„Kaum Corona-Schutz im Park“

Heide-Park-Besucher bemängelt mangelnde Maßnahmen am Sonntag

„Kaum Corona-Schutz im Park“

Zunächst war Mark Andre Marquardt skeptisch: Konnte er mit seiner Familie zu Pfingsten nach Soltau in den Heide-Park fahren, wie es sich die Kinder wünschten? „Der positive Bericht der Fernsehsendung WISO und der Bericht bei Spiegel Online hat uns dann dazu bewegt, doch zu fahren“, berichtet der Familienvater. Ein Entschluss, den Marquardt bitter bereut: „Alles in allem entsteht bei mir der Eindruck, dass im Heide-Park verantwortungslos gehandelt wird. Unter diesen Umständen werden wir den Park nicht wieder besuchen und keinesfalls weiterempfehlen“, so sein Fazit.

Zusammen mit seiner Familie hat Marquardt den Freizeitpark am Sonntag, dem 31. Mai, besucht. Nach anfänglicher Skepsis hatte das vom Heide-Park im Vorfeld propagierte Hygienekonzept die Familie aus Eutin beruhigt, so dass sie ihre Bedenken fallen ließ und sich auf den Weg nach Soltau machte.

„Wir sind bestens vorbereitet und haben uns der Situation optimal angepasst“, hatte Geschäftsführerin Sabrina de Carvalho im Vorfeld versichert. Auch der Heide-Kurier hatte berichtet, dass die Öffnung an Auflagen gebunden sei. „Zur Minimierung des Infektionsrisiko haben wir gezielte, teilweise von der Regierung verordnete Maßnahmen ergriffen, wie Maskenpflicht in den Attraktionen, Wartebereichen, Shops und Abstandsregelungen von 1,5 Metern“, hatte de Carvalho versichert.

„Doch im Gegensatz dazu lief es an diesem Sonntag erschreckend anders ab“, berichtet Marquardt: „Im Bereich des Parkplatzes und beim Einlass lief es zwar relativ organisiert. Man wurde hier auf Maskenpflicht und Abstand hingewiesen. Im Park angekommen, stellten wir jedoch fest, dass angesichts der aktuellen Pandemie deutlich zu viele Besucher im Park waren“, ist sich der Eutiner sicher.

Seine Beobachtungen, die er auch mit Fotos, die dem Heide-Kurier vorliegen, dokumentierte: „In den Warteschlangen wurde fast durchgängig der Abstand von anderthalb Metern nicht eingehalten. Auch trugen sehr viele Wartende keine Maske oder sie trugen sie unter der Nase. Es gab keine zusätzlichen Mitarbeiter, die auf die Einhaltung der Regeln hinwiesen und die vorhandenen Mitarbeiter ignorierten das Fehlverhalten.“

Auch habe es in den Warteschlangen so gut wie keine Ansagen zu Abstandsregeln oder zur Maskenpflicht gegeben, „nur einmal am gesamten Tag haben wir eine Ansage dazu gehört, lediglich die Standardansagen zum Rauchverbot waren zu hören.“ Auch deutliche Hinweisschilder hat der Familienvater vermisst. Darüber hinaus seien zwar Desinfektionsmittelspender aufgestellt worden - „aber die waren fast alle leer“.

Marquardt ärgert sich: „In zehn Wochen Vorbereitungszeit sollte es doch möglich sein, eindeutige Schilder vor jedem Fahrgeschäft aufzustellen, angepasste Ansagen aufzusprechen und vor allem alle Mitarbeiter entsprechend zu schulen und zu instruieren. Bei diesem laschen Umgang besteht eine große Gefahr, dass der Park zu einem Superspreading-Event wird und damit in Kürze behördlich geschlossen wird.“

Um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen gebeten, weist die Pressestelle des Freizeitparks darauf hin, dass sie die Maßnahmen, auf all ihren Kanälen kommuniziert habe. Und ein solches Konzept sei natürlich darauf angewiesen, dass die Gäste sich an die einzelnen Punkte hielten. Pressesprecherin Svenja Heuer: „Für uns ist dies eine noch nicht dagewesene Situation, der wir uns nach bestem Wissen und Gewissen jeden Tag neu stellen“.

Zudem werde das Hygienekonzept aus den gesammelten Erfahrungen fortwährend angepasst: „So haben wir beispielsweise die Kontrollgänge im Park durch unser Personal deutlich erhöht und werden an den 80 Spots mit Desinfektionsspendern eine Hotline-Telefonnummer anbringen, um leere Spender sofort zu melden. Unsere Besucherkapazität haben wir deutlich reduziert“, so Heuer. Die PR-Expertin des Parks untermauert ihre Stellungnahme mit Fotos, die unter anderem zeigen, dass es zumindest Hinweisschilder gibt, die unter anderem auf Abstandsregeln und Maskenpflicht in allen Bereichen hinweisen.

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