfahren, etwa bei der Demonstration des Salzsiedens: „Diese Festspiele sollen keine reines Theater, sondern nachhaltiger sein“, so der Vorsitzende.

Allein stehen die gut 30 Mitglieder des Salzsiedervereins bei den Vorbereitungen, wie gesagt, nicht da: Das Museum ist mit im Boot, die Stadt Soltau unterstützt das Projekt und - aus den während des Salztransportes geknüpften Kontakten - sind die Quedlinburger und beispielsweise auch Gabriele Link vom Förderverein Saline Sülze mit dabei.

Vermutlich mehr als 40 Leute - vom Salzsieder bis zum Platzanweiser - werden nötig sein, damit die Festspielmaschinerie im Oktober laufen kann. Und finanziert werden muß das Projekt ja schließlich auch noch. Hier setzt Worch-Rohweder auf den Verkauf von Eintrittskarten und ehrenamtlichen Einsatz: „Wir haben bislang alles - auch unser Salzmuseum - selbst gemacht, ohne Fördertöpfe in Anspruch zu nehmen. Mit Manpower versuchen wir auch hier, Risiken zu minimieren und abzufedern.“

Im nächsten Schritt sollen Plakate und Handzettel verteilt werden, um frühzeitig auf die Termine im Oktober hinzuweisen. Und, so Worch-Rohweder, „mit dem Kartenvorverkauf wollen wir dann zum 1. Mai beginnen.“

Logo