Junge Fachkräfte sind „das ‚Gold‘, das die Schule auswirft“

Neujahrsempfang des Fördervereins „ProGast“ an den Berufsbildenden Schulen (BBS) Soltau

Junge Fachkräfte sind „das ‚Gold‘, das die Schule auswirft“

„Sie haben in den vergangenen Jahren viel erreicht“, lobte Torsten Maletti Lehrkräfte, Ausbilder und Schüler, von denen zahlreiche Vertreter kürzlich zum Neujahrsempfang des Fördervereins „ProGast“ gekommen waren. Gleichzeitig warb der stellvertretende Vorsitzende für eine Erhöhung der Mitgliederzahl und äußerte den Wunsch nach weiteren Unterstützern, „damit das Niveau der Ausbildung gehalten oder sogar verbessert werden kann.“ Zusammen mit Gaby Tinnemeier, Leiterin der Berufsbildenden Schulen (BBS) Soltau, und Lutz Behrendt, Abteilungsleiter Gastronomie an der BBS, begrüßte Maletti zahlreiche Gäste im Restaurant der Schule. In ihren Reden gingen Tinnemeier und Behrendt auch auf Probleme und finanzielle Kürzungen ein.

Bei diesem mittlerweile traditionellen Empfang haben Vertreter der Ausbildungsbetriebe und die Ausbilder selbst, Mitglieder des Fördervereins, Lehrer und Sponsoren sowie Gäste aus den Reihen des Dehoga, die Möglichkeit sich kennenzulernen und auszutauschen. Ebenfalls dabei: die Sieger der Schulmeisterschaft 2018/19, die die Region und die Schule auf den niedersächsischen Landesmeisterschaften des Gastronomienachwuchses vertreten. Eingeladen waren auch wieder erfolgreiche Absolventen aus den vergangenen Jahren - für alle Teilnehmer also eine Chance, ehemalige Auszubildende wiederzutreffen und zu erfahren, wohin sie nach der Ausbildung gegangen sind, welche Erfahrungen sie dort gemacht haben.

„Für mich ist immer besonders interessant zu sehen, was aus den ehemaligen Schülern geworden ist und wohin es sie nach der Ausbildung gezogen hat“, erklärte Behrendt. „Dabei freue ich mich natürlich, wenn viele der Heide treu geblieben sind. Denn auch in dieser Region gilt: Wir brauchen Fachkräfte.“ Er sehe immer öfter, daß die Decke an Mitarbeitern in vielen Betrieben immer dünner werde. „Dabei müssen wir hier im ländlichen Raum mehr tun als die Metropolen in der Umgebung“, so der Abteilungsleiter Gastronomie weiter, denn für qualifizierten Nachwuchs zu sorgen, sei eine existenzielle Frage auch in diesem Gewerbe, „und die gut ausgebildeten jungen Menschen sind das ‚Gold‘, das die Schule auswirft.“

In Bezug auf die Schülerzahlen konnte Behrendt Positives berichten: „Sie sind stabil - besonders im Vergleich beispielsweise zu Celle und Hannover.“ 53 Vollzeitschüler und 201 Berufsschüler seien aktuell an der Schule, angehende Restaurantfachkräfte (22) und Systemgastronomen (24) lernten zur Zeit ihren Beruf, so der Abteilungsleiter. „Bei den vergangenen Jahrgängen gab es gute Prüfungsergebnisse und Abschlußquoten.“ Auch die Übernahmequote sei relativ hoch, Sorgen machten ihm jedoch die vielen Fehlzeiten in den Berufsfachschulklassen. Gut aufgestellt sehe er die Schule bei der Unterrichtsversorgung im berufsbezogenen und allgemeinen Bereich, etwa beim Thema Digitalisierung der Klassen. Angeboten, aber schlecht angenommen werde die Sprachförderung für Auszubildende mit Migrationshintergrund, „obwohl die Zahl dieser Schüler zunimmt.“

„Der Verein ‚ProGast‘ ist für uns enorm wichtig“, hob Behrendt hervor. Doch da die finanziellen Mittel des Vereins knapp seien, rief er zur Unterstützung und Mitgliedschaft auf: „Wir möchten den Verein am Leben halten und erfolgreich weiterbetreiben.“ Manche Ideen und Projekte lägen bereits auf Eis, da die Mittel dafür aktuell einfach nicht ausreichten, „dabei ist ‚ProGast‘ eine wichtige ‚Klammer‘ zwischen schulischer und betrieblicher Ausbildung.“

„Die gute schulische Ausbildung können wir auch Dank guter Kontakte anbieten“, fügte Tinnemeier hinzu, „etwa die nach Frankreich und unserem Austauschprogramm mit unserer Partnerschule in Les Sables-d‘Olonne.“ Ausbildungsbetriebe sollten ihren Nachwuchs ermutigen, solche Chancen und Möglichkeiten zu nutzen und „auf Wanderschaft“ zu gehen, so die BBS-Leiterin.

Gleichzeitig wies Tinnemeier nochmals darauf hin, daß in manchen Bereichen finanzielle Mittel fehlten, und zwar den gesamten Berufsbildenden Schulen: „Es gibt gravierende Kürzungen der Mittel“, etwa bei den Personalkosten, was ein Minus von 140 Unterrichtsstunden und den Verlust von mehreren befristeten Verträgen zur Folge habe. Die BBS-Leiterin fürchte, daß ein Großteil der Ausfallzeiten nun von Festangestellten ausgeglichen werden müsse. „Keine schöne Situation.“

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